"Wir müssen den Hunger bewahren"
Am Tag nach dem zweiten Titelgewinn wirkte Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hellwach, hatte allerdings nach einem Karaoke-Einsatz auf einer kleinen WM-Feier leichte stimmliche Probleme.
Sebastian Vettel, wie war die Nacht?
SEBASTIAN VETTEL: Was den Schlaf angeht, recht kurz. Es war schön. Wir waren noch sehr lange an der Strecke, haben über das Rennen gesprochen. Es war alles im normalen Rahmen. Wir waren in einem Irish Pub, hatten alle einen Riesenspaß. Die Karaoke-Maschine wurde auch angeschmissen, so dass die Stimmen etwas ruiniert sind.
Vertraute erzählen, Sie haben angeblich auch gesungen?
VETTEL: Ich glaube, "My Way" von Frank Sinatra und "Yellow Submarine" von den Beatles.
Wie geht es jetzt in den kommenden Tagen weiter?
VETTEL: Nach der langen Nacht gestern ist es einfach wichtig, das Ganze ein bisschen einsinken zu lassen, es zu genießen, viel zu schlafen, um dann wieder bereit für Korea zu sein.
Wieviele Glückwunsch-Nachrichten hatten Sie denn bereits?
VETTEL: Ich habe vorhin alle SMS beantwortet. Insgesamt hatte ich ungefähr 80 oder knapp 100. Für Anrufe war bisher noch nicht die Zeit. Worüber ich mich sehr gefreut habe, war eine Nachricht von Michael (Schumacher, Anmerkung der Redaktion). Wir haben uns dann auch gestern Abend noch mal gesehen. Als kleiner Junge auf der Kartbahn war er mein Held. Mit ihm abends anzustoßen, war etwas Besonderes.
Wie ist der zweite Titel im Vergleich zum ersten?
VETTEL: Der erste Titel ist immer etwas ganz Besonderes, bleibt ganz tief in der Erinnerung. Dieses Jahr lief ganz anders. Wir hatten eine fantastische Saison. Wir sind jetzt in einer ganz besonderen Situation, das vorzeitig schon erreicht zu haben. Das erlaubt uns aber nicht, in Urlaub zu gehen. Wir wollen die vier Rennen fahren und gewinnen. Es ermöglicht uns vielleicht, noch einige Dinge ein bisschen zu erforschen. Das werden wir nutzen. Wir dürfen nichts als selbstverständlich hinnehmen. Es könnte morgen vorbei sein. Wir müssen den Hunger bewahren.
Sie haben gesagt, Ihr größtes Ziel sei der WM-Titel gewesen. Welche Ziele bleiben denn da noch?
VETTEL: Eine WM zu gewinnen, davon habe ich als kleiner Junge geträumt. Es ist schwer zu glauben, dass wir das geschafft haben - jetzt sogar schon zweimal. Aber wir sind hungrig. Wir wollen uns messen. Das macht süchtig. Man will nicht, dass es aufhört.
Sieben Titel für deutsche Piloten in den vergangenen elf Jahren: Sind die Deutschen die besten Autofahrer der Welt?
VETTEL: Es gibt ja nur zwei Weltmeister aus Deutschland. Neben dem Michael als Formel-1-Fahrer stehen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Wir hoffen, da spreche ich sicher auch für den Michael, da noch einen drauflegen zu können und die deutschen Farben hochhalten zu können.
Greifen Sie denn jetzt die Rekorde von Michael Schumacher an?
VETTEL: Erstmal wollen wir die Saison beenden, und dann nächstes Jahr noch stärker zurückkommen. Wir müssen weiter sehr hart arbeiten und mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. dpa
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Autor: SWP | 11.10.2011
Champion Sebastian Vettel im Siegesrausch: "Man will nicht, dass es aufhört." Foto: afp
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