Der Weg zurück ins Leben

Mit 22 Jahren erlitt Daniel Berger vom Team Ehingen Urspring einen Herzstillstand beim Training. Seitdem hat sich sein Leben grundlegend verändert, auch die Einstellung zum Basketball.

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Trotz seines Herzstillstands vor drei Jahren hat der US-Amerikanische Neuzugang der Steeples, Daniel Berger, das Lachen nicht verlernt. Seitdem trägt er einen Herzschrittmacher.  Foto: 

An den Tag, der sein Leben schlagartig veränderte, kann sich Daniel Berger kaum erinnern. Es war der 4. Dezember 2012 – ein Dienstag. Bei seinem täglichen Training am Utah State College in den USA kippte der Basketballer plötzlich um und blieb regungslos liegen. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Ganz plötzlich, von einer Sekunde auf die andere. Geistesgegenwärtig schnappte sich sein damaliger Trainer Mike Williams einen Defibrillator und reanimierte den damals 22-Jährigen direkt in der Basketballhalle. Wie lange sein Herz nicht mehr schlug, weiß Berger nicht. Auch nicht, wie er ins Krankenhaus gekommen war. „Ich bin einfach im Krankenhaus aufgewacht, an alles andere kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt er.

Drei Tage sind seitdem aus dem Gedächtnis des jungen Sportlers gelöscht. Unwiderruflich. „Ich habe schon oft versucht, mich an irgendwas zu erinnern. Aber es klappt nicht.“ Dass er ohne die schnelle Hilfe seines damaligen Trainers vermutlich nicht überlebt hätte, weiß Berger. „Ich habe ihm sehr viel zu verdanken.“ Eine tiefe Freundschaft sei entstanden. „Wir haben viel Kontakt“, sagt der Basketballer, der nachdenklich wird, wenn er an den 4. Dezember denkt. Er habe gemerkt, sagt der 25-Jährige, „wie zerbrechlich das Leben sein kann“. „Von einem auf den anderen Tag kann es vorbei sein. Das macht einem schon Angst.“ Das Erlebnis hat den Forward, der in Medford im Bundesstaat Oregon aufgewachsen ist, verändert. „Ich sehe es, als hätte ich eine zweite Chance bekommen.“ Dies gebe ihm „die Motivation“ jeden Tag positiv zu sehen und keinen Tag mehr zu vergeuden. „Es bringt einen dazu, über vieles nachzudenken und sich auch zu verändern. Es erinnert einen, die Sachen richtig zu machen, jeden mit Respekt zu behandeln und die Bindung mit den Menschen, die man liebt, stärker werden zu lassen.“

Neben der schnellen Hilfe seines damaligen Trainers und den Ärzten im Krankenhaus, sieht Berger auch Gott als einen Grund an, warum er überlebt hat. „Ich glaube, Gott hatte damals seine Hände mit im Spiel“, sagt er. „Dass ich nun wieder so bin wie davor, ist ein Wunder.“

Ganz so wie zuvor ist es jedoch nicht. Seit dem Herzstillstand trägt Berger einen implantierten Herzschrittmacher. Eine Narbe an seiner linken Brust erinnert ihn täglich an seine Krankheit. An das Gefühl, den metallischen Gegenstand unter der Haut zu tragen, hat er sich schnell gewöhnt. „Es ist wie bei einer Uhr, am Anfang ist es ungewohnt aber sonst merkt man es nicht“, sagt er lächelnd.

Das kleine runde Gerät sorgt auch dafür, dass Daniel Berger wieder Basketball spielen kann. Nur vier Monate nach dem tragischen Zwischenfall stand er wieder auf dem Feld. „Als ich das erste Mal trainiert habe und mein Herzschlag sich erhöht hatte, hatte ich unbeschreibliche Angst“, sagt er. Doch mittlerweile habe er sich daran gewöhnt. „Nur ab und zu denke ich noch daran, dass etwas passieren könnte.“

Durch den Herzstillstand hat Berger aber auch gelernt, auf was es im Leben ankommt. „Im Basketball gibt es den Spruch 'Basketball ist das Leben', für mich ist es aber nur ein Sport. Ein Sport, den ich liebe und mit dem ich mich identifizieren kann, aber nicht mehr.“ Die Familie sei in seinen Augen das Wichtigste und sein bescheidenes Ziel ist es, irgendwann einmal eine eigene zu gründen. „Dann wäre ich glücklich.“

Obwohl er nun zum ersten Mal „elf Stunden mit dem Flugzeug“ von seiner Familie entfernt ist, hat er in Ehingen schnell in seinen Teamkollegen eine Ersatzfamilie gefunden. Auch in Deutschland fühlt er sich wohl. „Die Menschen und die Landschaft sind toll“, sagt er. Vor allem, dass viele Englisch sprechen, würde vieles erleichtern. Eine Sache hat es ihm besonders angetan: „Ich finde die vielen Burgen sehr toll.“ Daher will er, wenn es die Zeit zulässt, möglichst viel von seiner neuen Heimat erkunden. Auch Deutsch hat er angefangen zu lernen, aber „das ist echt schwer“, sagt er lächelnd. Daniel Berger lacht viel. „Das Leben ist zu kurz, um schlecht drauf zu sein“, sagt er – und lacht.

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