"Weder sinnvoll noch notwendig"
Baden-Württemberg ist das windschwächste Land der Bundesrepublik. Die Tatsache, dass das Land bei der Anzahl von Windkraftanlagen bislang hinter anderen Bundesländern zurücksteht, hat also handfeste ökonomische Gründe. Von 381 Anlagen (Stand 30.10.2011) in Baden-Württemberg haben laut Betreiber Daten Basis (BDB) 2010 nur fünf die Mindestanzahl von 2000 Volllaststunden, die für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlich sind, erreicht. Selbst in den windhöffigsten Hochlagen im Schwarzwald erfüllen sich die meist viel zu hoch gesteckten Prognosen nicht.
Auch bei hoher Nabenhöhe und einer sehr großen Ausführung des Rotors der geplanten Windräder lässt sich die Natur des Windes und die Berechnungsformel für die Windradleistung nicht überlisten. Dabei ist zu beachten, dass im Mittelgebirge die Turbulenzintensität ungleich höher ist als im Flachland.
Daneben legt der Projektbetreiber bei seiner Kalkulation eine zu hohe Anzahl an erreichbaren Volllaststunden zugrunde. Kalkuliert wird mit 2222 Volllaststunden, während der Bundesdurchschnitt gerade einmal bei 1574 Volllaststunden liegt, einschließlich der sehr windstarken Gebiete in Norddeutschland. In Baden Württemberg werden im Schnitt etwa 1200 Volllaststunden erreicht (DEWI).
Ein Beispiel aus Simmersfeld im Nordschwarzwald: "Der seinerzeit als das Vorzeige-Pilotprojekt für Windkraft in Baden-Württemberg angepriesene, aus 14 Windrädern bestehende Windpark Simmersfeld vermeldet im Drei-Jahresdurchschnitt eine jährliche Abweichung bei den prognostizierten Volllaststunden von minus 42 Prozent (1334 statt 2300) im Vergleich zu den viel zu optimistischen Prognosen. In Simmersfeld sehen jetzt die so über den Tisch gezogenen Anleger nunmehr im dritten Jahr nacheinander, wie ihr investiertes Eigenkapital wie Schnee in der Sonne zusammenschmilzt, und die meisten der schmählich getäuschten Anleger müssen sich damit abfinden, jemals weder eine jährliche Ausschüttung zu erzielen, noch den Rückfluss ihres eingesetzten Kapitals zu erleben, sondern vor allem den Initiatoren, Windrad-Herstellern und Grundstücksverpächtern die Taschen gefüllt zu haben" (Schwarzwälder Bote vom 3. 7. 2011).
Zum Thema Verbindung mit einem Pumpspeicherkraftwerk heißt es in der Projektbeschreibung: Die Windenergie werde genutzt, um das Wasser in die Speicher in den Türmen der Windkraftanlagen hinauf zu pumpen. So könne der Stromertrag windreicher Tage auf mehrere weitere Tage bedarfsgerecht verteilt werden. Dies hört sich nur auf den ersten Blick überzeugend an. Bei näherem Hinschauen ergeben sich an dieser Darstellung einige Ungereimtheiten: Zum einen würde es überhaupt keinen Sinn machen, das Wasser mit dem erzeugten Strom aus den Windkraftanlagen in die Speicher zu pumpen. Und zwar aus folgendem Grund: Das derzeit gültige EEG (Erneuerbare Energien Gesetz/Einspeisevergütungsgesetz) verpflichtet die Netzbetreiber zur Abnahme des Windstroms zu einem Preis von 8,93 Cent/kwh. Eine Speicherung von Strom, wie in den Projektunterlagen beschrieben, ist daher weder sinnvoll noch notwendig. Den mit den WKA erzeugten Strom zum Betrieb der Pumpen zu verwenden, wäre wirtschaftlich unsinnig, denn der Wirkungsgrad des Speicherbetriebs liegt nur etwa bei 70 Prozent und damit die Einspeisevergütung um 30 Prozent niedriger.
Somit könnte für einen wirtschaftlichen Betrieb des Pumpspeicherkraftwerks nur billiger Nachtstrom aus konventionellen Kraftwerken (Kosten etwa 2 bis 4 Cent /kwh) verwendet werden.
Ein bekanntes Phänomen bei Pumspeicherkraftwerken: Die Tagesschau hat am 25. 6. 2011 über diese Vorgehensweise im Beitrag "Atomstrom sauber gewaschen" berichtet. Unabhängig davon stellt sich die Frage, wie bei einem Turbinenbetrieb des Pumpspeicherkraftwerks von maximal 20 Stunden bei voller Leistung ernsthaft eine Strom-Autarkie Gaildorfs in Aussicht gestellt wird?
Allein für eine Windflaute von zehn Tagen müsste die Speicherfähigkeit des Pumpspeichers etwa 1,4 Millionen kWh betragen. Eine Windstromflaute von zehn Tagen und mehr ist selbstverständlich jederzeit möglich, man muss nur auf den vergangenen November zurückblicken. Den geringsten Stromertrag (MWh) des Novembers erzielten alle deutschen Windkraftanlagen am 16. 11. 2011. Mit der installierten Leistung von über 27 215 MW (Stand DEWI: 30. 6. 2011) speisten sie nur 16 820 MWh in das Stromnetz. Das bedeutet: An den 24 Stunden des Tages waren sie gemeinsam nur an 0,6 Stunden unter Last.
Zusammenfassend sagen wir, dass das Projekt Naturstromspeicher weder energiewirtschaftlich, noch ökonomisch oder ökologisch sinnvoll ist. Es besteht daher kein Grund, unsere wunderschöne Kulturlandschaft zu opfern, eventuell gesundheitliche Schäden und die Minderung unserer Immobilienwerte in Kauf zu nehmen.
Info Die Internetseite der Bürgerinitiative: www.fuer-gaildorf.de. Quellenangaben: Dipl. Ing. Johann Waldmann, Kraftwerksingenieur, "Fachliche Stellungnahme zum Naturstromspeicher Gaildorf"; Dr.Christoph Leinß; Martin Lauffer, Physiochemiker; Gamesa Energie Deutschland GmbH: Leistungskurve Gamesa G 136-4,5; Windpotential-Studie des Instituts für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung (IER Uni Stuttgart) Deutsches Windenergie Institut in Wilhelmshaven (DEWI).
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Autor: SWP | 07.12.2011
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Kommentare (2)
Ein unwirtschaftlicher Wahnsinn
Das Projekt ist mit mindestens 40 Millionen Euro Baukosten einfach zu teuer. Die vor kurzem von der neu gegründeten Genosssenschaft erste vorgelegte Zahlen zeigen ebenfalls ganz klar, dass dieses Modell unwirtschaftlich ist. Das Pumpspeicherwerk stellt keinen wirkllichen Mehrwert dar und bringt daher keinen zusätzlichen Ertrag. Es bleibt also der Verdacht im Raum stehen, dass die Initiatoren Gaildorf nur als Versuchsprojekt ausgesucht haben, um die Sache zu testen.Seit der von der lieben Frau Merkel beschlossenen Energiewende, sind anscheinend zuviele Leute in den Folterkammern der Öko- und Klimaalarmisten mit Grünstrom behandelt worden. Die negativen Schlagzeilen der vergangenen Wochen in Sachen Energiewende, wie Verteuerung des Strompreises, Netzprobleme, erneutes schlechtes Windjahr usw., zeigen aber schon nach kurzer Zeit die Probleme auf. Es wäre jetzt an der Zeit, ideologische Träumererin zu reduzieren und dieses Thema mit weniger Hektik anzugehen.
Naturstromspeicher eine Mogelpackung
Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist der sog. Naturstromspeicher nichts als eine Mogelpackung. Ein Pumpspeicherkraftwerk, das mit Billigstrom aus konventionellen Kraftwerken das Wasser in den Speicher pumpt und als "Ökostrom" herunterlässt.Keiner hat es gemerkt.
Der Gemeiderat , der sich blind auf die Angaben vom Projektbetreiber verlassen hat, wird ganz schön in Erklärungsnot kommen....