Gaildorfs Zukunft im Blick

Gaildorf.  Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, das Kandidatenkarussell hat bis gestern Abend keinen Zuwachs mehr bekommen. Für die drei Bewerber um das Amt des Gaildorfer Bürgermeisters geht es nun ums Ganze.

Gespenstische Ruhe gestern Abend rund ums Gaildorfer Rathaus während des "Sechse-Läutens" vom Turm der Evangelischen Stadtkirche. Ordnungsamtsleiter Raimund Horbas und Steueramtsleiter Hans-Joachim Hunn kontrollierten noch einmal beide Briefkästen und entnahmen die Post: Amtliches. Eine weitere Bewerbung um die Stelle des Rathauschefs war nicht dabei. Damit bleibt es bei drei Bewerbungen, sofern heute Abend der Gemeindewahlausschuss nach eingehender Prüfung deren Zulassung feststellt. Das Gremium tagt - wieder pünktlich um 18 Uhr - im Sitzungssaal des Rathauses.

Lange Zeit hatte es danach ausgesehen, als ob der Gaildorfer Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) und Marketing-Unternehmer Reiner Gauger (49) der einzige sein würde, der sich um die Nachfolge des in Calw zum Oberbürgermeister gewählten Ex-Rathauschefs Ralf Eggert bemüht. Gauger hatte zum frühest möglichen Zeitpunkt - gleich am Tag nach der Ausschreibung im Staatsanzeiger, die am 11. November veröffentlicht wurde - seinen Hut in den Ring geworfen. Danach herrschte wochenlang Funkstille. Allein in der berühmten Gerüchteküche war Hochbetrieb angesagt.

Einige Namen potenzieller Kandidaten machten die Runde - meist ohne dass die betreffenden Personen selber etwas davon wussten. Ein Dementi jagte das andere, begleitet von teilweise heftigen Diskussionen darüber, ob denn - und wenn ja, warum eigentlich? - das Amt eines Bürgermeisters, zumal in Gaildorf, in heutiger Zeit so unattraktiv sei. Ratlosigkeit machte sich breit.

Weihnachten zog ins Land, die Gaildorfer verabschiedeten ein turbulentes Jahr - und starteten mit gemischten Gefühlen ins Wahljahr 2012. In dieser Phase fasste sich der Gaildorfer Forstrevierleiter Karl-Dieter Diemer ein Herz und reichte kurz nach dem Neujahrstag, am 3. Januar, entschlossen seine Bewerbung ein - 14 Tage vor seinem 49. Geburtstag.

Nur drei Tage später, an Dreikönig, meldete sich der Dritte im Bunde: Beigeordneter Ulrich Bartenbach, 1952 in Gaildorf geboren, seit 2005 zweiter Mann im Rathaus und als Kämmerer sozusagen Herr der städtischen Finanzen. In den zurückliegenden Tagen sei er mehrfach von Bürgerinnen und Bürgern zu einer Kandidatur aufgefordert worden, berichtet Bartenbach, der seit dem Ausscheiden von Ralf Eggert kommissarischer Verwaltungschef ist. Nach reiflicher Überlegung und in Abstimmung mit der Familie habe er sich nun entschlossen, sich am Sonntag, 5. Februar, dem Votum der Bürgerinnen und Bürger Gaildorfs zu stellen.

Die Bewerbungen des Kandidaten-Trios werden nun, wie gesagt, heute Abend in öffentlicher Sitzung vom Ausschuss unter die Lupe genommen. Ist deren Zulassung amtlich, steht einem fairen Wahlkampf nichts mehr im Weg. Geleitet wird die Sitzung übrigens vom stellvertretenden Ausschuss-Vorsitzenden Raimund Horbas, weil der bisherige Vorsitzende Ulrich Bartenbach durch seine Kandidatur dem Gremium nicht mehr angehört. Dem Gemeinderat obliegt es nun, in seiner Sitzung am 25. Januar einen neuen Vorsitzenden zu wählen.


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Autor: KLAUS MICHAEL OSSWALD | 11.01.2012

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