Rote Zahlen und kein Ende

Gaildorf.  Viele Fragen, viele Antworten - und doch scheint der berühmte Stein der Weisen noch nicht gefunden zu sein, der dem Gaildorfer Krankenhaus auch längerfristig das Überleben garantiert. Doch es gibt Hoffnung.

Das Gaildorfer Krankenhaus, seit nunmehr 15 Monaten Standort des Diakonie-Klinikums Schwäbisch Hall, schreibt nach wie vor rote Zahlen - in Millionenhöhe. Einer der Gründe, die die Spitze der Gesundheitsholding im Haller Landkreis am Mittwochabend dem Gemeinderat erläuterte: Die Belegung lässt sehr zu wünschen übrig; das medizinische Angebot wird nicht in dem Umfang angenommen, wie es sich der Krankenhausträger bei der Planung vorgestellt hatte.

Der Vorstandschef des Evangelischen Diakoniewerks, Pfarrer Stephan M. Zilker, hatte zwei wichtige Informationen parat. Die gute Nachricht: Man habe mit Dr. Norbert Andrejew, derzeit noch in Bad Honnef/Königswinter tätig, einen Nachfolger für den internistischen Chefarzt Dr. Jürgen Ansel gefunden. Die nachdenklich stimmende Aussage: Die Bestandsgarantie für das Gaildorfer Krankenhaus läuft Ende 2012 aus, und aller Voraussicht des Managements zufolge wird auch dieses Jahr mit einem hohen Defizit enden. Wenn danach die politische Meinung die sei, dass man sich im Gaildorfer Krankenhaus weiterhin engagieren wolle, "dann hat die Politik die Möglichkeit, diese Angebote zu finanzieren", wie es Pfarrer Zilker zurückhaltend formulierte.

Der Diak-Chef, der gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Holding ist, erinnerte an den Übergang des Geschäftsbetriebs zum 1. Januar 2009 - Stichwort: "ein Krankenhaus, ein Budget, eine Firma, zwei Standorte" - und an die Verhandlungen mit dem Sozialministerium unter Einbeziehung "budgettechnischer Gründe". Und er verwies auf die wirtschaftliche Situation, die ihm Sorgen bereite: Das Diakoniewerk sei ein selbstständiges privates Unternehmen, das bisher zwei Millionen Euro in den Standort Gaildorf investiert habe. Doch "das können wir nicht beliebig lange machen", gab er den Stadträten zu bedenken. Hier handle es sich um "gemeinnütziges Geld", das zum Teil auch Spendengeld sei.

Klinik-Chef Dr. Peter Haun, Sprecher der Geschäftsführung der Gesundheitsholding, nannte konkrete Zahlen: Die am Gaildorfer Krankenhaus erwirtschafteten Verluste summierten sich seit 2005 bis Ende 2009 auf satte 9,7 Millionen Euro. Das Rekord-Defizit des Jahres 2006 in Höhe von 2,85 Millionen Euro beinhalte allerdings auch die "Teilschließungskosten", also den Aufwand, der für die teilweise Schließung der Klinik (einschließlich der Kosten für den Personalabbau) nötig war. 2007 verringerten sich die Verluste auf 1,74 Millionen, 2008 war jedoch ein weiterer Zuwachs auf 1,94 Millionen zu verzeichnen, 2009 waren es 1,32 Millionen. Das Ziel, die Ertragslage im vergangenen Jahr deutlich günstiger bewerten zu können, sei leider nicht erreicht worden.

Die Verluste, erläuterte Dr. Haun, würden zu rund einem Viertel vom Landkreis getragen, zu drei Vierteln vom Diak. In diesem Zusammenhang verwies der Geschäftsführer auf den "heftigen Erwartungsdruck, etwas gegen die Verluste zu tun", der auf der Holding laste. Ausführlich stand er den Stadträten Rede und Antwort und skizzierte die Chancen, die sich für den Standort Gaildorf böten - dann, wenn die kleine Klinik angenommen werde.

Dr. Haun äußerte in diesem Zusammenhang den Wunsch, das Gesundheitswesen im Landkreis Schwäbisch Hall als Ganzes zu betrachten: Er sei Geschäftsführer aller drei Kliniken, und er hoffe, dass einmal gesagt werde: "Wir sind stolz auf unsere medizinische Versorgung".


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Autor: KLAUS MICHAEL OSSWALD | 26.03.2010

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