Biathlon-Verband ringt nach neuen Doping-Regeln

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Die deutschen Biathleten (Nr. 1 Simon Schempp, Nr. 2 Benedikt Doll) stecken seit den Deutschen Meisterschaften in der Schlussphase der Saisonvorbereitung.  Foto: 

Noch sind die Biathleten auf Rollen unterwegs, doch schon in den kommenden Wochen stehen die ersten Fahrten auf den Gletschern an. Ein untrügliches Zeichen, dass die Saisonvorbereitung in ihren Schluss-Spurt geht. Aber nicht nur wegen Olympia im Februar in Pyeongchang ist diesmal einiges anders. Auch ist zwei Monate vor dem Startschuss am 26. November in Östersund noch nicht geklärt, wie der Biathlonsport künftig gegen Dopingsünder vorgehen will.

Seit den Enthüllungen im McLaren-Report Anfang des Jahres, bei dem unter anderem von 31 dopenden russischen Langläufern und Biathleten die Rede ist, steht die Forderung für strengere Regeln im Umgang mit Dopingsündern im Raum. Auf Druck der Sportler hatte der Biathlon-Weltverband IBU eine Arbeitsgruppe gegründet, die bis Ende Mai Vorschläge für härtere Anti-Doping-Sanktionen erarbeiten sollte. Doch jetzt, im September 2017, will sich der Verband weder über die neuen Spielregeln noch über den Zeitpunkt ihrer Einführung äußern.

Vorsichtige Prognose

Auf Nachfrage teilte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch lediglich mit: „Die Regeländerungsvorschläge der Arbeitsgruppe sind im Rahmen des internen Konsultationsprozesses mit dem Rechtsausschuss im Umlauf und werden dem IBU-Vorstand in der Novembersitzung vorgelegt werden können.“ Vorsichtiger geht es kaum. Und es zeigt, wie schwer sich der Verband damit tun, verbindliche und für jeden nachvollziehbare Regeln im Anti-Doping-Kampf aufzustellen. Denn der McLaren-Report deckte zwar eindeutige Hinweise auf staatlich organisiertes, flächendeckendes Doping in Russland auf. Allerdings konnte bislang kaum ein konkreter Dopingverstoß nachgewiesen werden. Auch gab es im Rahmen der Biathlon-WM in Hochfilzen eine Razzia im kasachischen Team. Trotz des Fundes dopingverdächtiger Substanzen und Instrumente sind hier bis heute ebenfalls keine rechtlichen Konsequenzen öffentlich geworden.

Wie zäh sich das Ringen um neue Anti-Doping-Regeln gestaltet, untermauern auch die Aussagen von Franz Steinle, Präsident des Deutschen Ski-Verbandes, hoch angesehener Jurist und Mitglied im Rechts-Komitee der IBU: „In den vergangenen Monaten fand innerhalb der IBU ein langer Diskussionsprozess statt, welche zusätzlichen und neuen Anti-Doping-Maßnahmen letztendlich geeignet und umsetzbar sind. Das Rechts-Komitee wird sich nun Anfang Oktober noch einmal zusammensetzen, um einen beschlussfähigen Vorschlag zu formulieren“, sagt Steinle, der jedoch trotz der kurzen Zeitspanne bis zum ersten Weltcuprennen davon ausgeht, „dass einige Maßnahmen bereits zu den ersten Weltcup-Veranstaltungen greifen werden“.

Skeptische Athleten

Die Sportler selbst glauben dagegen immer weniger an eine ehrliche Aufarbeitung des russischen Dopingskandals „Ich befürchte, dass das Thema ausgesessen wird“, sagt der mehrmalige Weltmeister Arnd Peiffer. „Ich glaube, dass die IBU dem Thema nicht mit aller Konsequenz nachgeht“, meint sein Teamkollege Erik Lesser mit Blick auf den neuen Wettkampfkalender: Nachdem Russland aufgrund des Dopingskandals der Weltcup 2017 in Tjumen entzogen wurde, darf die Föderation in der neuen Saison die Sommer-WM, zwei IBU-Cups sowie das Weltcup-Finale in Tjumen ausrichten. Und so befürchtet Lesser zurecht: „Solange der Rubel rollt, gibt es offenbar keinen Grund etwas zu ändern.“

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada will die seit Monaten geplante unabhängige Prüfstelle für Doping-­Testverfahren angeblich morgen offiziell ins Leben rufen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die Prüfstelle soll autark vom IOC sowie von Verbänden und Staaten für die Kontrollen verantwortlich sein. Ziel ist es, mit den internationalen Verbänden der verschiedenen Sportarten einen verbindlichen Testverteilungsplan zu entwickeln. Allerdings hat die Wada bereits eingeräumt, dass eine Teilnahme an diesem Programm den Verbänden überlassen bleibe. sid

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