"Trinken, Essen, Materatz"
Eislingen. Vincent Klink, die Kammersängerin Helene Schneiderman und das Littmann-Quintett stillten bei einem kulinarisch-literarischen Abend rund um den Komponisten Gioachino Rossini den Kulturhunger der Besucher.
Zum Abschluss der ersten Sternstunden-Spielzeit las Vincent Klink am Sonntag in der Stadthalle Eislingen in ruhiger Art aus dem Leben Rossinis und ließ dabei immer wieder einen Witz oder eine Anekdote einfließen. Die Besucher lernten den Komponisten kennen, aber auch den Genussmenschen Rossini, für den das Essen eine wichtige Rolle spielte. Womit sich der Bogen zu Vincent Klink schließt.
Der Stuttgarter Sternekoch Vincent Klink war für den Rossini-Abend eigener Aussage zufolge tief in die Quellen über den italienischen Komponisten eingetaucht, um Licht ins Dunkel der Geschichten zu bringen, die sich um Gioachino Rossini ranken. In Eislingen zeichnete er ein Bild aus Berichten, Zitaten, Anekdoten, Bonmots und Charakterisierungen Rossinis, fein gewürzt mit eigenen Bemerkungen. Die jeweilige Lebenssituation passend begleitend spielte das Littmann-Quintett Werke Rossinis; und als Sahnehäubchen trat die weltweit gefeierte Mezzosopranistin Helene Schneiderman auf.
Wie ein roter Faden zogen sich die Berichte über die lebensbejahende, eloquente, scharfsinnige und gesellige Art Rossinis durch den Abend - ein gestandenes Mannsbild, was ihm in späteren Jahren das entsprechende barocke Äußere verlieh, Vincent Klink nicht unähnlich. "Vermutlich der Grund, weshalb ich engagiert wurde, vermutet Klink schmunzelnd. "Der Magen ist der Kapellmeister, der das große Orchester unserer Leidenschaften dirigiert. Essen, Lieben, Singen, Verdauen, hat Rossini einmal gesagt. Und er war weder dem schönen Geschlecht abgeneigt noch dem Essen. Alle möglichen Spezialitäten ließ er sich nach Paris kommen. Dort wohnte er in späteren Jahren - der dort zahlreich vorhandenen Ärzte wegen.
Bereits zu Lebzeiten war Rossini sehr beliebt, fast schon ein Popstar. 10 000 Menschen haben ihn auf dem Wiener Opernplatz gefeiert - ohne TV und Internet, so Klink.
Er war begnadet, schrieb mit zwölf Jahren seine erste Komposition und mit 37 Jahren bereits seine letzte, obwohl er 76 Jahre alt wurde. Doch das Recht auf Arbeit verhöhnte er mehr, als dass er ernst nahm. Zudem war er seit seiner Jugend zeitlebens mit Geschlechtskrankheiten behaftet.
"Trinken, Esse, Materatz" fasste ein italienischer Freund von Vincent Klink die drei wichtigsten Genüsse des Lebens einmal zusammen. Und diesen Lebensstil hat auch Rossini gepflegt. Was an seiner Statur, aber auch seinen Krankheiten zum Ausdruck kam. Das alles wäre ihm womöglich erspart geblieben, wenn sich sein Onkel, Metzger von Beruf, durchgesetzt hätte, vermutet Klink. Der wollte die Stimme des jungen Rossini erhalten und ihn wie zu dieser Zeit noch üblich zum Kastraten machen.
Und obwohl Rossini mit seinen Werken und seinem Lebenswandel als klassischer Vertreter des italienischen, vergnügten, leichten Lebensstils gelte, sei er in seiner Heimat "Il Tedeschino, der kleine Deutsche, genannt worden. Denn was wir als leicht und beschwingt empfinden, sei in Italien als schwer und ernst empfunden worden, so Klink.
Eislingen bescherte er aber - auch dank Vincent Klink und der musikalischen Begleitung - einen vergnüglichen Abend mit Klasse.
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Autor: AXEL RAISCH | 18.05.2010
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