Zehn Jahre Teil des Unesco-Welterbes: Im Welzheimer Kastell gab es etwas zu feiern

Seit zehn Jahren ist der Obergermanisch-Raetische Limes Teil des Unesco-Welterbes "Grenzen des Römischen Reiches". Für die Region ist diese besondere Würdigung von enormer Bedeutung.

KARL-HEINZ RÜCKERT |

Stilecht zur Feier des kleinen Jubiläums empfing ein Spalier der Limes Cicerone Vertreter aus Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik, des Landesamts für Denkmalpflege und der Deutschen Limeskommission vor der Eugen-Hohly-Halle in Welzheim.

Eindrucksvolle Geburtstagsfeier mit Cicerone

Zum eindrucksvollen Beginn der besonderen Geburtstagsfeier, wie Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr bemerkte, begrüßte er zahlreiche Gäste und redete die Honoratioren mit ihren lateinischen Titeln an. Bernlöhr würdigte das Engagement von Limespflegern und Cicerones, deren Verband ebenfalls seit zehn Jahren besteht.

Ein weiteres Jubiläum feiert in diesem Jahr die Deutsche Limes-Straße. Sie besteht seit 20 Jahren. Für Archäologen halte der "Welzheimer Letten" immer wieder Überraschungen bereit. Grabungen im Bereich des Feuersees werden es an den Tag bringen. Im Vorfeld dieser neuen Ausgrabungen hob Professor Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, das Verständnis der Bevölkerung und Stadtverwaltung in Welzheim für archäologische Forschungen hervor. Nebenbei beteilige sich die Stadt an den Grabungsarbeiten der Denkmalpfleger mit 300.000 Euro.

Als Leuchttürme der baden-württembergischen Archäologie bezeichnete Dr. Wolf neben dem Limes die Albhöhlen und Pfahlbauten am Bodensee. Zum Limes gibt es noch großen Forschungsbedarf, dabei gelte es, die Asche zu bewahren und neue Glut zu entfachen, schloss Wolf.

Anlass zum Feiern und Anklagen sah Landtagspräsident Wilfried Klenk, und meinte neben dem kleinen Limes-Jubiläum die verbrecherische Zerstörungen von Weltkulturerbestätten in Syrien. Eine reife Leistung und großes Unterfangen sei die Bewerbung des Limes um Anerkennung als Weltkultur gewesen. Nach Ansicht des Landtagspräsidenten leiste Denkmalschutz einen Spagat zwischen Bewahrung der Altertümer und heutigen Lebensansprüchen. Respekt und Dank zollte Klenk den Institutionen, Vereinen und Mitarbeitern, die sich um die Erhaltung der historischen Landmarke kümmern und würdigte die Arbeit der Deutschen Limeskommission als "Bewahrerin des Limes Welterbes".

Die Aufgaben der obersten Denkmalschutzbehörde beim Ministerium für Finanzen und Wirtschaft stellte Staatssekretär Peter Hofelich vor. Baden-Württemberg räume dem Denkmalschutz hohen Verfassungsrang ein. Die einstige römische Grenzbefestigung sei nicht als Trennlinie zu verstehen. Als offene Grenze war sie Demarkationslinie und deutliches Zeichen für römisches Recht und Kultur.

Das Erbe aus den Zeiten Roms macht Geschichte erlebbar

Dies unterstrich auch Landrat Johannes Fuchs in seiner launigen Ansprache, in der er Denkmalpflegepräsident Professor Dr. Claus Wolf mit dem Zuruf begrüßte: "Vulpes ante Portas!" Die Welzheimer und Rems-Murr-Barbaren hätten den Römern viel zu verdanken, fuhr der Landrat fort. Römische Kultur und Dolce Vita wandelten Bürgerinnen und Bürger im Rems-Murr-Kreis zu den edelsten. In seiner beinahe 2000 jährigen Geschichte habe die Region durch den Limes Aufschwung erfahren und beschere ihr bis heute einen strukturellen und touristischen Boom. Mit den virtuellen Limeswelten und das durch die Cicerones in Szene gesetzte römische Leben sei der Limes erlebbare Geschichte geworden und stehe als Weltkulturerbe in einer Reihe mit den Pyramiden von Gizeh. Die Bedeutung des Limes für die Wissenschaft vermittelte Professor Dr. Sebastian Sommer, Vorsitzender der Deutschen Limeskommission. Die Bedeutung archäologischer Schätze habe durch Vermittlung zum Verständnis in der Gesellschaft beigetragen. Einen wesentlichen Aspekt gestand Dr. Sommer der römischen Trennungslinie zu: Internationaler Austausch und Zusammenarbeit hätten Länder über Grenzen hinweg verbunden. Über Entwicklungen und Projekte entlang des Limeskulturerbes zeige sich die Deutsche Limeskommission erfreut, betonte Dr. Sommer.

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