Der Altmeister lässt es zum Jubiläum krachen

Spa-Francorchamps.  Vom letzten Startplatz auf Rang fünf: Michael Schumacher lieferte auf seiner Lieblingsstrecke in Spa eine starke Leistung ab. Nach dem Pech in der Qualifikation wars eine Genugtuung zum Dienstjubiläum.

Schrott! Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden zu einem besonderen Anlass Schrott geschenkt bekommen. Wenn Sie nicht gerade speziell mit dem Zeugs handeln, dürfte sich die Freude in Grenzen halten. Michael Schumachers Augen allerdings strahlten, als ihm seine ehemaligen Weggefährten von Ferrari, an vorderster Front Stefano Domenicali, Schrott schenkten. Das linke hintere Heckteil, weggebrochen am Original-Wagen, mit dem Schumacher den letzten seiner fünf WM-Titel für die "Roten" aus Maranello 2004 eingefahren hatte, überreichten die Tifosi dem siebenfachen Champion zum 20-jährigen Dienstjubiläum.

Applaus, Gejohle, Bewunderung. "Wir haben viel von Michael gelernt, zum Beispiel in einer Gruppe zu arbeiten", so der Ferrari-Teamchef, "das war ein Schlüssel zum Erfolg." Schumacher hatte Samstag Abend seine Weggefährten zu Freibier und Curry-Wurst eingeladen. Die engen Verwandten waren ebenso da wie die meisten der aktuellen Piloten.

Das Mercedes-Motorhome war derart überfüllt, dass Schumis erster Formel-1-Teamchef, der Ire Eddie Jordan, während des offiziellen Teils nicht einmal im Innenraum Platz fand. Altmeister Niki Lauda hatte sich ebenfalls unters Partyvolk getraut, obgleich er Schumacher via TV eigentlich schon den erneuten Rücktritt nahegelegt hatte.

"Ein großartiger Tag", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sichtlich bewegt. Er meinte damit weniger den sportlichen Wert, schließlich war Schumacher am Nachmittag bei der Qualifikation wegen eines Radverlustes nach wenigen Kilometern spektakulär mit seinem "Dreirad" abgeflogen. Haug sagte "Danke für eine große Freundschaft" und auch "für eine großartige Zeit". Teamchef Ross Brawn ergänzte: "Ich bin sehr glücklich, ein Teil in Michael Schumachers Karriere zu sein." Er hob hervor: "Michael hat neue Standards in der Formel 1 gesetzt."

Dass Schumacher noch nicht viele Bierfässer angezapft hat, war unschwer zu erkennen. Erst mit dem elften Schlag brachte er das Kölsch zum fließen. Seine Fahrerkollegen stießen alle mit ihm an.

Für Erheiterung sorgte ein Film, schon mit Ton und in Farbe, in dem einige originelle Szenen aus vergangenen Schumi-Tagen zu sehen waren. So ließ Jung-Michael rheinländisch wissen, dass er durchaus daran interessiert sei, später einmal Formel 1 fahren zu wollen, aber nur dann, wenn diese auch immer noch die Motorsport-Art Nummer 1 wäre. "Ich bin dankbar, dass ihr alle gekommen seid", meinte ein glücklich wirkender Schumacher, der deutlich machte, dass er im "zweiten Teil der Karriere" noch einiges vor hat. Nach dem Pech im Qualifying zeigte er im Rennen endlich wieder alte Klasse, überholte drei Runden vor Schluss sogar noch seinen Teamkollegen Nico Rosberg und wurde Fünfter. Während Schumi zufrieden vom Maximum sprach, das er rausholen konnte, erklärte Rosberg, dass er seinen Teamkollegen nicht freiwillig vorbeigelassen habe: "Das war kein Jubiläumsgeschenk", beteuerte der Wiesbadener, er habe Sprit sparen müssen.

"Ja, bist du blöd!", war es Lauda während des samstäglichen Festakts bewundernd rausgerutscht, als er einen sensationell stark leuchtenden Regenbogen am Abendhimmel sah. Das Schauspiel wirkte fast kitschig über den grünen Hügeln der Ardennen. Wie Rang fünf belegt, ein sinkender Stern hätte schon gar nicht ins Bild des Dienstjubiläums-Wochenendes gepasst.


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Autor: THOMAS GRUBER | 29.08.2011

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