Den WM-Pokal in Sichtweite

Spa-Francorchamps.  Die Show des Weltmeisters geht weiter: Sebastian Vettel baute mit dem siebten Saisonsieg beim Großen Preis von Belgien den Vorsprung in der WM aus. Sein Teamkollege Mark Webber ist erster Verfolger.

Nein, ein Bier nach Feierabend werden sie freiwillig nicht gemeinsam trinken - das haben Sebastian Vettel und Mark Webber häufiger betont. Die Beziehung der Team-Rivalen bei Red Bull beschränkt sich rein auf eine professionelle Basis. Vettel, der dem Australier im vergangenen Jahr den Titel ebenso wegschnappte wie dem Spanier Fernando Alonso (Ferrari), bezwang auch gestern beim Großen Preis von Belgien in Spa sämtliche Konkurrenten. Der Heppenheimer siegte in einem sehr unterhaltsamen Rennen vor Webber und dem Engländer Jenson Button, der von Rang 13 aus angegriffen hatte.

Am Tag vor dem Grand Prix hatte Webber seinen 35. Geburtstag gefeiert und als passendes Geschenk bekam er nebst Torte eine Vertragsverlängerung. Damit wird es auch 2012 zur brisanten Beziehung Vettel/Webber kommen.

Wie "herzlich" dieses Paar miteinander umgeht, zeigte der Unfall im vergangenen Jahr beim Großen Preis der Türkei, als beide in Führung liegend ineinanderkrachten und Vettel seinem Team-Rivalen den deutschen Autofahrergruß, sprich: den Vogel, zeigte. Der als stur geltende Webber seinerseits kartet häufig nach. So wie zu Beginn dieser Saison, als beim Großen Preis in China der Engländer Lewis Hamilton die Vettel-Siegesserie beendet hatte, da sprach der 35-Jährige doch glatt von "einem guten Tag für den Rennsport."

So lange die Teamführung die beiden unter Kontrolle hat, nur so lange wird die Konstellation gut gehen. "Wir haben eine sehr starke Paarung, die beiden treiben sich doch gegenseitig an", freut sich Teamchef Christian Horner. Schon nach den ersten Gesprächen sei sehr schnell klar, so der Brite, dass Webber weiter für Red Bull fahren möchte, obwohl er zuletzt noch Motivationsprobleme in den Raum gestellt hatte. Vettel und Webber sind also weiter gemeinsam im Namen der Dose unterwegs.

Der Doppelsieg gestern passte ins Gesamtbild im Weltmeister-Team. Dabei war es kein Selbstläufer. "Am Start wars kritisch", berichtete Vettel, "da war der Motor sogar am Absterben." Viel besser machte dies Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg, der sich von Rang fünf nach vorne katapultierte und das Rennen zeitweise anführte. In der 13. Runde musste das Safety-Car raus, weil Lewis Hamilton (McLaren) mit Sauber-Pilot Kobayashi kollidiert war. "Die WM war schon vor diesem Rennen futsch", hakte der Engländer den Titelgewinn bereits ab.

In einem von vielen Überholmanövern geprägten Rennen nahm der 24-jährige Vettel ab der 18. Runde das Heft in die Hand und fuhr fehlerfrei seinem siebten Saisonerfolg entgegen. "Ich bin sehr glücklich und sehr stolz, mich hier in die Siegerliste eintragen zu können", meinte Vettel, der von einer WM-Vorentscheidung trotz seines fetten Punktepolsters nichts wissen wollte: "Der Sieg hat uns unserem Ziel näher gebracht, aber wir wissen doch alle, wie schnell sich Dinge ändern können. Wenn du in zwei Rennen ausfällst, dann sieht gleich alles wieder anders aus."

Das Rennen in Spa habe ihm sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es doch große Probleme mit den Vorderreifen gegeben habe. Nun freue er sich auf den nächsten Grand Prix, der in zwei Wochen in Monza gefahren wird. Der Große Preis von Italien ist das siebtletzte Rennen der Saison, die mit dem Brasilien-Grand-Prix am 1. Advent endet.

Die weiteren deutschen Piloten gaben ein gutes Bild ab: Michael Schumacher (siehe Extra-Artikel) wurde Fünfter vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg und Adrian Sutil (Force India). Timo Glock (Virgin Racing) kam auf Platz 18. Mit Interesse hat Nick Heidfeld das Rennen verfolgt, der bei Lotus Renault ausgemustert worden war (wir berichteten). Der für ihn verpflichtete Bruno Senna blieb punktelos und kam auf den 13. Rang.


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Autor: SWP | 29.08.2011

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