Dr. Friedrich Bullinger aus Rot am See kandidiert für die FDP im Wahlkreis Hall

"Das ist die Champions League", sagt Dr. Friedrich Bullinger. Der 62-jährige FDP-Politiker braucht ein Spitzenergebnis, um wieder in den Landtag einzuziehen. Darum kämpft er – und um den ländlichen Raum. Mit Video.

RICHARD FÄRBER |
Am 1. Januar 2016 lässt Dr. Friedrich Bullinger eine schöne Gelegenheit für eine gepfefferte Wahlkampfrede sausen. Sein Grußwort beim Neujahrsempfang in Sulzbach-Laufen ist das, was man landläufig "fair" nennt: Er preist die Zusammenarbeit mit der unmittelbaren Politkonkurrenz im Wahlkreis und erklärt, er hoffe und wünsche sich, dass er und seine beiden Landtagskollegen Helmut Rüeck (CDU) und Nik Sakellariou (SPD) wieder gewählt werden.

Der 62-jährige Politprofi aus Reubach bei Rot am See kann ordentlich vom Leder ziehen, gerade wenn’s gegen die grün-rote Landesregierung geht. Beim Bürgerempfang in Sulzbach aber, sagt er, wäre das nicht angemessen gewesen. Er habe es vorgezogen zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass der ländliche Raum im Landtag vertreten ist, dass die Interessen der Menschen dort wahrgenommen werden. Denn aktuell gebe es eine Tendenz zur "Urbanisierung": Grün-Rot konzentriere sich auf die Städte – "wir müssen dagegensteuern".
Dass er dies auch weiterhin tun kann, bezweifelt er nicht. Die FDP, sagt Bullinger, liege seit einem guten halben Jahr stabil über fünf Prozent. Da das Landtagswahlrecht keine Absicherung über Listen kenne, entscheide das Einzelergebnis. Er selbst stehe im Regierungsbezirk in Konkurrenz mit 28 weiteren FDP-Kandidaten. Um wieder in den Landtag einziehen zu können, benötige er einen "Spitzenplatz". Um zu bestehen, müsse man authentisch sein und bereit, sich täglich das Vertrauen der Wähler abzuholen: "Ich liebe dieses System."

Dass der Wahlkampf durch die Flüchtlingsdebatte vorangetrieben wird, bedauert er. Die Einflussmöglichkeiten des Landes seien in dieser Frage nun einmal minimal. Die AfD, der die Flüchtlingsdebatte möglicherweise ein zweistelliges Wahlergebnis beschere, nähre sich "von Protest und Defiziten". Aber, sagt Bullinger: "Wir bleiben höflich." Eine Zusammenarbeit mit der "Partei ohne Inhalte und Persönlichkeiten" sei freilich undenkbar.

Auch sonst gibt’s keine Zugeständnisse. "Wir haben bewusst keine Koalitionsaussage gemacht", kontert Bullinger Spekulationen über eine grün-rot-gelbe Ampel. Farbspiele seien öde, solange es nicht um Inhalte gehe – und die Inhalte, die seine Partei vertrete, seien nun einmal nicht so recht kompatibel mit der grün-roten Politik der vergangenen fünf Jahre. Bullinger kritisiert die "Ökologisierung" insbesondere im Jagdrecht, Einschränkungen der Freiheit durch Bestimmungen und Erlasse, eine einseitige Schulpolitik, die politische Bevormundung generell – Grün-Rot stelle Ideologie über den Sachverstand, schimpft er, "diese Volksbelehrungen gehen mir auf den Keks!".

Der Wirtschaftsstandort leidet, lautet Bullingers Diagnose. "Weitere fünf Jahre und wir sind Mittelmaß." Von zentraler Bedeutung seien daher Investitionen in die Infrastruktur. Die Digitalisierung etwa sei komplett "verschlafen" worden und das habe nicht nur zur Folge, dass der Standort für Unternehmen unattraktiv werde und die Hochschulen ins Hintertreffen geraten, sondern auch, dass der ländliche Raum abgehängt werde.

 

Zur Person

Dr. Friedrich Bullinger (62) stammt aus Schwäbisch Hall und lebt seit 1987 in Rot am See-Reubach. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Der gelernte Landwirt, Mitglied der FDP seit 1976, hat Landbau sowie Rechts- und Agrarwissenschaften studiert. Er arbeitete als parlamentarischer Berater, wechselte dann ins Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, dessen Amtschef er nach einem Zwischenspiel als Präsident des Landesgewerbeamtes wurde. Seit 1990 sitzt Bullinger im Gemeinderat von Rot am See, seit 16 Jahren ist er zudem Kreisrat und seit zehn Jahren auch Landtagsabgeordneter. rif


In unserem Video haben wir Dr. Friedrich Bullinger gefragt, warum die Wähler ausgerechnet neben seinem Namen ein Kreuz machen sollten:
 

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