Vorschusslorbeeren welken
Eislingen. Voller Vorschusslorbeeren wurden in Eislingen im Dezember die Buslinien umgestellt. In der Praxis werden jetzt die Nachteile deutlich. Die Lorbeeren welken. In einer Umfrage äußerten die Nutzer vor allem Kritik.
"Fast einen Meilenstein" nannte Bürgermeister Günther Frank die Studie zur Verbesserung des Busverkehrs in Eislingen, als im Februar 2009 im Gemeinderat darüber beraten wurde. Auch die Stadträte waren quer durch alle Fraktionen voll des Lobes, schien sich doch eine deutliche Verbesserung anzubahnen, ohne dass die Stadt tief in die Kasse greifen muss. Im vorigen Oktober war dann die Studie der IGV (Ingenieur, Gesellschaft, Verkehr) gemeinsam mit der OVG (Omnibusverkehr Göppingen) in einen konkreten Fahrplan mit neuer Linienführung übertragen. Die Umsetzung hat der Gemeinderat zum Fahrplanwechsel im Dezember beschlossen. Und wieder war viel Lob zu hören und die Zufriedenheit darüber, dass man in Eislingen keinen Bürgerbus brauche. Zuvor war nämlich ohne Resonanz versucht worden, eine Bürgerbusbewegung in Eislingen zu starten.
Nachdem die Busse seit etwa vier Monaten auf den neuen Verbindungen unterwegs sind, macht sich aber Ernüchterung breit. Wie eine Umfrage unter den Nutzern zeigt, hat Eislingen doch nicht den Stein der Weisen gefunden. Von den 69 Personen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, sagen 58 Busnutzer, die neue Linienführung bringe ihnen Nachteile, sieben bewerten die Änderung positiv. Als am Montag im Ausschuss für Technik und Umwelt über erste Erfahrungen beraten wurde, stellte Bürgermeister Frank die Aussagekraft der Umfrage in Frage. Sie sei nicht repräsentativ, vor allem hätten sich Nutzer zu Wort gemeldet, die nicht zufrieden waren. "Es wäre schlimm, wenn wir jetzt sagen, wir werfen das Buskonzept in den Papierkorb, weil 58 dagegen sind", findet er. Frank bedauerte, dass OVG-Betriebsleiter Andreas Wuttke, vom dem er sich Erklärungen erhofft hatte, die zugesagte Teilnahme an der ATU-Sitzung wieder absagen musste.
Die Stadträte äußerten indes meist Kritik an den Linien. So dauert Peter Ritz (SPD) die Fahrt aus dem nördlichen Stadtgebiet nach Göppingen zu lange. "Die schnelle Verbindung nach Göppingen ist kaputt wegen der Schlaufe nach Süd." Eine Kollegin, die mit dem Bus von auswärts ans Gymnasium komme, brauche nun viel länger. Dies liege an der nicht vorhandenen Vertaktung am Busbahnhof Göppingen, erklärte Manfred Strohm (CDU), der betonte, dass die innerörtliche Verbindung in Eislingen nun besser ist.
Vom "Unterschied zwischen Theorie und Praxis" sprach Eckehard Wöller (FWV). "Es hat gut ausgeschaut auf dem Papier. Aber die Kritik der Nutzer ist berechtigt." Er erwartet, dass die OVG jetzt reagiert. Frühzeitig vor dem nächsten Fahrplanwechsel sollten Änderungen geplant werden. Klaus Nickl (CDU) forderte Vorschläge, um darüber vor dem Sommer beraten zu können. Und Lothar Weccard (Grüne) will nicht bis September 2011 warten, wenn am Göppinger Busbahnhof die Vertaktung eingeführt werden soll. Nach der Debatte sprach auch der Bürgermeister von "Nachteilen im erheblichen Umfang", die man untersuchen müsse.
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Autor: DANIEL GRUPP | 06.05.2010
Die Omnibusse in Eislingen fahren jetzt auf neuen Linien. Dadurch wurden die innerstädtischen Verbindungen verbessert, jedoch äußern viele Nutzer Kritik an der Umstellung. Foto: Archiv
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