Bauarbeiten im Gefängnis
Stuttgart. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) im Stadtteil Stammheim soll für 43,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2015 fünf neue Hafthäuser für 559 Häftlinge erhalten. Die Bauarbeiten beginnen in den nächsten Wochen.
Die JVA Stuttgart wurde von 1959 bis 1963 als Hofanlage mit zwei Hafthäusern, dem Verwaltungs- und dem Wirtschaftsgebäude erbaut und 1964 in Betrieb genommen. Damals nach modernsten Erkenntnissen errichtet, gilt der Gebäudekomplex, in dem derzeit mehr als 600 Inhaftierte leben, mittlerweile längst als veraltet. Die Zellen sind oft überbelegt, die sanitären Einrichtungen entsprechen nicht dem heutigen Standard. Seit geraumer Zeit schon war deshalb eine Erneuerung im Gespräch, im Zuge des 2007 vorgestellten "Haftplatzentwicklungsprogramms 2015" des Landes wurden die Neubaupläne konkret. Ziel des 285 Millionen Euro teuren Bauprogramms ist unter anderem, die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts für eine verfassungskonforme Unterbringung von Inhaftierten zu erfüllen. Neben Stuttgart werden daher fünf weitere Gefängnisstandorte erweitert, im Gegenzug dafür 12 kleinere und ältere Anstalten geschlossen. Insgesamt sollen bis zu 2400 neue Haftplätze geschaffen werden, um unwirtschaftliche Hafteinrichtungen schließen und eine Verbesserung der Vollzugslandschaft des Landes erreichen zu können.
Die Baufreigabe für Stammheim hat das baden-württembergische Justizministerium Ende vergangenen Jahres erhalten. Die Bauarbeiten sollen in diesem Monat beginnen - bei laufendem Gefängnisbetrieb. Die Aufgabe, so wurde in der Ausschreibung angemahnt, "setzt eine besondere Sensibilität für Sicherheitsbelange im Justizvollzug voraus". Die neuen Gebäude werden in einer doppelten Kammstruktur entstehen: An eine neue Haupterschließungsachse werden beidseitig die viergeschossigen Unterkunftsgebäude angeschlossen. Der bereits 2005 erstellte Zellenbau 3 wird in die Struktur integriert. Zwischen den Gebäuden sind etwa 24 Meter breite Spazierhöfe angeordnet. Neben den Zellen sind auf jedem Geschoss Freizeiträume, Teeküchen, Duschen, Räume für die Aufsicht, Büro- und Diensträume für Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter sowie Putzkammern, Wäscheräume und Lager vorgesehen.
Die neuen Hafthäuser - in dem einmal rund 560 Häftlinge untergebracht werden - sollen den Bau 1, das größte der heutigen drei Hafthäuser, ersetzen. Wenn diese in gut zweieinhalb Jahren fertiggestellt sind, kann 2015 der Abriss des wohl berühmtesten Gefängnistraktes Deutschlands erfolgen: Im siebenten Stock des so genannten Hochhaus waren in den 1970er Jahren führende Mitglieder der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) wie Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe und Andreas Baader untergebracht - bis sie sich dort selbst töteten.
Eine Sanierung des Gebäudes gilt als wirtschaftlich und energetisch nicht sinnvoll, ein Erhalt aus Denkmalschutzgründen gänzlich undenkbar. Auf der frei werdenden Fläche des Hochhauses ist eine Nachfolgeeinrichtung für das Justizvollzugskrankenhaus auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg im Gespräch, eine endgültige Entscheidung darüber steht jedoch noch aus. Die JVA Stammheim ist mit einer Größe von rund fünf Hektar die zweitgrößte von insgesamt 17 Justizvollzugsanstalten in Baden-Württemberg.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: ELKE HAUPTMANN | 08.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland
Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab
Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot
Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr
Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft
Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

ZURÜCK