Ein Pfarrer vermisst die Reue

Eislingen.  Gestern wurden die Urteile im Prozess um den Eislinger Vierfachmord verkündet: Lebenslang für Andreas Häussler und zehn Jahre Haft für Frederick B. Viele Eislinger haben gespannt auf das Urteil gewartet.

Vor fast genau einem Jahr hat der Vierfachmord an der Familie Häussler ganz Eislingen in Aufruhr versetzt, wie gelähmt wirkte die Stadt mit ihren Bürgern in den Tagen danach. Gestern haben viele gespannt auf die Urteilsverkündung gewartet.

"Es war eine besonders grausame Tat", sagt Fabian Braun, Sozialpädagoge und Leiter des Eislinger Jugendhauses Non-Stop. Zehn Jahre Haft für Frederik B. und lebenslang für Andreas Häussler findet er durchaus gerechtfertigt. Zum Jugendhaus hatten die beiden Verurteilten zwar keinen Kontakt, aber der Vierfachmord war auch hier immer wieder Thema. "Obwohl der Amoklauf in Winnenden bei den Jugendlichen fast noch präsenter schien, weil er im Schulalltag verübt wurde", meint Braun. Gewalt sei immer ein Thema im Jugendhaus, aber natürlich nicht in solchem Ausmaß, wie der Familienmord. Nach kurzem Überlegen sagt Pfarrer Frieder Dehlinger von der Christuskirche: "Spontan finde ich das Urteil klug." Die langen Haftstrafen ließen bei beiden Tätern noch ein Zeitfenster für eine Weiterentwicklung offen. "Bei Frederik deutlicher als bei Andreas", meint Dehlinger, der beide aus der Jugendarbeit kennt. Ein so schweres Verbrechen erfordere eine deutliche und klare Strafe. Aus geistlicher Sicht meint er: "Vergebung setzt Reue voraus", und die sei zumindest bei Andreas Häussler, den Medienberichten zufolge, nicht klar erkennbar gewesen. Wie tief die Betroffenheit bei den Eislingern sei, das habe er jüngst bemerkt. "Beim Theaterstück Softgun kam das ganz deutlich heraus", sagt Dehlinger. Auch wurde deutlich thematisiert, dass man sich wünsche, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und etwas Gras über die Sache wächst. "Ich bin froh, dass das Urteil jetzt gesprochen ist", betont Dehlinger, wobei ihm eine frühere Urteilsverkündung lieber gewesen wäre. "So wird immer die Verbindung zum Osterfest bleiben", so Frieder Dehlinger.

Auch Roland Batsch, Jugendleiter der Eislinger Schützengilde, hat die Urteilsverkündung mitverfolgt. "Absolut korrekt", findet auch er das Strafmaß angesichts der Kaltblütigkeit der Tat. Er musste als Zeuge vor Gericht aussagen, saß dabei Andreas Häussler und Frederik B. sozusagen Auge in Auge gegenüber. "Das war für mich sehr schwierig, der bloße Anblick rief enorme Berührungsängste hervor", sagt Batsch. Auf die Schützengilde hat der Vierfachmord, beide Täter waren Mitglieder, ein schlechtes Licht geworfen, das sich bis heute auswirkt. "Wir spüren die abweisende Haltung", sagt Batsch.

Schon vergangenes Jahr wurde das Angebot des Schützenvereins für das Schülerferienprogramm von der Stadt abgelehnt und auch dieses Jahr will man wohl nicht, dass sich der Verein beteiligt. "Wir haben bisher noch keine Anfrage erhalten", sagt Batsch, der diese Haltung durchaus verstehen kann, sie aber dennoch bedauert. Eugen Heilig, der zweite Vorsitzende des Eislinger Marketingvereins, hat das Urteil im Radio gehört. "Ich finde die Strafen absolut gerechtfertigt", sagt auch Heilig, der in Eislingen einen Friseursalon betreibt. "Das hat die Menschen sehr bewegt", weiß er und fügt an: "Gott sei Dank hat es die Menschen bewegt, denn wie abgebrüht müsste man sein, wenn man über so eine grausame Tat einfach hinweggehen könnte." Die Bürger identifizierten sich mit ihrer Heimatstadt, das sei zu spüren. Ob das Thema Vierfachmord nach dem Urteil jetzt endlich in den Hintergrund treten werde, bezweifelt Eugen Heilig: "Nachdem der Anwalt von Andreas Häussler ja wohl Berufung einlegen will, wird es uns alle sicher noch länger beschäftigen."


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Autor: IRIS RUOSS | 01.04.2010

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