Ein Windrad und ein aufmüpfiges Dorf

Färbte im vergangenen Jahr die Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Umzug beim Gaildorfer Pferdemarkt ab, so standen bei den Themenwagen diesmal eher die lokalpolitischen Themen im Vordergrund. Besonders fiel diesmal Fichtenberg auf. Während die einen bemüht waren, den Streit zwischen Rathaus und Krone zu entschärfen, schleiften Andere das "RoMi-Reich", das Reich von Bürgermeister Roland Miola durch den Kakao.

Derartige Schmähungen hatte Miolas Kollege Ralf Eggert nicht zu fürchten, eher das Gegenteil. Der Gaildorfer Schultes feierte gestern seinen 40. Geburtstag und so waren entlang der Umzugsstrecke an verschiedenen Stellen "Chöre" postiert, die Geburtstagsliedchen trällerten. Und damit auch die "Untertanen" wussten, was zu tun ist, wurden neben der Kutsche des Stadtoberhaupts eine Reihe von Schildern mit der Aufschrift "Applaus" hergetragen. Eskortiert wurde die Kutsche des Schultes dann noch von "berittenen" Gemeinderäten, den besten Pferden in Eggerts Stall.

Einem anderen Gemeinderat wurde bei diesem Umzug eine ganz besondere Ehre zu teil. Er hatte sich bei der Diskussion im Gemeinderat über die Ausweisung von Flächen für einen Windpark etwas ungeschickt verhalten, als er sich für ganz bestimmte Wiesen als Standort stark machte - freilich ohne zunächst zu erwähnen, dass die von ihm vorgeschlagenen Wiesen ihm gehören. Ob in Reippersberg jetzt so schnell auch ein Windpark gebaut wird, ist offen - aber nur selten hat ein neuer Gemeinderat sich so schnell einen Wagen für den Umzug verdient.

Einmal abgesehen von dem Festwagen des VCP Oberrot zum Thema "Klimawandel/Atomkraft" oder der "Anwaltsschwemme" rund um den Marktplatz ("Hier leben grad genug Bösewichte, drum die große Anwaltsdichte") waren die übrigen Themenwagen in diesem Jahr nicht besonders "spitzig" - muss ja auch nicht immer sein.

Spritzig waren dafür die vielen anderen Gruppen, angefangen von den zahlreichen Gardemädchen, den Guggenmusikern oder der unbeugsamen Schar aus dem Erlenhof - mit deutlichem Bezug auf Asterix den Gallier. Schön anzuschauen waren auch wieder die Reihen von Gruppen und Wagen ohne lokalpolitische Themen: Die Fuhrwerke und Fußgruppen - bei denen auch den mitmarschierenden Kindern ein hoher Respekt gezollt werden muss.

Überhaupt: Zahlreiche Reiter sowie viele pferdebespannte Wagen und Karossen schmückten den farbenprächtigen Umzug, der - so war von vielen Betrachtern gestern zu vernehmen - sehr gelungen war. Den Pferdemarktausschuss wird es freuen. jjs


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09.02.2010

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