SO EBBES vom 4. Februar

Der Gschwender Musikverein wird am Dirigentenpult seit 35 Jahren von Frieder Geiger geführt. Zu dessen 60. Geburtstag ließen sich seine Aktiven etwas besonderes einfallen. Von den 60 Musikern lernten im Laufe des Jahres 43 heimlich ein zweites Instrument. So übte Schlagzeuger Rolf fleißig das Spiel auf der Querflöte oder die Klarinettistin Steffi das Horn. Neun Monate lang probten, übten und lernten sie ihre neuen Instrument, ehe sie zusammen kamen und das erste Stück einstudierten. Jetzt kam beim Geburtstag der erste große Auftritt. Dirigent Frieder Geiger erhielt eine große, mit Notenschlüsseln verzierte Brille, durch die er nichts sehen konnte . Die gespielte Polka war nicht aus dem Repertoire des Gschwender Musikvereins und er musste sie analysieren. Das war nicht einfach und Geiger verzweifelte fast dabei. Als ihm die Brille abgenommen wurde, konnte er das dargebotene Klangvolumen mit der vor ihm sitzenden neuen Besetzung nicht in Einklang bringen und glaubte einfach nicht, dass diese Musiker das vorgespielte Stück gespielt hatten. Er suchte mehrmals den Lautsprecher für die Playback-Version. Die Musiker überreichten ihm schließlich den Taktstock und gaben eine zweite Melodie zum Besten. Auch hier war der Dirigent nicht leicht zu überzeugen und glaubte immer noch, dass die restlichen 17 alleine spielten. Erst die persönliche Hörprobe an jedem einzelnen Instrument überzeugte ihr, dass viele Musikanten plötzlich austauschbar waren und fehlerfrei in einem zweiten Register einsatzbereit sind. Fassungslos stammelte er ins Publikum : "Jetzt kann ich nur darauf warten, dass sie mich auch bald austauschen !" Wer weiß, vielleicht muss Frieder Geiger demnächst seinen Taktstock gegen die Klöppel des Schlagzeugs eintauschen.Die Kaltfront "Cooper" aus Sibirien, die endlich den Winter nach Deutschland gebracht hat, lässt nicht nur Seen und Flüsse erstarren. Ami Lohding aus Sulzbach-Laufen hat vor ihrem Haus einen Kanalisationsdeckel entdeckt, in dessen Öffnungen feine Eiskristalle gewachsen sind - "wie wenn die Nüstern der unterirdischen Rohre atmen" scheibt sie.

Ausgesprochenes Pech hatte am Mittwochabend ein Dieb in Fellbach. Er hatte ein Auto entdeckt, dessen Kofferraum nicht verschlossen war. Als er hineinkletterte, um nach Beute zu suchen, klappte der Deckel allerdings zu. Da sich der Kofferraum von innen nicht öffnen ließ, wählte er schließlich den Notruf und landete bei der Rettungsleitstelle. Er habe um Hilfe gebeten, gleichzeitig aber auch großen Wert darauf gelegt, nicht mit der Polizei verbunden zu werden, teilt die Polizei mit - natürlich hatte die Rettungsleitstelle den peinlichen Casus brühwarm an die Ordnungshüter weiter gegeben. Als die Polizei bei dem Auto eintraf, war der Mann allerdings verschwunden: Ihm war es gelungen, eine Passantin aufmerksam zu machen, die den Kofferraumdeckel öffnete. Dummerweise hatte die Leitstelle die Handy-Nummer des Pechvogels dokumentiert. Er wurde per Rückruf zum Tatort zurück zitiert. Es habe sich um einen alten Bekannten gehandelt, teilt die Polizei mit, der schon öfter auf die schiefe Bahn geraten sei. Und auch wenn sich im Kofferraum keine Wertsachen befanden, werde er nun wegen versuchten Diebstahls angezeigt. Die wichtigsten Themen des Tages flimmerten am Montag in den ARD-Tagesthemen über den Bildschirm: Der EU-Krisengipfel in Brüssel, die Schlecker-Pleite, die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Syrien und Gaildorf. - Gaildorf? - Ja Gaildorf! Nun ja, die Sache drehte sich eigentlich nicht direkt um Gaildorf, sondern um die Proteste am Stuttgarter Hauptbahnhof. Und dabei war dann doch wieder Gaildorf im Bild: Als Schriftzug auf dem Protest-Plakat gegen Stuttgart21. Ist Gaildorf nun der Hort der letzten Standhaften oder der Ort der ewig Unbelehrbaren?


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Autor: MZ/RS RS | 04.02.2012

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