72 Kinder von der Straße geholt

|
Vorherige Inhalte
  • Im Dorfhaus Schlechtbach spricht Pater Bala zu interessierten Zuhörern über sein Projekt in Indien. 1/2
    Im Dorfhaus Schlechtbach spricht Pater Bala zu interessierten Zuhörern über sein Projekt in Indien. Foto: 
  • Wenn Pater Bala auf einen Kaffee vorbeischaut, dann hat er immer interessante, dramatische, aber auch Hoffnung machende Geschichten zu erzählen. 2/2
    Wenn Pater Bala auf einen Kaffee vorbeischaut, dann hat er immer interessante, dramatische, aber auch Hoffnung machende Geschichten zu erzählen. Foto: 
Nächste Inhalte

Seit elf Jahren macht der indische Pallotiner-Pater Dr. Balaswamy Madanu – kurz: Pater Bala – die Urlaubsvertretung und bewohnt für einen Monat das Pfarrhaus in Spraitbach. Die anderen elf Monate des Jahres verbringt er in seiner Heimat Indien. Auf seine Initiative geht die Gründung eines Hilfsprojekts für Straßenkinder zurück, welches Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren in der Sieben-Millionen-Stadt Hyderabat buchstäblich auf der Straße aufliest und sie in ein Übergangshaus bringt. „Und es ist nicht etwa so, dass diese Kinder irgendjemand vermisst. Im Gegenteil, sie sind ganz auf sich alleine gestellt und haben keine Verbindung mehr zu ihren Eltern, entweder weil diese verstorben sind oder weil ihre Verwandten sie nicht haben wollen. So verlassen sie ihre Dörfer und suchen in der Stadt ihr Glück, das sie dort nicht finden können, weil geschätzt 40 000 Kinder und Jugendliche auf der Straße leben. Ohne Perspektive, gewöhnen sie sich rasch an Alkohol und Drogen“, berichtet Pater Bala.

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die katholische Kirchengemeinde Gschwend-Schlecht­bach zugunsten des Projekts einen Kaffeenachmittag im Schlechtbacher Dorfhaus. Hedwig Barth vom Förderverein, den es seit fünf Jahren gibt, bat die Anwesenden, auch eine Patenschaft in Erwägung zu ziehen, denn: „Man braucht dort nicht nur Geld, sondern auch unseren  Rückhalt.“ Pater Bala gab mit einem Video Einblick in die Arbeit der Hilfsorganisation. Zu sehen war, wie  jeden Tag ein Mitarbeiter des Projekts „Jeevan Jyothi Pallotti Home“ auf dem Motorrad in die Stadt fährt und Kinder, vorwiegend Jungs, anspricht. Er versucht, sie zu erreichen, bevor sie in den Alkohol- und Drogensumpf abgleiten.

Am Beginn stehen Gespräche

Größere Kinder oder Jugendliche möchten meist nicht mehr mitgehen, weil sie sich bereits an das Leben auf der Straße gewöhnt haben, berichtet Pater Bala. Von den Kindern, die in die beschützenden Häuser gebracht werden, bleiben nur 20 bis 30 Prozent dort. Wenn sie es von der Straße überhaupt ins Berufsleben schaffen, dann bleiben ihnen meist nur schwere, schmutzige und schlecht bezahlte Jobs. Die Straßenkinder, die in den Häusern von Pater Bala bleiben, erhalten neue Kleidung, werden ärztlich untersucht, bekommen warme Mahlzeiten  und sind in ordentlichen Schlafräumen untergebracht.

Ihr neues Leben beginnt mit therapeutischen Gesprächen. Dennoch sind viele Kinder traumatisiert. Oft schlafen sie zunächst nicht in den Stockbetten, sondern auf dem Boden, weil sie sich Nacht für Nacht einnässen. 27 Kinder sind im Übergangshaus untergebracht und bleiben dort für ein paar Monate. Danach wechseln sie an ein Internat und besuchen die Schule. Von 9 bis 16 Uhr bleiben sie an der Schule, dann werden sie wieder im Internat begrüßt. Nun können sie im Haus oder Garten mitarbeiten, spielen Fußball oder andere Spiele. Wer seine Hausaufgaben nicht alleine schafft, bekommt einen Nachhilfelehrer. Bildung steht für Pater Bala an oberster Stelle, und so freut er sich, dass von den 72 Kindern, die momentan die Schule besuchen, die meisten studieren wollen und dabei mit dem Fach Buchhaltung beginnen.

So wie die ersten drei Entlassschüler in diesem Jahr, der erste Jahrgang überhaupt, der die Schule verlassen hat. Später können Fächer wie Betriebswirtschaft oder Informatik studiert werden, aber auch Handwerker erhalten eine fundierte Ausbildung.

Ein Haus für Mädchen

Noch vor wenigen Jahren zeigte Pater Bala Bilder von den Baustellen der beiden Häuser, inzwischen sind die schmucken Gebäude belebt. Die Nachfrage ist so hoch, dass er nicht aufhören kann, weiter um Spenden zu bitten. Er möchte auch für Mädchen ein Haus bauen, die bisher in einem Nonnenkloster untergebracht wurden. Den Grundstückskauf hat er schon getätigt. Er ist dankbar für die große finanzielle Unterstützung, die er in Deutschland für seine Projekte erhält, denn vom indischen Staat ist nichts zu erwarten, wie er sagt.

Info Gelegenheit zur Information gibt es bei einer Vorabendmesse heute um 18.30 Uhr in Spraitbach und am Sonntag, 27. August, in der Antonius-Kirche in Durlangen mit anschließendem Fest.

Die Projekte können mit einer Patenschaft unterstützt werden. Etwa durch eine Einzahlung auf das Spendenkonto: Hypo-Vereinsbank (IBAN DE75 7202 0070 0007 7054 17) swift-BIC: HYVEDEMM408. Ansprechpartner ist das Missions-Sekretariat der Pallotiner, Vinzenz-Pallotti-Straße 14 in 86316 Friedberg. Fragen zum Spendenkonto beantwortet das Missions-Sekretariat unter der Telefonnummer 08 21 / 60 05 20. Weitere Ansprechpartner sind Hedwig Barth aus Durlangen (Telefon 0 71 76 / 5 92) und Monika Schuster aus Spraitbach (Telefon 0 71 76 / 7 40). dw

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

„Unmenschlich und zynisch“

Schauspieler Thomas Sarbacher war für die Dreharbeiten für den Kinofilm „G’stätten“ in Hall. Er erzählt von der Macht der Sprache, verfehlter Politik und von den Unsicherheiten seines Berufs. weiter lesen