Der neue Oberbürgermeister über den Wahlausgang

Dr. Christoph Grimmer ist das neue Gesicht Crailsheims. Nach seinem fulminanten Wahlsieg und einer kurzen Nacht blickt der 32-Jährige mit dem HT zurück und voraus.

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Neues Gesicht an der Crailsheimer Verwaltungsspitze: Nach seinem fulminanten Sieg im ersten Wahlgang startet Dr. Christoph Grimmer im Februar mit Rückenwind ins Amt.  Foto: 

Als am Sonntag alle Hände geschüttelt waren, als die Bürgerwache abmarschiert war und die Bürger sich Richtung „Tatort“ verabschiedet hatten, fand sich der künftige Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer plötzlich ganz allein im Ratssaal wieder – und nutzte die erste ruhige Minute des Abends, um seine Freude über den Sieg via Facebook in die Welt hinaus zu senden. Über 500 erhobene Daumen gab es dafür bis Montagnachmittag, mehr als 100 Glückwunsch-Kommentare. Grimmer selbst freilich wird noch einige Tage brauchen, bis er realisiert hat, was ihm widerfahren ist: Die Nacht nach dem Sieg war kurz. Auf ein langes Gespräch mit den Eltern folgten viele Gedanken darüber, was ansteht. Und der Schlaf „war schon mal tiefer“.

„Diesen deutlichen Zuspruch zu erhalten, gibt mir natürlich ein gutes Gefühl“, sagt Grimmer am Tag darauf dem HT. „Ich sehe es als Riesenehre, für diese Stadt arbeiten zu dürfen.“ Eine Idee davon, dass es durchaus so weit kommen könnte, hatte der 32-Jährige erstmals im März bekommen – als CDU, AWV und Grüne einen Gegenkandidaten für Rudolf Michl suchten und in Hamburg anklopften. Die Allianz kam bekanntermaßen nicht zustande, aber Grimmer dachte weiter über eine Kandidatur nach. Die Entscheidung fiel Ende September in der Therme: „Ich wollte einfach mal abschalten, habe dann aber den ganzen Tag an Crailsheim gedacht. Das war das entscheidende Signal.“

Der Rest ist jüngste Stadtgeschichte: Überraschend setzte sich Grimmer klar gegen elf Mitbewerber durch – auch gegen den CDU-Kandidaten Ulrich Seel. Dieser gab noch in der Nacht zum Montag eine längere, sehr persönliche Erklärung bei Facebook ab und forderte die Crailsheimer auf, den Wahlsieger zu unterstützen. Grimmer haben die fairen Worte Seels sichtlich bewegt. „Trotz der Konkurrenzsituation sind wir gefühlt Freunde geworden“, sagt er. „Ich habe größten Respekt vor ihm und vor seinem Umgang mit der Situation. Er hätte ein anderes Ergebnis verdient gehabt.“

Mentalität vorleben

Seel bezeichnet Crailsheim als „ebenso hochinteressante wie zerrissene Stadt“. Sieht Grimmer das genauso? „Ich weiß, was er meint“, antwortet der künftige Oberbürgermeister. Immer wieder werde eher das Haar in der Suppe gesucht, „statt zu überlegen: Wo wollen wir hin?“ Grimmer ist überzeugt: „Wir brauchen konstruktives Denken. Ich möchte derjenige sein, der diese Mentalität vorlebt – mit Engagement, Leistungsbereitschaft, Verlässlichkeit.“ Im Dezember arbeitet Grimmer noch in Hamburg, den Januar will er nutzen, um sich intensiv auf seinen Amtsantritt am 1. Februar vorzubereiten.

Dass nur knapp 40 Prozent der Crailsheimer ihre Stimme abgegeben haben, bedauert Grimmer – und erklärt es auch mit dem schlechten Wetter und dem erwarteten zweiten Wahlgang. „Schon die Erfahrung mit dem Brexit-Referendum hat gezeigt: Die Chance auf Teilhabe sollte man nutzen, es gibt nicht immer eine zweite Chance“, sagt er. Gleichwohl: „So selbstbewusst bin ich, dass ich davon ausgehe, dass ich auch bei 50 Prozent Beteiligung gewonnen hätte.“

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