Im Reaktor verwandelt sich Holzgas in Strom und Wärme

Gaildorf/Sulzbach-Laufen.  Wie das im Holz enthaltene Gas in Strom und Wärme verwandelt wird, erfuhren Besucher der Energietage in Theorie und Praxis im Sägewerk Wahl.

Wie stark das Interesse an der Technologie der Holzverstromung ist, bewies der volle Kernersaal ebenso wie der überfüllte Omnibus, der die Teilnehmer nach Laufen brachte. Professor Dr. Siegfried Rapp, seit der ersten Energieveranstaltung in Gaildorf als exzellenter Experte ausgewiesen, schilderte im Kernersaal die Grundlagen der Holzvergasung. Er machte deutlich, dass die heutige Technik weit entfernt ist von den Holzvergasern, mit denen im Krieg Autos angetrieben wurden.

Wenn Holz nicht mit offener Flamme verbrannt, sondern verschwelt wird, kann das frei gesetzte Holzgas abgezogen werden. Der Hersteller der in Laufen seit September arbeitenden Anlage schildert den Vorgang so: "Durch thermochemische Prozesse in einem Reaktor wird aus Holz ein brennbares Gas erzeugt. Die im Rohgas enthaltenen Staub- und Teerkomponenten werden in Filteranlagen abgeschieden. Das gereinigte Holzgas wird mittels Kraft-Wärme-Kopplung (Gasmotor plus Generator) verwertet."

Das klingt simpel, ist aber laut Professor Rapp höchst diffizil. "Den Prozess im Reaktor stabil zu halten, ist sehr schwierig". Eine ganze Reihe von Parametern müsse fein aufeinander abgestimmt sein, wenn der erstrebte Dauerbetrieb möglich sein soll. Der österreichischen Firma Urbas ist es gelungen, solche Anlagen zu entwickeln.

In Laufen, wo Fritz Wahl und die Sägewerk-Chefin Sabine Mertzlufft durch die Anlage führten, staunte die Besucherschar, wie reibungslos das funktionierte. Da lieferte ein Förderband unablässig den Rohstoff, nämlich Abfallholz der Keilzinkanlage, der dem Reaktor zugeführt wurde, und hinten ratterten Gasmotor und Generator.

Überwacht wird der ganze Ablauf auf einem Monitor, ein weiterer zeigt beim Hersteller in Österreich die Funktionen auf. Während der Besichtigung wurden 149 Kilowatt elektrisch und 187 Kilowatt thermisch erzeugt. In den 1997 Laufstunden seit dem Start im September hat der Generator 254 372 Kilowattstunden abgegeben.

Für das Sägewerk Wahl dürfte sich die Investition lohnen. Die Anlage hilft, das im Werk verarbeitete Holz zu 100 Prozent zu nutzen, sie liefert Strom und Wärme und sie wird auf mehr als die 5000 Jahresstunden kommen, die Professor Rapp als Minimum für die Rentabilität der Investition genannt hatte.


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Autor: KURT LEIBBRAND | 18.01.2010

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