Bluttat hinterlässt Spuren
Eislingen. Heute wird das Urteil im Prozess um den Eislinger Vierfachmord an der Familie Häussler gefällt. Viele Eislinger beschäftigt die Tat auch ein Jahr später noch - sie ist aber nicht mehr ganz so brisant und präsent.
"Wir waren damals sehr betroffen", erklärt Gerd Fischer, der Rektor der Eislinger Dr. Engel-Realschule. Aus dieser Betroffenheit heraus habe das Kollegium allerdings einstimmig beschlossen, keinerlei Stellungnahmen zum Vierfachmord mehr abzugeben. "Es ist an der Zeit, dass wieder etwas mehr Ruhe einkehrt", sagt eine Eislinger Lehrerin. Sie habe das Gefühl, dass die Eislinger Zeit bräuchten, um Abstand zu gewinnen, sich in Ruhe ihre eigenen Gedanken zu machen und ihre persönliche Trauerarbeit zu leisten, denn auch auswärts werde Eislingen stark mit dem Vierfachmord verbunden und definiert. Tod und Auferstehung ist Thema während der Passionszeit und auch hier hat die Lehrerin das Gefühl, dass Eltern und Schüler nicht mehr über den Familienmord reden möchten. "Gewalt allgemein und der Umgang miteinander wird allerdings schon thematisiert", sagt sie.
Simone Gentner ist Leiterin des Eislinger Kindergartens Sankt Michael und selbst dort wirkt sich der Vierfachmord aus. Derzeit läuft ein Sportprojekt mit verschiedenen Kooperationspartnern und schon bei den Planungen war klar, dass die Eislinger Schützengilde dafür nicht in- frage komme. "Da ist die Hemmschwelle sehr groß", sagt Gentner, beim Thema Waffen hätte sie Angst gehabt, dass sie bei den Eltern auf großes Unverständnis stoße. Die Frage nach dem Warum hat sich Simone John, sie ist Elternbeiratsvorsitzende im Kindergarten, im vergangenen Jahr oft gestellt. Sie hat den Fall in den Medien mitverfolgt. "Verstehen kann man solch eine unbeschreibliche Gewalt wohl nie", sagt sie. Auch ihre neunjährige Tochter interessiert sich für den Vierfachmord, liest teilweise Zeitungsberichte und stellt viele Fragen.
"Die Wogen haben sich geglättet", meint Hansjörg Schmidt, der Vorsitzende der Eislinger Schützengilde. Natürlich sei der Vierfachmord, sowohl Andreas Häussler, als auch Frederick B. waren Mitglieder, immer wieder Thema, und es wurde über das Strafmaß diskutiert, aber insgesamt habe sich die Situation doch sehr beruhigt. Mitgliederschwund gab es bei der Schützengilde deshalb nicht, es wurden sogar neue Mitglieder gewonnen. "Unser Osterschießen war sehr gut besucht", führt Schmidt als Bestätigung an. "Die Menschen beschäftigt das Thema noch, aber nicht mehr in dem Ausmaß, wie vor einem Jahr", meint die Eislinger Vhs-Leiterin Ute Schwendemann. Die heutige Urteilsverkündung im Mordprozess und der bevorstehende Karfreitag werden ihrer Meinung nach die Tat noch einmal in den Vordergrund rücken. "In der Stadt herrscht nach wie vor Interesse an dem Fall", sagt der scheidende Bürgermeister Günther Frank, allerdings sei der Fokus in vergangener Zeit mehr auf andere Ereignisse wie etwa die Bürgermeisterwahl gelegt worden. "Durch das hohe Medieninteresse hat Eislingen eine große Außenwahrnehmung erfahren", so Frank. "Für neue Diskussionen wird sicher die Urteilsverkündung sorgen", da ist sich der Rathauschef sicher.
"Ich war, wie wohl jeder, erschüttert und geschockt", sagt der neu gewählte Eislinger Bürgermeister Klaus Heininger. So unmittelbar sei er noch nie von solcher Gewalt, wie dem Eislinger Vierfachmord, betroffen gewesen. "Das Erschreckende an der ganzen Tat ist, dass es Menschen wie du und ich sind", sagt Heininger. Eislingen habe durch die Bluttat sicher einen größeren Bekanntheitsgrad bekommen, werde seiner Meinung nach außerhalb der Stadtgrenzen aber nicht darüber definiert. Auch die Kommune könne ihren Beitrag zur Gewaltfreiheit leisten. "Es ist Aufgabe der Kommune, zu sensibilisieren", sagt der noch in Birenbach amtierende Bürgermeister. Der größte Anknüpfungspunkt sei dabei, Vorbildfunktion einzunehmen. "Vorbilder gehen in unserer Gesellschaft generell verloren", bedauert Heininger. Der Weg müsse künftig wegführen von der leistungsorientierten Ellenbogengesellschaft, hin zu mehr Menschlichkeit und Miteinander. "Es darf nicht nur immer Leistung und Wirtschaftswachstum im Vordergrund stehen."
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Autor: IRIS RUOSS | 31.03.2010
Bestatter tragen am 10. April 2009 in der Eislinger Friedhofstraße einen Sarg aus dem Haus der Familie Häussler. Das Ehepaar und seine zwei erwachsenen Töchter sind am Morgen des Karfreitags tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Foto: AP
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Kommentare (1)
Eislingen
Der Bürgermeister entblödet sich nicht , von "Menschen wie Du und ich" zu sprechen .Wenn dem in Eislingen so ist , sollte man ganz Eislingen in Sicherheitsverwahrung nehmen ... !
Wie kann es angehen , daß diese zwei - in ihrer Psyche - eingeschränkten Täter , nicht nur Mitglied im örtlichen Schützenverein sind , sondern auch noch 17 (?) Waffen entwenden können ???
Wie waren die Waffen verwahrt und gesichert ???
SKANDAL !