Stockenten auf der Runzelranch
Wenn am Gonzenbach der Ruf "Bühlerzell - Awa!" erschallt, dann sind im Dorf wieder die Narren los. Seit es die Mühleckhalle gibt, wird der Bühlerzeller Fasching dort ganz groß gefeiert, wie man in Zell gerne verrät. Es marschieren ein: Die Mädchen der Garde Blau-Weiß und der Garde Rubin - und der Faschingsball der Sportfreunde und der Musikkapelle geht los. Mit Rap und Jodler entführt Ellen Haag ihr Publikum in eine Welt des Lachens, Schunkelns und Tanzens bei einem bunten Programm.
Die Bühlerzeller haben es irgendwie mit dem Auto - zumindest ist das in diesem Jahr beim Faschingsball deutlich geworden: Die Gonzenbachlerchen (Konni Münkle, Renate Schiele, Simone Kiesel, Josef Wagner, Bernd und Erwin Funk), die in Anlehnung an ihr Mainzer Pendant ihre Bühlerzeller auf die Schippe nehmen, haben diesmal eine ganze Autowaschanlage auf die Bühne gebracht.
Da soll es nämlich einen Zeller geben, der im vergangenen Jahr in Bühlertann sein Auto waschen ließ und dabei vergaß, die Handbremse anzuziehen. Das Ergebnis: "Als die Walzen haben hinten rumgeputzt, da ist das Auto einfach vorne rausgeflutscht." Er schob es wieder hinein, ließ sich mitwaschen und erfand dabei ein neues Waschprogramm. "Älles in oim, für den gleichen Preis". Die Gonzenbachlerchen hatten mit Geschichten rund ums Autofahren die Lacher ganz auf ihrer Seite.
Das gelang auch Berta und Josefine (Steffen Haag und Klaus Schiele) im "Salon Gerda". Wo man über alles mögliche tratschen kann - neben Intimem, Schlüpfrigem und vor allem Männer gehts auch um die wirklich großen Themen: Ob Runzelranch (Schönheitsfarm) und Stockenten (Nordic-Walker), oder, oh, wie schlimm, die Bankenkrise! "S gibt au Leit, denne gfällt des", beschwichtigt Josefine. Zum Beispiel der SPD, "weil die Banken endlich rote Zahlen schreiben". Selbst ein Patzer wird zum Lacher, als die beiden mit dem galanten Hinweis "Hosch net gsea, Schultes!" ihren Bürgermeister verwarnen.
Kein Missgeschick geschieht im Dorf, das nicht aufgedeckt wird. Seit Jahren hält Erwin Funk die alte Tradition der "Schnitzelbank" hoch und erzählt in Versen, was sich zugetragen hat. Zum Beispiel:
"Schaffst du in der Bausparkass / dann ist vor allem wichtig / dass du immer hast was Nettes an / und bist auch modisch vorne dran. / Doch die Beate aus Steinenbühl / übertrieb dann doch etwas zuviel. / Sie ist in der ,Büchs zum Geld verdienen / mit einem schwarzem und einem weißen Schuh erschienen. / Da ham die Kolleginnen aber gschaut / das hat sich bis jetzt noch keine traut. / Und was das allerschönste war: Daheim hatte sie noch mal das gleiche Paar."
Funk berichtet von Bühlerzellern die ihren Schlüsselbund solange suchen, bis der Anruf eines Nürnberger Kaufhauses Gewissheit bringt: Er lag in einem Retour-Paket. Oder jene Zellerin, die ihrem Mann einen Schließfachschlüssel schenkte, weil sie das eigentliche Geschenk in Aalen im Schließfach vergessen hatte. "Der hat sich gefreut und den Schlüssel behalten, so hat sich die Freude eine Weile gehalten."
Kaum ein Bühlerzeller, der nicht sein Fett wegbekommt, doch "wer seinen Namen noch nicht hat vernommen, der ist für dieses Jahr davon gekommen".
Die Stimmung explodiert beim Auftritt der "Zellermer Guggafatzer" und ihren Faschingsschlagern in schrägen Tönen und mitreißender Rhythmik.
Ganz besonders aufregend sind allerdings die mit viel Aufwand beim Bühnenbild und toller Choreographie einstudierten Showtänze: Die Gruppe um Sonja Wurst-Plessing erklimmt mit Lederhose und Dirndl beim "Alpenrock" die Berge, jene um Sabine Kohnle-Plessing wirbeln im Orient um Aladins Wunderlampe. "Romeo und Julia" tanzen eine moderne Lovestory (einstudiert von Jasmin Ljubec und Martina Hägele) und von der Truppe um Diana Saile mit ihrem akrobatischen Showtanz "Dschungel" fordert das mittlerweile vor Begeisterung tobende Publikum eine Zugabe. So lebendig ist der Fasching in Bühlerzell.
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Autor: KARSTEN DYBA | 09.02.2010
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Auch ein "Superman" kann Romeo nicht ersetzen: Beim Showtanz "Romeo und Julia" suchen die 13 Tänzerinnen und drei Tänzer nach einem neuen Romeo. Rechts oben: Er berichtet, was Lustiges im Dorf geschieht: Schnitzelbänkler Erwin Funk. Unten: Konni Münkle von den Gonzenbachlerchen. Fotos: Karsten Dyba
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