2012 - und was kommt danach?

Gaildorf.  Wie geht es mit dem Gaildorfer Krankenhaus weiter? Die Spitze der Gesundheitsholding stand dem Gemeinderat Rede und Antwort - und bat um Nachsicht: Viele Fragen konnten noch nicht geklärt werden.

Soll das Gaildorfer Krankenhaus bestehen bleiben, müssen die gegenwärtig 34 Planbetten "kontinuierlich belegt" sein. Das sei derzeit nicht der Fall, wie Geschäftsführer Dr. Peter Haun dem Gemeinderat berichtete. Einen Aufwärtstrend erhofft er sich durch den neuen Chefarzt Dr. Norbert Andrejew, der in Gaildorf die Geriatrie, die Altersmedizin, etablieren soll. Anhand einer visuellen Präsentation erläuterten er und Diak-Vorstandschef Stephan M. Zilker die Ausgangslage (siehe weitere Berichte auf dieser Seite sowie auf Seite 17).

FWV-Fraktionschef Heinrich Reh äußerte zwar Verständnis dafür, dass es schwierig sei, zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln. Gleichwohl mahnte er die Verantwortlichen: "Sie müssen auch eine positive Grundstimmung schaffen!" Die Debatten in den vergangenen Jahren hätten Bevölkerung wie Ärzte verunsichert, zudem sei der Bezug der Menschen zum Krankenhaus verloren gegangen. Reh fordert dazu auf, alles zu tun, "damit wir eine Aufbruchstimmung bekommen". Dazu wäre es seiner Einschätzung nach sehr hilfreich, die medizinischen Möglichkeiten, die sich in Gaildorf böten, immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. Auf der einen Seite, so Reh, höre er häufig, dass in Hall über eine Überbelegung geklagt werde, auf der anderen Seite stehe in Gaildorf ein ganzes Stockwerk leer.

Rainer Baumann, Fraktionsvorsitzender der CDU, äußerte sich sehr besorgt, was den geplanten Umzug der Geriatrie - die in wenigen Monaten in Gaildorf aufgebaut werden soll - nach 2012 in Richtung Crailsheim anbelangt. Ihm drängte sich das Motto auf: "Du hast keine Chance, aber nutze sie!" Und er fragte: Was sei, wenn bis 2013 tatsächlich erfolgreich gearbeitet werde? Gebe es dann die Chance, dass die Klinik weiter bestehe?

Klinikchef Dr. Haun versicherte, die genannten Chancen "mit aller Kraft" anzupacken. Mit dem neuen Chefarzt, der "sehr positiv eingestellt" sei, sei es nicht aussichtslos, dies zu schaffen. Dr. Haun: "Ich bin zwar kein Hellseher, aber nichts ist unmöglich". Wenn die geplanten Investitionen in die Kliniken Hall (80 Millionen) und Crailsheim (40 Millionen) getätigt seien, ergäben sich auch neue Fragestellungen.

Pfarrer Zilker stellte in diesem Zusammenhang klar: Das medizinische Konzept, das der Holding zugrunde liege, könne nur einstimmig - also von Diak und Landkreis gemeinsam - geändert werden. Dazu bedürfe es jeweils einer mehrheitlichen Entscheidung in den Gremien. Doch derzeit sei keine der beiden Gesellschaften bereit, von dem vereinbarten Konzept abzurücken.

Als sehr wichtig erachtet es Margarete Nagel-John (SPD-Fraktion), über ein "Alleinstellungsmerkmal" für die Gaildorfer Klinik nachzudenken. Ein solches könnte laut Dr. Haun eben die Geriatrie werden, was eine im Spätherbst vom Deutschen Krankenhaus-Institut angestellte Untersuchung ergeben habe. Seine Hoffnung: "Ein Chefarzt kriegt eher wieder Leute in die Klinik". Dazu bedürfe es aber auch der Unterstützung durch die niedergelassenen Ärzte im Limpurger Land, die Patienten wieder verstärkt nach Gaildorfer überweisen sollten.

Allerdings habe sie, wie Stadträtin Nagel-John ergänzte, in all den bisherigen Debatten die Betonung der hiesigen Vorzüge vermisst, etwa das Ambiente der Klinik, die Fachkräfte, die dort arbeiten, und vieles andere mehr. "Wir haben brachliegende Ressourcen, die wir genutzt sehen möchten". Auch Ernst Kronmüller (Offene Liste) äußerte sich besorgt - mit Hinweis auf die "neu eingerichteten Krankenzimmer": Durch mehr ambulante Behandlungen würden auch weniger Betten benötigt, was sich wiederum negativ auf die Belegung auswirke. Hier sieht Dr. Haun durch das erweiterte Konzept allerdings Chancen, wenngleich die Stimmung momentan "schwierig" sei, um Patienten zu gewinnen. Dies trotz der Tatsache: "Wer hier im Krankenhaus war, ist sehr zufrieden".

Für Dr. Ulrich Bauer (FWV-Fraktion), langjähriger Chirurgie-Chefarzt, ist es "nicht nachvollziehbar", wie sich das Krankenhaus mit und seit der Schließung entwickelt hat: "Ich war immer ein Verfechter der Orthopädie als Alleinstellung!" Doch was jetzt im Krankenhaus geschehe, sei "Schmalspur-Orthopädie" - mit der Folge, dass sich ein Großteil der potenziellen Endoprothetik-Patienten woanders, außerhalb des Landkreises, orientiere. Auch verstehe er nicht, warum das einstmals angedachte Konzept der geriatrischen Rehabilitation nicht weiterverfolgt wurde angesichts der "40 wunderschönen Betten, die nicht genutzt werden". Dr. Haun: "Dann würden wir noch mehr Verlust machen".

Auf die Frage von Hans Keit (SPD), welche Rolle Gaildorf in der baulichen Planung für Schwäbisch Hall und Crailsheim spiele (wir haben ausführlich berichtet), erklärte Dr. Haun, man müsse langfristig planen, um eine sichere und vielseitige medizinische Versorgung im Landkreis Hall gewährleisten zu können. Ziel seien neue Gebäude, "die gut funktionieren", so dass am Ende in Gaildorf "keine stationäre Versorgung mehr" vorgehalten werden müsse. Wann dies so weit sein werde, 2013 oder erst 2017 - "ich weiß es nicht".

Für Heinrich Reh eine unbefriedigende Aussage. Schließlich sei auch in Gaildorf saniert worden - mit Steuergeldern. Die Räume seien gut ausgebaut und würden nun nicht mehr genutzt. Die Stadt habe sich emotional wie finanziell - jährlich mit 100 000 Euro - eingebracht. Deshalb "wollen wir wissen, was damit geschieht".

Zum einen, so Dr. Haun, handle es sich dabei um einen Zuschuss zu den laufenden Betriebskosten, zum anderen um einen Beitrag für Investitionen - ganz konkret in medizinische Gerätschaften. Und, wie Pfarrer Zilker ergänzte: Der städtische Zuschuss "verhindert ein noch größeres Defizit".


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: KLAUS MICHAEL OSSWALD | 26.03.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Frontal gegen Lkw: 19-Jährige bei Ehingen tödlich verunglückt

Ehingen Eine 19-Jährige ist in Ehingen mit ihrem Auto frontal gegen einen Sattelzug geprallt und gestorben. Die Frau war am Freitag aus zunächst ungeklärter Ursache in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geraten.... mehr