Geschafft! Endlich in Georgien

Gaildorf/Batumi.  Michaela und Udo Staleker haben Georgien erreicht. Die Rektorin der Schloss-Realschule Gaildorf ist mit ihrem Mann auf einer Enduro östlich des Ararat für das Bikermagazin "Touren-Fahrer" unterwegs.

Am 28. Juli starten Stalekers mit zwei geländegängigen Maschinen und Transporter zur großen Tour durch Zentralanatolien in Richtung Georgien und Aserbaidschan. Im Internet berichten sie von ihrem Abenteuer: "Nach zwei Stunden Nervenkrieg dürfen wir mit all unserem Geraffel ausreisen. Allah ismarladik Türkye! Gestern sind wir noch bis tief in die Nacht hinein gefahren, kamen bis hinter Giresun und fanden kurze Zeit später in dunkler Nacht einen Truckerparkplatz mit kleiner Lokanta für ein Kahvalte (Frühstück) am Morgen. Eine "ruhige Nacht mit Ohropax . . . Immerhin kein Regen und keine Staus - nachts gehts auf der Schwarzmeertrasse zügig voran. Auch heute Vormittag läuft alles glatt. Hey, was ist denn los? Seit wann ist Allah uns gnädig?

Wir genießen den Blick auf die sattgrünen Teeberge bei Rize ganz ohne Regenschleier, entdecken die blauen Tiefen des Schwarzen Meeres und kommen just in time am frühen Nachmittag an der Grenze bei Sarpi an. Wie die Türken das immer hinkriegen? Eben noch alles cool und relaxed, plötzlich Hektik, Stress und schweißüberströmte Zöllner. Und wieder das gleiche Spiel wie in Ipsala. Pässe her, Stempel rein, Fahrzeugscheine auch noch und endlich ist die georgische Grenze in Sicht.

Doch beim letzten Kontrollposten heißt es plötzlich wieder "Stop", raus aus der Schlange. Rückwärts mit Hänger - ich liebe das!. Der Grund: Der Herr Computer macht mal wieder Probleme. Und noch einmal zurück zum Zoll. Der Beamte starrt in den PC und grübelt. Noch ein Gespräch mit dem Vorgesetzten und endlich, endlich werden unsere Kennzeichen für die Ausreise freigegeben.

Ganz anders die Georgier. Richtig cool, höflich, völlig stressfrei nimmt man sich Zeit für unser Anliegen. Wir haben mit Hilfe von Google-Translater einen Text für den Zoll vorbereitet, unser Vorhaben erläutert, die Reiseroute geschildert. Das scheint hilfreich zu sein!

Auch die Georgier haben sichtlich Probleme, unseren "Fall" in den PC einzugeben und beratschlagen mit vier Beamten, wie sie vorzugehen haben. Dann werden alle Fahrzeuge in jeweils beide Pässe eingestempelt, wir bekommen zwischenzeitlich ein Glas kaltes Wasser angeboten und am Schluss heißt es: "Welcome to Georgia!". So geht das, meine lieben Türken. Wir tauschen noch 200 Euro (Kurs: 1 Euro = 2,20 Lari) und dann kann ich endlich meinen Erlösungsschrei zum Seitenfenster hinausbrüllen.

Dann die ersten Eindrücke von Georgien. Munteres Strandleben, Frauen sind sofort als solche erkennbar, Händler mit buntem Warenangebot am Straßenrand, Kühe als Gegenverkehr und - metertiefe Schlaglöcher und aufgerissene Fahrbahnhälften. Der Fahrstil der georgischen Autofahrer ist bemerkenswert blechnah und auf wundersame Weise naiv nach dem Motto: Bisher ist ja immer alles gut gegangen!

In Batumi lehrt ein Blick in die Seitenstraßen, was gestern und heute bedeutet. Das Land ist im Aufbruch, keine Frage, aber die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig. Die Stadt lebt, pulsiert, wuselt durcheinander, verweigert Straßenschilder und jede Form von Verkehrsregeln. Wir fahren absolut defensiv, teilweise Schritttempo, zumal der Hänger immer wieder in Fahrbahnlöcher knallt und die Schläge bis ins Wageninnere zu hören sind. Irgendwann verschwindet die XT plötzlich seitwärts aus dem Rückspiegel und Michaela brüllt: "Verdammt, ein Spanngurt ist gerissen!". Wir reparieren. Pi mal Daumen finden wir den Weg zum Hafen und halten uns auf der Küstenstraße Richtung Kobuleti.

Eines wird uns auf den nächsten Kilometern absolut klar: Camper und Hänger müssen schleunigst irgendwo untergebracht werden, sonst haut es uns die Fuhre noch völlig zusammen.

Am Ortsausgang von Batumi haben die Georgier dann endlich das gebaut, was wir jetzt dringend brauchen: Ein besseres Hotel mit bewachtem Parkplatz und einer Abstellmöglichkeit für unseren Fuhrpark. Die Managerin des Hotels San Apiro findet unser Anliegen völlig normal, gibt uns ein fantastisches Zimmer (100 Euro pro Nacht) mit Blick aufs Meer, zusammen mit dem Versprechen, auf unseren Pössl die nächsten zwei Wochen gut aufzupassen.

Den Abend verbringen wir auf dem Balkon, genießen bei einem kühlen Bier den schönen Sonnenuntergang und haben endlich wieder jenes Leuchten in den Augen, das ausschließlich bei Reisen in fernen Länder zu beobachten ist."

@

www.tourenfahrer.de/index.php?id=3558


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Autor: SWP | 11.08.2011

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