Der Orgel ungehörte Klangfarben entlockt Brüder Christian und Daniel Wolf in Eislingen

Eislingen.  Ein ungewöhnliches Musik- und Klangspektrum wurde in der Eislinger Christuskirche geboten. Erstmals konnten die Zuhörer die Kombination Orgel und Klarinette erleben.

Die Brüder Christian Wolf (Klarinette) und Daniel Wolf (Orgel, mit künstlerischem Hintergrund Klavier) aus Worms beziehungsweise Köln beschreiten ungewohnte Musikwege. Dies bewiesen sie in der Christuskirche Eislingen gleich mit dem ersten Stück. So stellte man sich spontan die Frage: "Barockmusik mit Klarinette und Orgel?" Zu bedenken ist, dass die Musik bereits seit alters her eine der "septem artes liberales", also zugehörig zu den sieben freien Künsten, war. So leuchtet einem ein, dass eine wunderschöne Sonate des französischen Barockmeisters und Bach-Zeitgenossen Jean Baptiste Loeillet durchaus mit diesem Soloinstrument, natürlich auch mit Solovioline oder -flöte, musiziert werden kann. (Dies trifft auch auf den Zugabe-Satz des italienischen Barockmeisters Arcangelo Corelli zu.) Schön gesanglich, samtweich, aber in den schnellen Sätzen federnd und anpackend, wurden die verschiedenen Sätze in angemessener Typografie dargestellt.

Auch der zweite Beitrag - das bekannte "Adagio" in g-Moll des italienischen Bach-Zeitgenossen Tomaso Albinoni wurde vom Reiz der Farben durchzogen; beide Künstler bewiesen hier, dass sie klanglich bestens harmonieren.

Vom Bach-Schüler Johann Ludwig Krebs erklang die "Toccata und Fuge" in E-Dur für Orgel-Solo, meisterhaft und ausgewogen interpretiert von Daniel Wolf (Lehrbeauftragter am Institut für Kirchenmusik in Mainz). Vor allem in der Fuge - schon aufgrund der kreuzreichen E-Dur-Tonart kein leichtes Werk - legte Wolf sein Können an den Tag.

Stilistisch angemessen und sicher trugen die Brüder fünf Maskentänze eines unbekannten englischen Komponisten des 16. Jahrhunderts vor. Die Interpretation beflügelte die Fantasie der Zuhörer, und man glaubte sich tatsächlich "bei Hofe".

Im weiteren Verlauf traten die beiden Künstler-Brüder als Solisten in ganz eigenständigen Improvisationen auf. Der Konzertorganist Daniel Wolf überzeugte in der Darbietung eines "Concertos" im italienischen Stil: Dabei konnte man erleben, dass er eine profunde Werkkenntnis der Bachschen "Concerti" nach Vivaldi hatte und dadurch virtuos brillant in den Ecksätzen vortrug, aber auch sehr kantabel im langsamen Satz. Improvisation als Musik-Phänomen der Gegensätze lieferte hernach Christian Wolf. Aus der konzentrierten Stille ließ er seine musikalischen Abläufe in zeitlicher Komprimierung - frei von Vorbildern oder Schemata - entstehen.

Eric Saties "Erste Gnosienne" (eine Wortschöpfung des Komponisten) hatte stark melancholische, aber auch tiefsinnige Klangspektren. Einerseits pendelt die Orgelbegleitung fast monoton bi-akkordisch und bietet dadurch das Fundament des Werks, andererseits bekräftigt der Klarinetten-Soloklang die Variabilität in ruhiger Umschreibung in seinen kompositorischen Passagen ohne jede Einengung.

Dies war eine gelungene Überleitung zum letzten Höhepunkt des Konzertabends mit sechs äußerst differenzierenden Tänzen aus der Musik der jüdischen Klezmer (die Soloklarinette hat "singende" Funktion, erläuterte Christian Wolf): Hier seien ein paar Titel genannt: "Erster Vals", "Papirosn", "Wedding Waltz" und "The Happy Nigun".

Herzlicher Beifall dankte den Brüdern für ein kontrastreiches Hörerlebnis, das ganz neue, noch ungehörte Klangfarben der spätromantischen Orgel sowohl solo als auch im Zusammenspiel mit der Klarinette beeindruckend offenbarte. ins


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