Fleisch-Industrie diktiert fast alles

Wenn sie nur wollten, könnten sie es so leicht haben. Doch Caroline von Wistinghausen-Noz und ihr Mann Maik Noz gehen den steinigen Weg. Die Geflügelzüchter vom Brunnenhof in Mäusdorf arbeiten streng nach Demeter-Richtlinien - und stehen mit dem Ergebnis ihres Engagements deutschlandweit ziemlich einzig da. "Nur vier oder fünf andere Mastbetriebe in der Republik sind mit uns vergleichbar", schätzt Maik Noz.

Der Erfolg gibt den beiden Steiner-Jüngern allerdings recht. Für ihre Hühner und Puten erlösen sie ein Vielfaches dessen, was für konventionelles Mastgeflügel bezahlt wird. Und: Die Qualität sucht ihresgleichen. Gern werden die Tiere aus Mäusdorf mit den legendären Bresse-Hühnern verglichen - anders im Aussehen, weil eine andere Rasse, aber im Geschmack ebenbürtig, wie Sterneköche den beiden bestätigen.

Der "Mäusdorfer Landgockel" wächst auf dem Brunnenhof nach streng ökologischen Prinzipien auf und bekommt vor allem die Zeit, die er braucht, um zum echten Geschmacksträger heranzureifen. Treten gewöhnliche Masthühner in der Regel nach 35 Tagen ihren letzten Gang in die Massenschlachterei an, so werden Nozens Tiere bis zu dreimal so alt. Geschlachtet, zerlegt und verarbeitet werden sie ebenfalls auf dem Hof bei Künzelsau. Bis zu vier Kilo wiegen die im Freien aufgewachsenen Landgockel, die dafür bis zu 40 Euro erlösen. Nichts für jeden Tag also, das weiß auch die Familie von Wistinghausen-Noz.

Die Mäusdorfer Gockel-Produzenten wären allerdings die Letzten, die die "Machenschaften" ihrer konventionellen Kollegen verurteilen. "Was da jetzt als Skandal hochkommt", so Maik Noz, "ist nicht neu und liegt kaum in der Verantwortung der Bauern. Es ist geprägt von den Vorgaben, die die Fleischindustrie diktiert."

Die Masse an Tieren sei es, die für Auswüchse sorgt. "Auch meine Vögel werden regelmäßig krank", sagt Noz. "Schließlich bekommen auch Hühner und Puten so etwas wie Kinderkrankheiten - das ist völlig normal." Für ihn sei die Frage, wann er mit der Behandlung beginnt und wie er welche Mittel einsetzt. Maik Noz: "Die Tierärzte tun halt, was sie tun müssen. Wenn Tiere krank sind, müssen sie eben behandelt werden."

Doch nicht die Behandlung an sich sei das Problem, sondern die Ausartung. Schließlich galt Antibiotika-Einsatz lange als Mast-Hilfsmittel. Zudem seien die Verkaufsmethoden bis heute oft zwielichtig: "Selbst Geflügel aus Brasilien erhält die ,D- Kennzeichnung, wenn es in Deutschland abgepackt wird." Garantien für sauber und nach Bio-Richtlinien produzierte Hühner und Puten? "Wenn Bio draufsteht, muss ich das als Verbraucher schon glauben können", meint Noz. Schließlich würden Bio-Betriebe mehrmals im Jahr kontrolliert, während viele Großmästereien meist nur "auf dem Papier" Besuch von Kontrolleuren erhielten.

In Mäusdorf werden nie mehr als 2000 Hühner und 2000 Puten zur gleichen Zeit gehalten - nicht zuletzt ein Garant für Qualität. "Mir schreibt niemand vor, wann ich meine Vögel auf den Markt bringe", sagt Noz. Anders sei das bei den konventionellen Erzeugern, die Termine, Aufzuchtbedingungen und Preise vorgeschrieben bekämen. Noz: "Die Landwirte kriegens halt aufgedrückt." els


Kommentare (2)

17.01.2012 08:14 Uhr |   Antonietta Tumminello

- Tiere werden auf engstem Raum gefangen gehalten

- Die Tiere für die Fleischproduktion werden so stark gemästet, dass sie sich kaum noch bewegen können, da sie aufgrund ihres Gewichtes zusammenbrechen
- Muttertiere werden entweder angebunden oder in winzige Käfige gesteckt um ihre Kinder zu gebären
- Männliche Schweine werden ohne Betäubung kastriert um eventuell unangenehm auftretenden Geruch im Fleisch zu verhindern
- Geflügel wird bei vollem Bewusstsein der Schnabel mit einem glühendem Metall verstümmelt
- Aus Zeitdruck werden viele Tiere ohne vorherige Betäubung geschlachtet
- Viele Tiere sind noch am Leben, während ihnen schon die Extremitäten abgeschnitten, oder sie gehäutet werden
- Alle Tiere, die der Fleischgewinnung dienen werden im Baby- oder Kleinkinderalter umgebracht
- Fleisch ist ein Teil einer Leiche, welches mit unzähligen Larveneiern versetzt ist
- Fleisch schmeckt neutral, erst die Würzung macht es genießbar
15.01.2012 10:02 Uhr |   Bianca Witt

es geht auch ohne

Niemand MUSS Fleisch essen.

Jedes Jahr werden 50 Milliarden Nutztiere getötet! Wie kann es sein, dass zwar die meisten Menschen der Ansicht sind es sei falsch hilflose Tiere zu quälen und zu töten und doch so viele von uns tun genau das, um sie zu essen.

In jeder einzelnen Stunde töten wir Millionen verängstigert und hilfloser Tiere

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Autor: SWP | 14.01.2012

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