Prozess in Ulm
Vierfachmord: Der dominante Vater des Andreas H.
Ulm/Eislingen. Vor dem Ulmer Landgericht ist am Mittwoch der Prozess um den Vierfachmord von Eislingen fortgesetzt worden. Zehn weitere Zeugen waren geladen - viel Neues brachten die Befragungen nicht zu Tage.
Der Vater des mutmaßlichen Vierfachmörders von Eislingen, Hans-Jürgen H., war streng und dominierte seine Familie. Was bereits Dutzende Zeugen ausgesagt haben, wurde am Mittwoch erneut vor der 6. Großen Jugendkammer des Landgerichts Ulm bestätigt. Angeklagt sind der 19 Jahre alte Sohn der getöteten Familie H., Andreas, sowie sein gleichaltriger Freund Frederik B. Sie sollen Hans-Jürgen (57) und Else (55) H. sowie die Töchter Annemarie (22) und Ann-Christin (24) in der Nacht zu Karfreitag 2009 in Eislingen mit 30 Schüssen ermordet haben.
Vernommen wurde auch ein Zeuge, der in den 70er Jahren mit Hans-Jürgen H. befreundet war. „Porno-Hansi“ sei H. in Geislingen genannt worden, denn dort habe er seinerzeit den ersten Sex-Shop des Ortes eröffnet. Nach dem Umzug nach Eislingen wandelte sich der Vater von Andreas, er war in der Kirchengemeinde aktiv, leitete die Kinderkirche und engagierte sich im CDU-Ortsverein.
Eine Nachbarin berichtete vor Gericht, dass die heile Welt der Familie offenbar nur nach außen hin bestanden habe. Oft habe der Vater herumgeschrien, auch zum offenen Fenster hinaus, und sei wegen Kleinigkeiten an die Decke gegangen. Die Kinder hätten von ihr immer mittwochs Süßigkeiten oder Pfannkuchen bekommen - denn an diesem Tag habe es bei Familie H. stets nur Salat gegeben, angemacht mit Brottrunk, einem gesunden, aber sauren Gärgetränk. Ein Essen, mit dem die Kinder offenbar nicht zu begeistern waren.
Ein weiterer Zeuge erzählte, wie er gemeinsam mit Hans-Jürgen H. die Kinderkirche geleitet, nach fünf Jahren aber aufgegeben habe. Zu sehr habe H. alles dominieren wollen, alles musste nach seinem Willen geschehen. Auch habe der Vater seinen Sohn Andreas gezwungen, trotz Mangels an Talent öffentlich aufzutreten und zu singen. Dreimal habe der Junge singen müssen - „mit Tränen in den Augen“ - und sich dreimal dabei blamiert.
Auch ein ehemaliger Lehrer von Andreas sagte aus. Er beschrieb den Jungen als unproblematisch, auch wenn er manchmal ausgerastet sei - meist wegen Kleinigkeiten. „Ein kleines Problem war aber manchmal der Vater, er war immer sehr rechthaberisch.“ Dennoch habe sich das Ehepaar H. am Ende von Andreas' Realschul-Laufbahn bei ihm mit einer Flasche Sekt bedankt, „das ist sehr ungewöhnlich für Eltern“.
Geladen, aber nicht erschienen war die Eislinger Pfarrerin Kathinka Korn. Sie benötigt für ihre Aussage eine Genehmigung des Oberkirchenrats, diese ist bislang jedoch nicht erteilt worden. Die evangelische Pfarrerin hat nach den Morden mehrfach im Fernsehen über die getötete Familie gesprochen und war eine der ersten, die das Bild der heilen Familie ankratzte. Noch ist unklar, ob sie vor Gericht aussagen wird. Der Prozess wird am 23. Februar fortgesetzt.
Vernommen wurde auch ein Zeuge, der in den 70er Jahren mit Hans-Jürgen H. befreundet war. „Porno-Hansi“ sei H. in Geislingen genannt worden, denn dort habe er seinerzeit den ersten Sex-Shop des Ortes eröffnet. Nach dem Umzug nach Eislingen wandelte sich der Vater von Andreas, er war in der Kirchengemeinde aktiv, leitete die Kinderkirche und engagierte sich im CDU-Ortsverein.
Eine Nachbarin berichtete vor Gericht, dass die heile Welt der Familie offenbar nur nach außen hin bestanden habe. Oft habe der Vater herumgeschrien, auch zum offenen Fenster hinaus, und sei wegen Kleinigkeiten an die Decke gegangen. Die Kinder hätten von ihr immer mittwochs Süßigkeiten oder Pfannkuchen bekommen - denn an diesem Tag habe es bei Familie H. stets nur Salat gegeben, angemacht mit Brottrunk, einem gesunden, aber sauren Gärgetränk. Ein Essen, mit dem die Kinder offenbar nicht zu begeistern waren.
Ein weiterer Zeuge erzählte, wie er gemeinsam mit Hans-Jürgen H. die Kinderkirche geleitet, nach fünf Jahren aber aufgegeben habe. Zu sehr habe H. alles dominieren wollen, alles musste nach seinem Willen geschehen. Auch habe der Vater seinen Sohn Andreas gezwungen, trotz Mangels an Talent öffentlich aufzutreten und zu singen. Dreimal habe der Junge singen müssen - „mit Tränen in den Augen“ - und sich dreimal dabei blamiert.
Auch ein ehemaliger Lehrer von Andreas sagte aus. Er beschrieb den Jungen als unproblematisch, auch wenn er manchmal ausgerastet sei - meist wegen Kleinigkeiten. „Ein kleines Problem war aber manchmal der Vater, er war immer sehr rechthaberisch.“ Dennoch habe sich das Ehepaar H. am Ende von Andreas' Realschul-Laufbahn bei ihm mit einer Flasche Sekt bedankt, „das ist sehr ungewöhnlich für Eltern“.
Geladen, aber nicht erschienen war die Eislinger Pfarrerin Kathinka Korn. Sie benötigt für ihre Aussage eine Genehmigung des Oberkirchenrats, diese ist bislang jedoch nicht erteilt worden. Die evangelische Pfarrerin hat nach den Morden mehrfach im Fernsehen über die getötete Familie gesprochen und war eine der ersten, die das Bild der heilen Familie ankratzte. Noch ist unklar, ob sie vor Gericht aussagen wird. Der Prozess wird am 23. Februar fortgesetzt.
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Autor: DIRK HÜLSER | 03.02.2010
Die Anteilnahme am Vierfachmord in Eislingen war groß. In Eislingen konnte zunächst niemand glauben, dass Andreas H. und Frederik B. Familie H. umgebracht hatten. Foto: Carlucci
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