Bestandsgarantie für die Gaildorfer Klinik erloschen
Gaildorf. Das Ende des Gaildorfer Krankenhauses scheint besiegelt. Das Haller Diakonie-Klinikum, das dort seit drei Jahren offiziell die Regie führt, sieht aus wirtschaftlichen Gründen keine Alternative zur Schließung.
Für den Gaildorfer SPD-Kreisrat Karl Eichele ist die Klärung einiger wichtiger Fragen im Zusammenhang mit der angekündigten Schließung des einstigen Kreiskrankenhauses und heutigen Standorts Gaildorf des Haller Diakonie-Klinikums von größtem Interesse. Er hakte bei Landrat Gerhard Bauer nach, um unter anderem über die betriebswirtschaftlichen Berechnungen zur möglichen Fortführung der Geriatrie im Zentrum des Limpurger Landes Auskunft zu erhalten. Eichele fragt sich auch, warum nicht "das schöne Haus in Gaildorf" dafür genutzt wird, wenn es sich bei der dort aufgebauten Geriatrie schon um eine "standortübergreifende Disziplin" handle?
Landrat Bauer übermittelte nun vor kurzem dem Kreisrat eine umfangreiche Stellungnahme - zum genannten Fragenkomplex von Dr. Peter Haun beantwortet, dem Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums, das seit dem 1. Januar 2009 die Gaildorfer Einrichtung als einen Betriebsteil führt. Haun verweist dabei auf das Auslaufen des Konsortialvertrages der Gesundheitsholding zum 31. Dezember 2011, mit dem - "leider ein Jahr früher als geplant" - unter anderem auch die Standortgarantie für das Krankenhaus in Gaildorf endete.
Das Krankenhaus in Gaildorf habe "trotz aller Bemühungen der Ärzte und Pflegekräfte vor Ort" wegen der "unzureichenden Inanspruchnahme durch die Patienten" in den vergangenen Jahren regelmäßig nahezu eine Million Euro Verlust pro Jahr verursacht. Dieser Verlust, der vom Diakonie-Klinikum ausgeglichen werden müsse, gefährdet laut Haun auch die Realisierung der Neubau-Vorhaben in Schwäbisch Hall und Crailsheim.
Der Verlust ergibt sich nach den Worten des Klinikchefs daraus, "dass für den eigenständigen dritten Standort - also für Gaildorf - umfangreiche Leistungen an 365 Tagen pro Jahr vorgehalten werden müssten - unter anderem für Pforte, Küche, Reinigung, Nachtschwestern, Ärzte im Bereitschaftsdienst (16 Stunden werktags und 24 Stunden samstags, sonn- und feiertags). All diese Leistungen seien an den beiden anderen Krankenhäusern bereits vorhanden, "wenn die 700 bis 800 stationären Patienten dort behandelt werden". Aus diesen Gründen sei, so Geschäftsführer Haun, "die Beschränkung auf zwei Krankenhäuser betriebswirtschaftlich folgerichtig". Denn: Die Vermeidung der Verluste stabilisiere die Gesundheitsversorgung insgesamt.
Auch in medizinischer Hinsicht biete die Zusammenfassung der Patienten an den beiden größeren Standorten Vorteile. So sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Ärzten anderer Fachrichtungen (etwa Kardiologie, Neurologie oder Röntgen) besser möglich, ferner befinde sich auch die Intensivstation im selben Haus. Dazuhin könnten die Geriater von Anfang an in die Behandlungen ihrer Fachkollegen (etwa die Unfallchirurgen, Internisten, Neurologen oder Urologen) einbezogen werden, "denn die überwiegende Mehrheit der geriatrischen Patienten stammt aus den Krankenhäusern in Schwäbisch Hall und Crailsheim". Schließlich sei die Geriatrie bereits im ersten medizinischen Konzept der Holding (2008) dem Krankenhaus in Crailsheim zugeordnet gewesen, erinnert Haun. Eben diese Zuordnung werde beibehalten. Die Kennzeichnung der Geriatrie als standortübergreifendes Behandlungsangebot trage ferner dem Umstand Rechnung, "dass voraussichtlich nicht alle geeigneten Patienten von Schwäbisch Hall nach Crailsheim verlegt werden können".
Ob es dann nicht eine Option wäre, die Psychosomatik des Diak mit 22 stationären Betten in Gaildorf anzusiedeln? Und was würde das rein betriebswirtschaftlich ergeben und organisatorisch erfordern? Die Antworten auf Karl Eicheles ergänzende Fragen - auch hier zitiert Landrat Bauer aus einer Stellungnahme von Klinik-Geschäftsführer Dr. Haun - sind ernüchternd: Die betriebswirtschaftlichen wie medizinischen Vorteile einer Zentralisierung "gelten grundsätzlich auch für die Psychosomatik und für alle anderen medizinischen Teilgebiete". Und die Umwandlung in ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie sei "nicht möglich" gewesen, weil, so Haun, "die Patienten aus Schwäbisch Hall zum Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg gehören". Und das könne sich "eine Filiale in Gaildorf nicht vorstellen".
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Autor: PM/KMO | 21.02.2012
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Dr. Peter Haun, Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums, hatte dem Gaildorfer Gemeinderat bereits im September 2009 über die schwierige Lage berichtet. Foto: Oßwald
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