Hinrunde der TSG Ehingen in der Landesliga in der Rückbetrachtung

Gut angefangen, stark nachgelassen und dann wieder gefangen: Die Hinrunde der TSG Ehingen in der Landesliga war eine Achterbahnfahrt und beinhaltete sogar einen Trainerwechsel. Ein Hinrunden-Fazit.

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Emotionaler Typ: Dem Sportlichen Leiter der TSG Ehingen, Karlheinz Hofmann, zufolge kommt der neue Trainer Markus Wolfmiller gut bei den Spielern an.  Foto: 

Übergangsjahr, das ist eines dieser Worte, die derzeit im Fußball in Mode sind. Grob formuliert bedeutet es die Umstrukturierung des Kaders, meist eine Verjüngung. Prominentes Beispiel aus der Bundesliga dürfte der Hamburger SV sein, der sich nach letztjähriger Katastrophen-Saison und eines sich über mehrere Jahre vollziehenden Siechtums in dieser Saison versucht neu aufzustellen - teils mit teuren Neueinkäufen, vermehrt aber auch mit Spielern aus der eigenen Jugend.

Auch die TSG Ehingen befindet sich dem Sportlichen Leiter Karlheinz Hofmann zufolge in einem Übergangsjahr. Natürlich haben die Ehinger in den zurückliegenden Jahren keine derartige Katastrophen-Saison gespielt wie der HSV - und schon gar nicht die vergangene, als man sich nach schwachem Start nach oben durcharbeitete und an der Relegation vorbeischrammte. Klar ist auch, dass der Bundesligist vom Geld des Milliardärs Michael Kühne profitiert, der Landesligist - selbst gemessen an der Spielklasse - keine großen finanziellen Anstrengungen unternehmen kann und will, um Spieler zu holen.

Parallelen aber gibt es sehr wohl, etwa in der noch konsequenter verfolgten Integration von jungen talentierten Spielern aus den eigenen Reihen oder dem näheren Umfeld. Dass in diesem Umbauprozess nicht alles rund läuft, ist klar, auch wenn das Tal, in das die TSG nach gutem Start kam, schon ein tiefes war. Zwischen dem fünften und dem 15. Spieltag holten die Ehinger lediglich einen Sieg: Das 4:0 gegen das bis heute sieglose Schlusslicht Rangendingen - und selbst das kam erst im Verlaufe des zweiten Durchgangs in dieser Höhe zu Stand.

Die Partie markierte - obwohl ein Sieg und obwohl es mit dem 1:6 zuhause gegen Kehlen ein paar Wochen später einen krassen Abschuss gab - den Tiefpunkt der Hinrunde: in spielerischer Hinsicht, aber auch in Bezug auf Einsatzwillen und Engagement. "Da hat die Freude am Fußball gefehlt", konstatiert Hofmann. Das Verhältnis zwischen Trainer Bernd Pfisterer und dem Team war anscheinend derart zerrüttet, dass sich die Wege von Coach und Verein trennten, ja, trennen mussten. Auch hier gibt es eine Parallele zwischen dem Bundesliga-Urgestein und der TSG: Beide haben in dieser Saison bereits einen Trainerwechsel vollzogen. Auch in Hamburg galt das Binnenverhältnis zwischen Spielern und Trainer Mirko Slomka als nachhaltig gestört und wurde letztlich als Ursache für den Bruch herangezogen - dort allerdings früher in der Saison.

Obwohl der neue Coach Markus Wolfmiller mit vier Niederlagen und einem erschreckenden Torverhältnis von 3:13 startete, kam nach der turbulenten Zeit keine weitere Unruhe auf. Spieler und Trainer konnten sich kennenlernen - mit Erfolg, wie Hofmann sagt. Und in der Tat: Betrachtet man die Spiele gegen Kisslegg und Weingarten - das erste Spiel der Rückrunde bereits -, ist eine Verbesserung zu erkennen. "Die Chemie zwischen den Spielern und dem neuen Trainer passt", freut sich Hofmann über die Entscheidung, einen jüngeren Coach gewählt zu haben - auch dies im Übrigen eine Analogie zu Joe Zinnbauer in der Hansestadt.

Dass diese Verbesserungen sich erst allmählich zeigten, findet Hofmann nachvollziehbar. "Die Unzufriedenheit war einfach doch sehr groß, das hat man schon gesehen." An diesem Punkt kann man auch sehen - und sieht es in der Bundesliga in Bezug auf die Hamburger immer wieder - wie fragil die Psyche einer Mannschaft bisweilen sein kann, wie sehr man sich Spaß und Selbstvertrauen letztlich doch auch erarbeiten muss. Die Stimmung nun sei merklich besser, der Trainer komme bei den Spielern an, sagt Hofmann.

Und so blickt er positiv gestimmt auf die Rückrunde. "Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen", sagt er. Das Potenzial dazu, sich besser - eigentlich sogar deutlich besser - zu platzieren als auf dem derzeitigen Rang zehn und nur fünf Siegen auf dem Konto, hat die Mannschaft. Das hat man zu Saisonbeginn gesehen, als die TSG den VfB Friedrichshafen schlug und selbst bei der Niederlage in Oberzell überzeugte, aber auch zuletzt wieder beim 1:1 gegen Kisslegg oder beim 1:0-Erfolg über Weingarten.

Die Mannschaft wirkt wieder stabiler, in sich gefestigter. Gleiches gilt, auch wenn es für den HSV mit der verdienten 0:1-Niederlage gegen Stuttgart einen Rückschlag gab, insgesamt auch für die Hamburger. Ein Übergangsjahr bringt eben auch seine Unwägbarkten mit sich. Wächst man an diesen, geht man gestärkt daraus hevor. Die TSG ist auf dem Weg.

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