Hickhack um die Zeugin Kathinka Korn aus Eislingen

Ulm / Eislingen.  Obwohl als Zeugin geladen, hat Pfarrerin Kathinka Korn bislang nicht im Vierfachmord-Prozess ausgesagt. Der Wert ihrer Aussage wird auch bezweifelt.

Am 13. Verhandlungstag um den Eislinger Vierfachmord war auch Pfarrerin Kathinka Korn als Zeugin geladen gewesen - jedoch nicht erschienen. "Es ergeben sich große Schwierigkeiten", erklärte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan in der Verhandlung. Der Oberkirchenrat habe der Pfarrerin keine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Den Hintergrund erläutert Christian Tsalos, Pressesprecher der Evangelischen Landeskirche. Es gebe einmal das Seelsorgeheimnis. "Das ist das höchste Gut, davon kann sie nicht entbunden werden." Und dann gibt es noch - wie auch im Beamtenrecht - das Dienstgeheimnis. "Davon kann die Pfarrerin entbunden werden, aber da gibt es ganz strikte Vorgaben." Die Entscheidung treffe die Rechtsabteilung im Oberkirchenrat. Um zu entscheiden, müsse aber bekannt sein, wozu Kathinka Korn als Zeugin aussagen solle - ein entsprechender Antrag sei aber bislang noch gar nicht gestellt worden. Ohnehin glaubt Tsalos: "Sie weiß auch relativ wenig."

Davon geht mittlerweile auch die 6. Große Jugendkammer am Ulmer Landgericht aus. Hatte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan bislang alle Beweisanregungen der Prozessbeteiligten ohne Prüfung durchgewunken und über 50 Zeugen geladen, so will er nun eine härtere Gangart einschlagen. Zeugen werden nur noch geladen, wenn förmliche Beweisanträge gestellt werden, die das Gericht dann erst zulassen muss. So auch im Fall der Zeugin Korn. "Ich prüfe derzeit, inwiefern ein Beweisantrag erforderlich ist", sagte gestern Hans Steffan, der Rechtsanwalt des Angeklagten Andreas Häussler. Auf Steffans Anregung hin war die Pfarrerin als Zeugin geladen worden. Doch inzwischen ist er sich gar nicht mehr so sicher, ob er auf einer Vorladung besteht, zumal er für den Oberkirchenrat ein genaues Beweisthema formulieren müsste. In der Verhandlung hatte Steffan gesagt: "Frau Korn vermittelte anscheinend im Fernsehen den Eindruck, Kenntnisse über die Familie zu haben." Richter Wolfgang Tresenreiter erwiderte: "Die Polizei hat dies aber nach ihrer Vernehmung mit Fragezeichen versehen." Die Richter gaben zu erkennen, Korn nicht laden zu wollen. Schließlich entspann sich ein Disput darüber, wie sinnvoll die Ladung weiterer Zeugen überhaupt sei. Gugenhan meinte schließlich ironisch: "Und dann kommen noch die restlichen Bewohner von Eislingen und Umgebung dran."

So bleibt weiter offen, ob die Pfarrerin, die nach eigener Aussage eng mit dem ermordeten Hans-Jürgen Häussler zusammengearbeitet hat und auch in einigen Fernsehsendungen zu Gast war, überhaupt geladen wird. Sie selber sagte gestern: "Mir wäre es lieber, wenn ich nicht vor Gericht erscheinen müsste."


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: DIRK HÜLSER | 05.02.2010

Der Vierfachmord von Eislingen

Prozess Eislingen

Urteil im Vierfach-Mord von Eislingen rechtskräftig

Eislingen/Ulm Ein Schüler ermordet mit einem Freund seine gesamte Familie. Das Motiv: Habgier. Er wollte der Alleinerbe sein. An seiner Verurteilung gibt es nun keine Zweifel mehr.... mehr
Vierfachmord Eislingen

Vierfachmord von Eislingen: Alles nur Theaterdonner?

Ulm /Eislingen Nach 19 Verhandlungstagen vor dem Ulmer Landgericht sind die Plädoyers im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen gehalten. Doch kurz vor dem Urteil bleiben viele Fragen offen - mehr noch als zu Beginn des Verfahrens.... mehr

Eislingen: Anwalt legt Revision ein

Ulm/Eislingen Der Anwalt des zu lebenslanger Haft verurteilten Vierfachmörders von Eislingen (Kreis Göppingen) hat Revision gegen das Urteil des Landgerichts Ulm eingelegt.... mehr

Ein Pfarrer vermisst die Reue

Eislingen Gestern wurden die Urteile im Prozess um den Eislinger Vierfachmord verkündet: Lebenslang für Andreas Häussler und zehn Jahre Haft für Frederick B. Viele Eislinger haben gespannt auf das Urteil gewartet.... mehr

Lebenslang für Elternmörder

Ulm Höchststrafe für Andreas H. und zehn Jahre Jugendstrafe für Frederik B. - mit diesem Urteil endete der Prozess um den Eislinger Familienmord. Der Verteidiger von Andreas hat bereits Revision angekündigt.... mehr

Regungslos bis zum bitteren Ende

Ulm Die Angeklagten im Prozess um den Vierfachmord in Eislingen haben jeweils die Höchststrafe erhalten. Sie nahmen das Urteil ohne Regung hin.... mehr

KOMMENTAR · EISLINGEN: Mehr geht nicht

Leicht hat es sich die 6. Große Jugendkammer des Ulmer Landgerichts nicht gemacht. Sorgfältig und souverän haben die drei Richter und zwei Schöffen 19 Tage lang versucht, Licht ins Dunkel um den... ... mehr

Das Asperger-Syndrom

Ulm Frederik B., der im Eislinger Vierfachmord-Prozess zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt wurde, leidet nach Ansicht eines Gutachters am Asperger-Syndrom.... mehr
DEU BW Familie Verbrechen Mord

Lebenslange Haft für Mord an Eltern und Schwestern

Ulm/Eislingen Kaltblütig plante er den Tod seiner Eltern und Schwestern. Dafür muss der Vierfachmörder von Eislingen nun mit einer lebenslangen Haftstrafe büßen. Sein Schulfreund half ihm bei der Tat und kommt für zehn Jahre hinter Gitter.... mehr

Bluttat hinterlässt Spuren

Eislingen Heute wird das Urteil im Prozess um den Eislinger Vierfachmord an der Familie Häussler gefällt. Viele Eislinger beschäftigt die Tat auch ein Jahr später noch - sie ist aber nicht mehr ganz so brisant und präsent.... mehr