Ecclestone dreht am Millionen-Rad
Monza. Mit dem Großen Preis von Italien in Monza hat sich der Formel-1-Tross aus Europa verabschiedet. Da sechs Rennen noch ausstehen, bedeutet dies für die Teams Reisestress - bis zum ersten Advent.
Das Rennen nach dem Rennen: Kaum haben die Hauptdarsteller der PS-Szene die Pflichttermine nach einem Grand Prix hinter sich gebracht, was im günstigsten Fall wie gestern für Sebastian Vettel in der Siegerehrung und dem Gang durch das Spalier der TV-Kameras und Pressevertreter mündet, da geht die Hatz auch schon wieder weiter. Ohne Transfer per Helikopter läuft bei den meisten Formel-1- Piloten nichts mehr. Der nächste Anschlussflug vom Mailänder Flughafen Malpensa aus will schließlich erreicht sein - sofern kein privater Jet bereit steht.
Während sich das Fußvolk stundenlang durch Staus um den sich kaum lösenden Mailänder Verkehrsknoten quält, ist der Grand Prix von Italien für die Fahrer längst Geschichte. Im Visier sind bereits die nächsten PR-Termine und der dicht gepackte Rennkalender: Über Singapur (26. September), Japan (9. Oktober), Korea (16. Oktober), Indien (30. Oktober) und Abu Dhabi (13. November) gehts zum Finale nach Brasilien (27. November). Allein die letzten beiden Stationen liegen 12 500 Kilometer auseinander, da sind logistische Meisterleistungen erforderlich. Fünf Frachtjumbos warten dann auf die Tonnen, die durch 200 Lkw angeliefert werden.
Mangels Möglichkeiten wird sich an den Kräfteverhältnissen nicht mehr allzuviel ändern. Nun fragt sich der interessierte Leser, warum sich die abgeschlagenen Teams überhaupt noch die Mühe machen, konzentriert weiter um jedes Pünktchen zu kämpfen?!
Natürlich laufen parallel bereits die Planungen für die Saison 2012. Aber selbst für Hinterbänkler-Teams kann jede Platzierung in der Endabrechnung 2011 wichtig sein. Denn am 27. November ist Zahltag. Die häufig kaum beachtete Konstrukteurswertung ist ausschlaggebend dafür, wie viel jedes Team an Geld und auch an Transportkostenzuschuss fürs darauffolgende Jahr erhält. Angesichts der enormen Reisekosten, die anfallen, ist dies ein wichtiger Posten in den Kalkulationen der Etats, die sich je nach Größe zwischen 70 und 230 Millionen Euro bewegen. Wichtig ist für die Teams, unter die zehn besten zu kommen. Wie hoch letztlich der Gewinn ist, der ein bestimmter Rang in der Konstrukteurswertung einbringt, fällt unter die Rubrik Betriebsgeheimnis. "Darüber darf man in der Formel 1 nicht reden, es geht um viele Millionen", erklärt ein Insider, der vielsagend ergänzt: "In diesem Geld-Ranking ist es schon ein Riesenunterschied, ob man Zweiter oder Achter wird."
Lange Zeit hatten sich die Rennställe lautstark dagegen gewehrt, Rennen bis in die Adventszeit auszutragen. Promoter Bernie Ecclestone setzte sich jedoch wieder einmal durch und legt für 2012 sogar noch eine Schippe drauf. Erstmals sollen 21 Formel-1-Rennen gefahren werden, neu in den Kalender wird dabei Austin/Texas aufgenommen.
War es früher üblich, im Zwei-Wochen-Turnus zu fahren, so sind für kommendes Jahr gleich sechs Doppelpacks vorgesehen, dies heißt: Sechsmal wird gleich am jeweils folgenden Sonntag wieder gefahren. Da steht Reisestress pur an. Die Teams hatten auch hier vergeblich dagegen protestiert. Ecclestone, mittlerweile 80 Jahre alt, dreht am Millionen-Rad wie eh und je.
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Autor: SWP | 12.09.2011
Es bleibt dabei: Bernie Ecclestone zeigt in der Formel 1, wo es lang geht. Da können die Teams protestieren wie sie wollen. Foto: dpa
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