Schweizer Pianist und Sänger lässt mit drei Sets und zwei Zugaben das "Häberlen" erzittern

Ich hab's ihm versprochen: Nie wieder werde ich behaupten, Schweizer seien langsam. Was Pianist und Sänger Nico Brina aus der Schweiz am Samstagabend in der Kulturschmiede lieferte, war atemraubend.

WERNER SCHMIDT |

Ob ganz popelig im Sitzen, im Stehen, auf dem Klavierhocker hockend - er nahm das alles durch und notfalls Füße und Nase zu Hilfe, um noch ein paar der weißen Tasten anzuschlagen. Zusammen mit Saxophonist Frithjof Gänger und Schlagzeuger Alf List aus Ludwigsburg. Letzterer dürfte Blues- und Boogie-Woogie-Begeisterten bekannt sein durch sein Label "stormy-monday-records" und als Veranstalter der Blues-und-Boogie-Night Ludwigsburg. Er spielte bereits mit Nico Brina, der am Samstag auf dem Weg nach Nordfrankreich in Gaildorf Station machte.

Die Kulturschmiede ist bekanntlich ein recht übersichtlicher Raum mit kleiner Bühne, die Haut- und am Samstag auch Schweißkontakt mit den Musikern garantierte. Auch der Schweizer schwitzte sich bei seinem Auftritt die Seele aus dem Leib. "Abschwitzen", nannte er es und wollte wissen, ob man das in Deutschland auch sage. Alf List, nicht auf den Mund gefallener Schwabe, korrigierte: "Bei uns heißt's abschweizern."

Drei Sets und insgesamt zwei Stunden Musik plus Zugabe ließen das "Häberlen" erzittern. Auf der Songliste standen wunderbare alte Titel, die einen wohlklingenden Reigen ergaben aus Boogie Woogie, Rock 'n' Roll, Jazz mit Ray Charles' "Hit the Road Jack" und einem Hauch von Country und Sozialkritik mit dem ewig lang nicht mehr gehörten "Sixteen Tons". Der Titel wurde nicht nur durch Tennessee Ernie Ford in den Fünfzigern bekannt, auch Jonny Cash coverte ihn. Und Freddy Quinn: "Sie hieß Mary Ann und war sein Schiff . . ."

Schlagzeuger List und Saxophonist Frithjof Gänger machten das Trio komplett, aber es war eindeutig ein Nico-Brina-Abend. Das merkte man schon daran, wie die beiden schwäbischen Musiker sich zurücknahmen. Sie ergänzten Brina musikalisch und unterstützten so seine Show, die ihn wer weiß wie viel Liter Schweiß gekostet haben mag.

Rund 150 Besucher waren im Häberlen, das sich dadurch auf nahezu tropische Temperaturen aufheizte. Dass Brina die Kondition eines Triathleten haben muss, zeigte sich daran, dass er während des Auftritts keinen Schluck zu sich nahm, dafür aber an Tempo zulegte und zum Schluss jenen Highspeed-Boogie zelebrierte, mit dem er 1996 ins Guinnes-Buch eingetragen wurde: 608 Anschläge pro Minute allein mit der linken Hand.

Mit Brina, das muss erwähnt sein, war ein internationaler Star der Boogie-Woogie-Rockabilly- Szene in Gaildorf, der in seinen 30 Jahren auf der Bühne bereits an die 2000 Konzerte gegeben hat - unter anderem in Kasachstan, Indien, der Dominikanischen Republik, in Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich und Singapur. Seine neueste CD "The Birthday Session" entstand in seinem Haus in der Schweiz, wo die musizierenden Geburtstagsgäste am 29. September 2015 das Wohnzimmer einfach in ein Studio verwandelten. Mit dabei: Charlie Weibel (Schlagzeug), Tobias Schramm (Percussion), Pete Borel (Gitarre), Michael Brand (Trompete), Bruno Kyburz (Saxophon), Marc Gerber (Gitarre), Beat Galli (Waschbrett) und Alain Boog (Klavier). Die CD kam am Samstag frisch aus der Presse, und die Zuhörer im "Häberlen" waren die Ersten, die sie kaufen konnten. Erschienen ist die CD natürlich unter Alf Lists Label "stormy monday".

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