"Wertminderung nicht nur bei Verkauf"

Ein Forschungsprojekt der Universität Frankfurt am Main, durchgeführt von Prof. Dr. Jürgen Hasse, kommt zu dem Schluss, dass Windkraftanlagen in der Nähe von Wohngebieten die Lebensqualität der Anwohner nachhaltig verändern.

SWP |

Als Folge der Beeinträchtigung der Lebensqualität sinkt der Verkehrswert der Immobilien signifikant. Immobilienmakler bestätigten im Rahmen der Studie Wertverluste bei Immobilien in Höhe von durchschnittlich 20 bis 30 Prozent durch die Errichtung von Windkraftanlagen mit Einfluss auf Wohngebiete. Im Einzelfall droht gar die völlige Unverkäuflichkeit.

Wertmindernde Gründe für die Immobilien sind: Geräuschimmissionen, Infraschall, der möglicherweise für Zunahme von Herz-Kreislauferkrankungen bei Menschen, die in der Nähe von Windkraftanlagen leben, verantwortlich ist, Schattenwurf, Unruhe durch die drehenden Rotoren sowie die Verschandelung der Landschaft und der unwiederbringliche Verlust des Erholungswertes der Natur.

Der letztgenannte Punkt ist für eine strukturschwache Kleinstadt wie Gaildorf ganz wesentlich. Die Attraktivität Gaildorfs beruht zu einem großen Teil darauf, dass Nachteile wie weit entfernt liegender Autobahnanschluss, Fehlen diverser Einkaufsmöglichkeiten etc. durch ein intaktes Naherholungsgebiet "inmitten des schwäbischen Waldes und der Limpurger Berge, direkt an der idyllischen Straße" (Homepage der Stadt Gaildorf) aufgewogen werden.

Da der Markt den Preis bestimmt, sind theoretische Diskussionen darüber, ob der Gebäudewert objektiv durch die Nähe zu Windkraftanlagen nicht an Wert verliert, sondern nur subjektiv, für einen Häuslebauer, dessen Lebenswerk von heute auf morgen einen großen Teil seines Wertes verliert, nicht hilfreich. Zumal Banken den Beleihungswert von Immobilien herabsetzen, wenn sie im Einflussbereich von Windkraftanlagen stehen. Die Wertminderung wirkt sich somit nicht nur bei einem Verkauf aus. Das Bewertungsgesetz berücksichtigt derartige Beeinträchtigungen als so genannte "wertmindernde Umstände" durch Abschläge von bis zu 30 Prozent auf den Grundstückswert. Höhere Wertminderungen werden bereits durch die Verminderung der erzielbaren Jahresmiete berücksichtigt.

In diesem Zusammenhang muss die Frage gestellt werden, weshalb der Standort der geplanten Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe zur Bebauung gewählt wurde und weshalb dieser "alternativlos" sein soll? Das Argument, dass ohnehin klar sei, dass Windräder gebaut werden, die Frage sei nur, von wem, wie beispielsweise der CDU-Fraktionsvorsitzende Baumann verlauten ließ, ist unzutreffend. Ebenso ist auch die Aussage, dass "Hedgefonds" mit der Verspargelung unserer Landschaft drohen, als rechtlich nicht fundiert einzustufen.

Diese These wird mit der Änderung des Landesplanungsgesetzes durch die grün-rote Landesregierung begründet, die zum 1. September 2012 in Kraft tritt. Die Regionalplanung soll künftig nur noch Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausweisen können, keine Ausschlussgebiete mehr. Gleichzeitig erhalten jedoch die Gemeindeverwaltungen die Möglichkeit, Standorte für Windkraftanlagen eigenverantwortlich über Flächennutzungspläne zu steuern. Kommunen haben nach Paragraph 35 Baugesetzbuch die Möglichkeit, selbst Sonderbauflächen für Windkraft auszuweisen und Ausschlussgebiete darzustellen. So kann einer ungesteuerten "Verspargelung" der Landschaft entgegengewirkt werden.

Die Stadt Baden-Baden hat dies bereits vorbildlich praktiziert, indem sie Windradflächen dort ausgewiesen hat, wo dies in Einklang mit Mensch, Umwelt und Landschaftsbild zu bringen ist. Dies ist auch in Gaildorf möglich, wenn der Stadtrat entsprechende Initiativen ergreift. Die Bürgerinitiative "Für Gaildorf" hält eine überregionale Planung zur Ausweisung geeigneter Windkraftflächen für unerlässlich. Nur so kann das Ziel der Ausweitung von Vorranggebieten für Windkraft unter Einbeziehung, Unterstützung und Akzeptanz der Bürger erreicht werden.

Info Die Internetseite der Bürgerinitiative: www.fuer-gaildorf.de.

Quellenangaben: Gesetz zur Änderung des Landesplanungsgesetzes, Bewertungsgesetz i.d.F.vom 1.2.1991, zul. geändert durch Ges. vom 19.12. 2000, Richtlinien für die Bewertung des Grundvermögens; Prof.Dr.Jürgen Hasse: Der Einfluss von Windkraftanlagen auf den Verkehrswert bebauter Wohngrundstücke, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main.

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