„Erste Schau dieser Art über die Jenischen“

Das Hohenloher Freilandmuseum eröffnet am Sonntag eine neue Abteilung, die vieles über das fahrende Volk aufzeigt. Das sei einzigartig in Deutschland.

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Der restaurierte Reisewagen auf dem Weg zurück ins Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen.  Foto: 

Inhaltlich ist das ein Schwergewicht. Das ist die erste und bisher einzige Ausstellung in einem deutschen Museum über das Thema“, erläutert Michael Happe, Museumsleiter in Wackershofen. Es werde derzeit auf Hochtouren an der Fertigstellung der neuen Dauerausstellung „Auf der Reis‘ – Die ‚unbekannte‘ Minderheit der Jenischen im Südwesten“ gearbeitet. Die Dauerausstellung ist in der großen Scheune des Steigengasthauses aus Michelfeld untergebracht.Happe zeigt sich stolz: „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal.“

Hauptattraktion ist dabei ein über 100 Jahre alter Reisewagen. Der kommt zurück ins Freilandmuseum. Dieses größte Exponat stammt aus der Zeit um 1920. Mit solchen Wagen sind damals Menschen mit mobilen Lebenssituationen wie Zirkusleute, Sinti und Roma und auch jenische Markt- und Hausierhändler über das Land gezogen.

Diskriminiertes Volk

Die jenischen Händler nutzten solche Wagen als Wohn- und Arbeitsraum, wenn sie auf die „Reis‘“, die mehrmonatige Handelsreise, gingen. Der Wagen, der ab Sonntag, 21. Mai, 15 Uhr im Hohenloher Freilandmuseum zu sehen sein wird, ist in den letzten Monaten in aufwändiger Arbeit durch den Ilshofener Restaurator Volker Immel restauriert worden, ein Projekt das von der Landesstelle für Museumsbetreuung finanziell gefördert worden ist. Der Wagen wird in Wackershofen in dem Zustand der 1950er-Jahre präsentiert, teilt das Museum mit. Der Reisewagen sei eine absolute Rarität.

Im Hohenloher Freilandmuseum ist, in enger Abstimmung mit Angehörigen der Minderheit, eine Ausstellung über die Geschichte, die Kultur und Lebensweise der Jenischen entstanden. Die Ausstellung, für die der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Schirmherrschaft übernommen hat.

Den Besuchern soll die Schau die vielgestaltige Geschichte dieses fahrenden Volkes näher bringen. Schwerpunkte der Ausstellung sind die Geschichte der Jenischen in den heutigen Gemeinden Fichtenau und Pfedelbach, aber auch andere Orte mit jenischem Bevölkerungsanteil werden vorgestellt.

Die ursprünglich nicht sesshaften Jenischen zogen als „Fahrende“ über das Land. Sie lebten vom Kleinhandwerk, von Reparaturarbeiten und dem Markt- und Hausierhandel. Die Angehörigen der Minderheit entwickelten auch eine eigenständige „Geheimsprache“: das Jenische.

Immer unterwegs

Die Geschichte der Jenischen ist vom Leben auf der Landstraße, dem häufig wechselnden Zusammenleben mit der Ortsbevölkerung und dem oft mühsamen Kampf ums tägliche Brot geprägt, aber auch von Repressalien durch die Obrigkeiten. In Deutschland erreichte die Verfolgung den Höhepunkt im Nationalsozialismus. Heute leben etwa 40 000 Menschen in Deutschland, die sich als Jenische verstehen.

Info Die Vernissage ist am Sonntag, 21. Mai, 15 Uhr, im Hohenloher Freilandmuseum. Ab dann ist die Schau zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

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