GEISTLICHE BESINNUNG · ZUM ASCHERMITTWOCH: "Bedenke, Mensch!"
Bedenke Mensch, Staub bist du und zum Staub wirst du zurückkehren. - In unserer katholischen Kirche pflegen wir zu Beginn der österlichen Fastenzeit das Ritual des Aschenkreuzes.
Die meiner Meinung nach wichtigste Zeit im Kirchenjahr, steht damit unter einem eindrucksvollen Anfang. Für "Ungeübte" könnten die Bezeichnung mit dem Aschenkreuz und die Worte: "Bedenke Mensch, Staub bist du und zum Staub wirst du zurückkehren" erschreckend und bedrohlich wirken. Ich mag beides sehr gern. Warum? Weil es mich entlastet.
Mit diesem Symbol wird mir bewusst gemacht, dass all die Äußerlichkeiten, das Ansammeln materieller Werte, das scheinbare Angewiesensein auf die Zustimmung anderer Menschen, letztlich unwichtig sind. Was zählt und über dieses irdische Leben hinaus bleibt, ist Gottes Lebensatem in mir. Wie ich darauf komme? Im zweiten Schöpfungslied (Gen 2,4b-25) haucht Gott dem aus Erde/Staub geformtem Menschen seinen Lebensatem ein. Nicht der Staub macht den Menschen lebendig, sondern Gottes Lebensatem!
Nicht das Äußerliche ist göttlich, sondern das Innerliche. Reinhardt Jung hat in seinem, im Verlag Jungbrunnen Wien erschienenen Buch "Das geheime Wissen der Pinguine 3" den Großvater, der seine Enkelin auf seinen Tod vorbereiten will, die wunderschönen Sätze sagen lassen: "Alles das, was an mir aus Erde ist, wird der Erde zurückgegeben.
Alles das, was an mir ein Geschenk des Himmels ist, wird auch dorthin zurückkehren." Eines Tages wird das auch für mich zur Wirklichkeit. Ich weiß: Das einzig Sichere in meinem Leben ist der Tod. In unserer Gesellschaft verdrängen wir ihn gerne. Sogar uns Christen erscheint er oft feindlich und bedrohlich. Deshalb empfinde ich den Aschermittwoch mit seiner Zeichenhaftigkeit für mich als Ermutigung.
Nun beginnt eine Zeit, in der ich bewusst mehr nach innen hören, aus dem Innen leben darf. Ich kann entscheiden, welche äußeren Zwänge ich für die nächsten Wochen ablegen will. An mir liegt es, eine neue Gewichtung für mein Leben zu finden. Auf das, was mich am wahren Leben hindert, darf ich verzichten.
So vorbereitet kann ich den Leidensweg Jesu mitgehen und mich am Ostermorgen neu mit der Hoffnung beschenken lassen, dass für Gott nichts unmöglich ist. Bedenke, Mensch!
Henrike Plohmann, Religionslehrerin im kirchlichen Dienst, Gaildorf
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Autor: SWP | 22.02.2012
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