"Den Mut nicht sinken lassen"

Er ist nicht mal 18 Jahre alt geworden. Friedrich Stein vom Metzlenshof ist einer von 56 der insgesamt 261 Soldaten aus Frickenhofen, die im 1. Weltkrieg "ihr Leben für Kaiser, König und Vaterland gaben".

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Es kommt nicht häufig vor, dass eine laufende Ausstellung erweitert wird. Im Heimatmuseum Horlachen ist das der Fall. "Je mehr über den "1. Weltkrieg an der Heimatfront" in der Zeitung steht, umso mehr Leute melden sich und bringen alte Fotos, Briefe, Karten, Familienbibeln", berichten Eberhard Zimmer und Erwin Holzwarth vom Heimat- und Geschichtsverein Gschwend und Umgebung. Eine Familie aus Obergröningen - sie hat ihre Wurzeln in Frickenhofen - bot Exponate für die Ausstellung an, ein Fotoalbum und Feldpostkarten. Ein 14-Jähriger brachte Fotos und Postkarten in deutscher Schrift ins Heimatmuseum, die keiner in der Familie entziffern konnte. Die vergilbten, teils eingerissenen Schwarzweißaufnahmen zeigen Wilhelm und Johann Grau, zwei Brüder vom Roßsumpf, und eine Ansicht des Waldfriedhofs der 27. Division in Frankreich. Die Gräber der beiden Grau-Söhne sind angekreuzt. Der Nachruf des Soldaten Franz Schmid, den er für seinen Kameraden Wilhelm Grau reimte, gibt Einblick in die Situation an der Front und das Gefühlsleben des jungen Mannes: "Im November, man schrieb neun/ Traf die Feldpost bei uns ein/Brachte fast für jeden Krieger/Grüße von den teuren Lieben./ Auch mein Kamerad Grau/Erhielt viel Grüß von seiner Frau/Und hat gleich darauf den Lieben/Ein Kärtchen aus dem Feld geschrieben./Aber als die Uhr zeigt neun,/Mußt er auf den Posten sein,/Und der Arme ließ nun liegen/Seine Kart nur halb geschrieben./Alles eilte nun zum Posten,/Und erfüllt getreu die Pflicht,/Bewacht den Feind in West und Osten,/der oft sehr gefährlich ist./Kaum ne halbe Stund auf Posten,/Lag mein treuer Kamerad Grau/Auch schon tot vor meinen Füßen,/Und sein Blut tat weithin fließen./Jedem Freund die Tränen fließen,/Weil der Gute nun schon tot,/Doch er starb als tapfrer Krieger/Im Argonnenwald den Heldentod./Dort ruht nun bei anderen Kriegern/Mein Kamerad, mein Freund, mein Lieber/Der gekämpft mit starker Hand/Für Kaiser, König und Vaterland."

Was der 1. Weltkrieg für die "Heimatfront" bedeutete, zeigt auch das Schicksal des jungen Karl Häfner aus Altersberg. Der 19-Jährige wurde am 1. August zur Rekrutenausbildung nach Münsingen eingezogen. Ende August half er bei der Ernte mit, nahm im November noch mal 14 Tage Saat-Urlaub, kaum drei Wochen später erhielten seine Eltern die Todesnachricht: "Karl Gottlieb Häfner ist am 14. Dezember 1916 den Heldentod fürs Vaterland gestorben." Der Enkel seines Bruders, Kurt Häfner, hat ein Foto des Soldaten aus Altersberg und Dokumente für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Heute arbeitet Kurt Häfner im Museum mit.

„Beinahe bricht vor Schmerz das schwer geprüfte Elternherz“

"Und beinahe bricht vor herbem Schmerz das schwer geprüfte Elternherz", schließt Jakob Stein den Nachruf für seinen Bruder Friedrich. Wie Karl Häfner wurde das "Buale" ohne Ausbildung in den Kampf geschickt - als "Kanonenfutter". "Ab 1916", sagt Museumsmacher Erwin Holzwarth, "war der Bedarf an Soldaten so groß, dass man sie nach kurzer Einführung ins Feld schickte."

Friedrichs Geburtsdatum ist nicht bekannt. Die Kirchenbücher von Frickenhofen wurden zur Sicherheit im Neuen Schloss in Gaildorf verwahrt, wo sie - Ironie der Geschichte - nach einem Angriff im April 1945 auf Gaildorf verbrannten. Neben dem Nachruf, der Todesnachricht und Versen der Mutter des Gefallenen zeigt das Heimatmuseum einen Brief des 17-Jährigen. Er schreibt aus Bullcourt an der Westfront: " . . . mir geht es gut und bin auch gottlob noch gesund. Bei uns gibt es wirklich ziemlich Verluste, denn wir liegen hier noch in der Ortschaft und diese liegt mitten in der Stellung und unser feiner Gegener, der Engländer, schießt alles übereinander, denn in unserer neuen Stellung, wo wir bezogen haben, sind noch nicht genügend Deckungen da. Wir müssen auch hier ziemlich auf Vorposten. Das ist ja nicht so angenehm. . . . Ich bin heute auf Vorposten in einem Granatloch und da hatte ich Zeit zu schreiben. Es ist heute schönes Wetter, wenn es nur jetzt einmal so blieb. Es sausen die Granaten herum und über einen weg, dass der Boden zittert, aber man darf den Mut nicht sinken lassen. . . . Somit will ich schließen in der Hoffnung auf gesundes und baldigen Wiedersehen." Das gab es nicht mehr.

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