„Wir Spieler kommen gerne in diese Stadt“

Im Interview spricht Dominik Klein über seine Zeit in Frankreich, die Vorfreude auf den kommenden Sparkassen-Cup und eine mögliche neue Position.

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Dominik Klein, Handballer des HBC Nantes, freut sich auf den Sparkassen-Cup am Wochenende.  Foto: 

Zum achten Mal kommt Handballprofi Dominik Klein zum Turnier nach Ehingen. Der Spieler vom HBC Nantes, der zuvor in Deutschland mit dem THW Kiel einige Meisterschaften gewann, freut sich auch diesmal auf den Sparkassen-Cup.

Sie sind nun seit mehr als zehn Jahren Profihandballer. Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Profileben in dieser Zeit verändert?

Dominik Klein So viel hat sich zum Glück nicht wirklich verändert. Weder in der Zeit in Deutschland noch jetzt in Frankreich. Das Anspruchsdenken und Niveau der Vereine, bei denen ich gespielt habe und spiele, ist gleich geblieben.

Der Handball ist wie viele andere Sportarten im Schatten des Fußballs. Wie ärgerlich ist das aus Sicht eines Sportlers?

Das ist ein Thema, mit dem ich mich nicht beschäftige, denn das würde mir auch viel Energie rauben. Diese Energie setze ich lieber in den Sport und kann so durch meine Emotionen und Leidenschaft die Liebe zum Handball auch an die Zuschauer vermitteln. Daher sehe ich mich auch nicht nur als Handballspieler, sondern viel mehr als Botschafter meiner Sportart. Deshalb mache ich mir da nur wenige Gedanken darüber.

Ist es denn in Frankreich auch so, dass wie in Deutschland der Fußball über allem steht?

Die Nummer eins ist der Fußball auch dort. Aber in Frankreich gibt es auch andere populäre Sportarten wie beispielsweise Rugby, die in Deutschland wenig bekannt sind. Aber der Handball ist, dadurch das die Franzosen seit vielen Jahren dort dominierend sind, auch wirklich sehr groß. Jedoch muss man dazu differenzieren, dass in Frankreich ein ganz anderes Sportsystem dahinter steckt. Dort wird der Sport an sich gezielter vom Staat gefördert, insofern kann man das mit Deutschland nicht direkt vergleichen.

War es für Sie schon immer wichtig die Emotionen, wie schon angesprochen, auch nach außen zu transportieren und auf den Zuschauer zu übertragen?

Ja, das auf jeden Fall. Wir als Mannschaft sind für dieses Zusammenspiel zwischen Fans und Spieler verantwortlich. Denn wir brauchen die Zuschauer auch in Phasen des Spiels, in denen es nicht so gut läuft. Es weiß ja jeder Sportler, wie sehr es einem weiter hilft, wenn man auf die Unterstützung der Fans zählen kann. In dieser emotionalen Sportart wie Handball ist das ganz wichtig und das macht den Handball aus meiner Sicht so attraktiv.

Nach zehn Jahren beim THW Kiel sind Sie vor einem Jahr zum HBC Nantes gewechselt. Warum haben Sie sich damals für den Schritt nach Frankreich entschieden?

Da waren mehrere Komponenten, die zusammen gekommen sind. Kiel hatte mir nur einen Vertrag über ein Jahr angeboten. Ich sah mich in der Lage, länger als nur für diese Zeit zu spielen und meine Erfahrung anzubringen. Dann haben wir uns nach Vereinen umgeschaut, die es vereinbaren können, dass meine Frau (Nationalspielerin Isabell Klein) und ich – die wir beide auf dem selben Niveau Handball spielen – in der Nähe wohnen können.

Welche Ziele habt ihr euch beim HBC Nantes nach der starken vergangenen Saison für die nun kommende Spielzeit gesetzt?

In der letzten Saison haben wir mit dem HBC Nantes die beste Saisonleistung der Vereinsgeschichte erreicht mit dem zweiten Platz in der Liga, dem Pokalsieg und dem guten Abschneiden in der Champions League. Diese vergangene Saison wollen wir in der kommenden Spielzeit dann auch versuchen zu bestätigen.

 Seit einem Jahr leben Sie mit Ihrer Familie nun in Frankreich. Welches sind die größten Unterschiede im Vergleich zu Deutschland?

Das Au-Pair Mädchen, das bei uns lebt, nimmt uns dabei einiges an Arbeit ab. Die Betreuung unseres Sohnes ist nicht ganz so leicht, wie man sich vorstellen kann bei zwei Profisportlern. Aber die Bedingungen aus sportlicher Sicht sind in Nantes sehr gut, das muss man festhalten. Trotz allem ist der organisatorische Aufwand für uns als Familie jetzt noch größer als in Deutschland.

War es dann schwierig sich in einem fremden Land einzuleben, bedingt auch durch die vielen Reisen und Spiele von Ihnen?

Genau das, was man sich nach dem Umzug und der Nähe erhofft hatte, mehr Zeit für die Familie zu haben, dass war selten der Fall. Da durch die vielen Spiele meine Frau und ich sehr oft unterwegs gewesen sind, war es wirklich schwierig. Teilweise waren wir fünf bis sechs Tage am Stück unterwegs. Da war dann viel zu tun, aber man freut sich umso mehr, wenn das dann wirklich zusammen passt und das Verhältnis gut ist. Insgesamt war es aber wirklich eine große, neue Herausforderung für uns.

 Sie sind in diesem Jahr zum achten Mal in Ehingen beim Turnier mit dabei. Was macht den Reiz des Turniers aus Ihrer Sicht aus?

Das ist, denke ich, das schönste aus Sportler-Sicht, was man sich vorstellen kann. Der frühere Schlecker-Cup und heutige Sparkassen-Cup ist für jeden Spieler ein tolles Turnier. Es ist toll, dass man es geschafft hat dieses ­Turnier am Leben zu halten. Denn wir Spieler kommen unglaublich gerne in diese Stadt und Region. Mit Kiel habe ich es nie geschafft, dafür jetzt mit Nantes ist es umso schöner zum ­Trainingslager eine gesamte Woche in Ehingen zu verbringen. Für die Unterstützung der Mitarbeiter in unserem Hotel und für die Organisation des Turniers kann man nur ein großes Lob aussprechen. Das ist ein familiäres Miteinander und einfach hervorragend. Es macht einfach Spaß hier zu sein.

Über die Jahre hinweg haben Sie sich mit den Turnierverantwortlichen ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. War das wichtig so etwas aufzubauen und diese Bindung zu behalten?

Es ist aus meiner Sicht immer von jeder Person abhängig, ob man sich so ein Verhältnis aufbaut. Aber hier in Ehingen ist es wirklich ein harmonisches Verhältnis. Von Seite der Organisatoren und auch den Spielern herrscht immer eine große Vorfreude auf das Turnier. Deshalb wünsche ich mir auch, dass ich noch öfter hierher kommen kann, um hier dabei zu sein. Das muss gar nicht unbedingt als Spieler sein, denn ich kann mir möglicherweise auch eine Rolle als Turnierbotschafter vorstellen.

Turnierdirektor Andreas Wax hat Sie zuletzt als heimlichen Manager des HBC Nantes bezeichnet, weil Sie auch mitgeholfen haben, das Trainingslager zu organisieren. Wäre so eine Manager Position etwas für Sie nach der Karriere als Spieler?

So eine Botschafterrolle würde mir schon ziemlich gefallen (lacht). Mir macht es Spaß etwas zu organisieren und für eine Mannschaft da zu sein. Das hat mir schon immer gelegen und ich finde, dass es in jeder Mannschaft solche Typen braucht, damit es funktioniert. Deshalb kann ich mir das für die Zeit nach der Karriere schon vorstellen. Eine Art eigene Philosophie vorzuleben, an der sich die Menschen im Umfeld orientieren können. Darum geht es mir im Großen und Ganzen, gar nicht so sehr um das Organisieren an sich. Das habe ich so bisher in meiner Karriere erlebt und würde das auch gerne so weiter geben.

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