Die Entdeckung der Langsamkeit
Nürburgring. Das Rennen auf dem Nürburgring ist abgehakt, bereits am kommenden Wochenende gehts auf dem Hungaroring in Budapest weiter. Danach verabschiedet sich die Formel 1 in die Sommerpause.
Nach Auswertung vieler Daten des Formel-1-Rennens auf dem Nürburgring bleiben einige Fragen. Rundenlang mühte sich Sebastian Vettel vergebens, um Ferrari-Nummer-2-Pilot Felipe Massa von Platz vier zu verdrängen. Freilich bietet der Kurs in der Eifel nicht gerade optimale Überhol-Möglichkeiten, was das so genannte DRS anbelangt, aber nicht einmal ernsthafte Attacken waren zu erkennen. Wollte Vettel bewusst kein Risiko eingehen? Ist der Champion etwa darauf aus, seinen fetten Punktevorsprung von 77 Zähler auf seinen Teamkollegen Mark Webber nur noch zu verwalten?
Fakt ist - eine Entdeckung der Langsamkeit: Vettel hatte im Top-Speed-Bereich 9 km/h weniger als Massa. So war ein Geniestreich vonnöten: Erst beim letzten gleichzeitig stattfindenden Boxenstopp in der allerletzten Runde hatte Vettels Mechaniker-Truppe den besseren Job gemacht als die Ferraristi. Die Standzeit des Red-Bull-Boliden lag beim Reifen-Service wie von Teamchef Christian Horner gefordert unter drei Sekunden. Der Brite berichtete gegenüber dem TV-Sender BBC: "Wir verlassen Deutschland mit vielen gelernten Lektionen. Sebastian war das ganze Jahr nie so unzufrieden mit dem Auto. Die Temperatur hat wahrscheinlich nicht geholfen, aber ich suche nicht nach Ausreden. Wir schauen auf das nächste Rennen in weniger als einer Woche. Ich bin mir sicher, auch Sebastian denkt bereits an Budapest." Dort soll es für das in der ersten Saisonhälfte so dominierende Team wieder aufwärts gehen. "Ich schaue jetzt schon sehr positiv auf das nächste Wochenende und hoffe schon mal, dass es in Ungarn ein bisschen wärmer sein wird als hier", so der 24-jährige Heppenheimer, der ergänzte: "Letztes Jahr ist es uns dort ganz gut gegangen, aber darauf verlassen wir uns natürlich nicht. Wir werden weiterhin hart arbeiten und darauf achten, uns dort zu verbessern, wo wir noch nicht ganz perfekt waren. Das nächste Rennen am Hungaroring wird bestimmt besser", ist sich Vettel sicher. "Wir müssen schauen, dass wir nicht stehen bleiben, sondern mitziehen."
Auf eine deutliche Leistungssteigerung hofft unterdessen auch der abermals enttäuschende Michael Schumacher. Nach Rang acht wirkte der Mercedes-Pilot keineswegs geknickt, seine Durchhalte-Parolen sind weiter im Stand-By-Modus: Alles in allem sei das Rennen okay gewesen: "Mit den kleinen Verbesserungen, die wir in den letzten Wochen gemacht haben, können wir uns auf das Rennen in Ungarn freuen." Ein Verlierer des Grand-Prix-Wochenendes war auch Ex-Weltmeister Jenson Button. Der Engländer musste wegen Defekts den zweiten Ausfall hintereinander hinnehmen und hat sich damit aus dem Titelkampf angesichts des Rückstands von 107 Punkten auf Vettel verabschiedet.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: THOMAS GRUBER | 26.07.2011
Sebastian Vettel ist ins Grübeln gekommen, er war mit der Abstimmung das ganze Wochenende über nicht zufrieden. Foto: dpa
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Formel 1
Ein Triumph mit Schatten
Manama Mit dem ersten Sieg gleich an die WM-Spitze: Weltmeister Sebastian Vettel hat in der Wüste von Bahrain seine Durststrecke beendet. In einem der umstrittensten Rennen der Formel-1-Geschichte triumphierte er.... mehr
Verlierer ist die gesamte Formel 1
Manama Trotz großer Bedenken ist die Formel 1 in Bahrain gefahren - ein großer Fehler. Völlig daneben waren vor allem die Rechtfertigungen der Bosse.... mehrFORMEL 1 IN ZAHLEN
Großer Preis von Bahrain in Sachir (57 Rd. à 5,412 km/308,238 km): 1. Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:35:10,990 Std., 2. Räikkönen (Finnl.) Lotus 3,333 Sek. zurück, 3. Grosjean (Frankr.) Lotus 10,194, 4. Webber (Austral.) Red Bull 38,788, 5. Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 55,460, 6.... mehrVettel siegt vor Protestkulisse
Manama Im Schatten massiver Proteste gegen das Regime von Bahrain hat der deutsche Pilot Sebastian Vettel gestern das Formel-1-Rennen in dem Wüstenstaat gewonnen. Bei seinem ersten Saisonsieg verwies der Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) und Romain Grosjean (Frankreich) auf die Plätze 2 und 3.... mehr
Formel 1 bringt Protestbewegung in Bahrain auf Touren
"Boykottiert die Formel 1 in Bahrain": Während am Wochenende die Stars der Königsklasse des Motorsports in Bahrain ihre Runden drehen, kommt das Emirat am Persischen Golf politisch nicht zur Ruhe.... mehr
Proteste überschatten Formel-1-Rennen in Bahrain
Bahrain Die Macher der Formel 1 weichen den Fragen nach den Protesten in Bahrain aus. Das Land, in dem morgen die Stars ihre Runden durch die Wüste drehen, ist in Sunniten und Schiiten gespalten.... mehrDer König von Bahrain
Hamad bin Isa bin Salman Al Khalifa, Bahrains König, zeigt sich nur noch selten in der Öffentlichkeit. Der umstrittene Monarch erhielt seine Ausbildung in Großbritannien. In den USA absolvierte er ein Offizierstraining, seit den neunziger Jahren ist Bahrain der Stützpunkt der 5.... mehr

