Die "unmögliche Frage"

Gaildorf.  Organspende ist ein "heikles" Thema. Aus diesem Grund lud der Landfrauenbezirk Gaildorf in Kooperation mit der AOK am vergangenen Mittwoch zu einer Infoveranstaltung in die Limpurghalle.

Was, wenn man selbst oder ein Familienmitglied auf ein Spenderorgan warten muss? Was, wenn es Jahre dauert? Was passiert, wenn man schwer verletzt im Krankenhaus liegt und einen Spenderausweis besitzt? Was ist an den Organhandel-Geschichten dran?

Antworten liefert Martin Kalus vom Transplantationszentrum Stuttgart. Er wurde vom Landfrauenbezirk und der AOK zum Vortrag nach Gaildorf eingeladen. Kalus ist seit 1991 als Transplantationskoordinator für die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und das Klinikum Stuttgart-Katharinenhospital tätig.

Der Referent begann seinen Vortrag mit Erläuterungen zum Eurotransplant-Verbund sowie zu dem seit 1997 bestehende Transplantationsgesetz. In diesem Gesetz ist unter anderem eine Meldepflicht festgelegt: Bei den Anzeichen eines Hirntodes muss die DSO informiert werden. Denn eine Organspende kann nur dann zustande kommen, wenn ein Patient von mindestens zwei Ärzten unabhängig voneinander für hirntot erklärt wurde.

Diese Ärzte stellen unabhängig voneinander unterschiedliche Tests an, prüfen die Reflexe und die Pupillenreaktion, machen Schmerztests und untersuchen, ob der Würg- und Husten-Schluckreflex funktioniert. Zudem wird versucht, Hirnströme des Patienten zu messen. Sollte dies, beispielsweise wegen einer Verletzung nicht möglich sein, gibt es noch weitere apparative Untersuchungen. Erst wenn das Ergebnis zweifelsfrei den Hirntod bestätigt, kommt für die Angehörigen die "unmögliche Frage zum unmöglichen Zeitpunkt" - die nach einer Organspende.

Martin Kalus rief dazu auf, frühzeitig Überlegungen in Bezug auf die Möglichkeit von Organspende anzustellen. Denn egal wie man sich entscheidet, den Angehörigen wird dadurch eine große Belastung abgenommen.

Zur Organspende ist man niemals zu alt. So wurden bereits Nieren von Lebendspender die über 80 Jahre alt waren, ihren Söhnen transplantiert.

In Deutschland wartet ein Patient im Durchschnitt zirka fünf bis acht Jahre auf ein Spenderorgan.

Besonders interessant gestaltet hat der Vortrag noch ein Überraschungsbesuch eines Spenderorgan-Empfängers. Franz Bauer hat selbst vor nahezu zweieinhalb Jahren eine Lebendspende erhalten. Er bekam eine Niere von seinem Bruder transplantiert und bereicherte mit seinen Erfahrungen den Vortrag allgemein. Sein Auftritt animierte zum Nachdenken.

Übrigens wird im Falle einer Organspende in der Regel nicht bekannt gegeben wem gespendet wurde, beziehungsweise wer die Organe erhalten hat. Einzige Ausnahme ist die Lebendspende wie im Falle der Brüder Bauer.


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Autor: TANJA SAUERTEIG | 26.04.2010

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