Fußball: Armin Benz vom SSV Ehingen-Süd macht Praktikum beim SC Freiburg

Armin Benz vom SSV Ehingen-Süd macht gerade sein Pflichtpraktikum im Rahmen seines Studiums und sagt: "Besser hätte es mir gar nicht passieren können": Der 25-Jährige ist derzeit beim SC Freiburg.

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Foto mit Torwart und Füchsle: Armin Benz (links) posiert mit Roman Bürki und dem Freiburger Maskottchen.  Foto: 

Gut Ding will eben manchmal Weile haben, besagt der Volksmund. Auf Armin Benz, Spieler des SSV Ehingen-Süd aus Schaiblishausen, trifft der Satz auf jeden Fall zu. Der 25-Jährige, der Sport und angewandte Trainingswissenschaft in Unna (bei Dortmund) studiert, hatte lange Zeit nicht gewusst, wo er sein im fünften Semester seines Bachelor-Studiums obligatorisches Praktikum machen sollte. Mitte September stolperte er über eine Anzeige, die diese Frage schnell klären sollte: ein Praktikum beim Fußball-Bundesligisten SC Freiburg. Benz bewarb sich - und bekam den Zuschlag.

"Das ging alles ganz schön schnell", sagt er. Mitte September erst hatte er die Anzeige für das Praktikum gesehen, das für Oktober ausgeschrieben war. Am 2. Oktober war er für ein Vorstellungsgespräch im Breisgau und hatte ein paar Tage später das Praktikum, von dem er nach zweieinhalb Monaten sagt: "Besser hätte es mir gar nicht passieren können!"

Benz ist in der Freiburger Fußballschule, dem Nachwuchsleistungszentrum des SC, eingesetzt - vornehmlich im Füchsleclub (angelehnt an den Namen des Maskottchens des Sportclubs), der sich an Kinder bis 13 Jahren richtet, und im Jugendclub, der für Jugendliche von 13 bis 18 Jahren gedacht ist.

Den Leitern beider Clubs arbeitet er verschiedentlich zu: Er kümmert sich etwa mit um die Erstellung von Flyern, holt diese ab, macht Botendieste, holt Angebote für Hallen ein, in denen Fußballturniere stattfinden sollen, betreut das Maskottchen Füchsle während Spieltagen oder auf Terminen, ist aber selber auch bei dreitägigen Fußballcamps in den Schulferien, bei Sichtungen oder in Kooperationsschulen des Vereins bei Veranstaltungen direkt mit vor Ort. Zudem stehen Ausflüge mit den beiden Clubs auf dem Programm, kurzum: Benz' Aufgaben sind vielfältig, er ist immer voll ausgelastet.

"Ich bin etwa die Hälfte der Zeit draußen unterwegs, das ist super", freut er sich. Besonders eingebrannt haben sich ihm bisher zwei Auswärtsfahrten: eine mit dem Füchsleclub zum Bundesliga-Spiel in Mainz. "Die Kinder haben die ganze Zeit ihre Schals hochgehalten und gesungen. Das hat unglaublich Spaß gemacht." Die andere Fahrt ging zur Partie beim FC Augsburg mit dem Jugendclub. Dort besuchte die Gruppe aber nicht nur das Spiel, sondern zuvor auch die KZ-Gedenkstätte Dachau.

An diesem Punkt spätestens merkt man, dass der SC sicher kein Fußballverein wie jeder andere in der Bundesliga ist. Die Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit Deutschlands im Rahmen einer Auswärtsfahrt gehört sicherlich nicht bei vielen vergleichbaren Reisen anderer Bundesligavereine zum Programm - beim SC schon, der sich auch einer sozialen und ökologischen Verantwortung stellen will.

So ist der Verein in Schulen vor Ort oder bringt Reihen wie "Fußball&Lesen" hervor, die Kinder für diese Kulturtechnik begeistern soll. Andere Themen werden in Veranstaltungen zu Sport und Ernährung oder Sport und Prävention aufgegriffen, die mit Kooperationpartnern zusammen durchgeführt werden. Und dann eben - siehe die Auswärtsfahrt nach Augsburg - die klare Positionierung gegen Rassismus, die vielen anderen Fußballvereinen leider abgeht. Natürlich ist das auch Teil der Image-Pflege des Vereins, der so recht nicht in die vollkommen durchökonomisierte Bundesliga-Welt passen will: Die Underdogs aus dem Breisgau, die nicht über grandiose finanzielle Mittel verfügen, aber viele Ideen haben.

Genau dieses kreative Umfeld macht es für Praktikanten wie Benz aber vermutlich auch leicht, sich in dem Klub zu bewegen: Er darf eigentlich überall dabei sein. Mittendrin statt nur dabei sozusagen. Egal ob Sportdirektor, Zeugwart oder Jugendtrainer - Benz sagt, ihm werde stets das Gefühl vermittelt, ein Mitarbeiter zu sein und kein Praktikant.

Der Umgang miteinander imponiert ihm. Mittags sitzt Benz häufig mit Trainern zum Essen in der Gaststätte der Fußballschule beisammen. Und manchmal kommt dann sogar Sportdirektor Jochen Saier und gesellt sich zu ihnen, erkundigt sich, es gibt keine Allüren. Saier arbeitet eigentlich am Stadion. Das ist zwar nur drei Kilometer entfernt. Benz beeindruckt das dennoch, weil es viel über die gelebte Kultur bei den Freiburgern verrate.

Seiner Einschätzung nach ist der Verein ein guter Spiegel der Stadt. So wie in der Stadt Radfahrer gefühlt mehr Rechte als Autofahrer besitzen, sagt Benz, gehe in Freiburg "die Schule immer vor". Bedeutet: Kinder nicht zu früh aus ihrem Umfeld herausholen und auf eine Profikarriere trimmen, wie es bei anderen Vereinen geschieht. Nicht nur aufgrund dieses Verständnisses, sondern auch weil der SC Freiburg in Deutschland - auch aus der schlichten Notwendigkeit der Spielergewinnung für den Profifußball heraus - früh in die Nachwuchsarbeit investierte, gehört der Verein heute zu den Aushängeschildern der Fußballförderung.

Hört man Armin Benz von seinen Erfahrungen erzählen, merkt man schnell, wie gut es ihm gefällt. So viele Einblicke zu bekommen, sei sensationell. Die Arbeit mit Kindern macht ihm Spaß, er könnte sich das auch nach dem Studium vorstellen. Für den Rest seines Praktikums möchte er noch so viele Eindrücke wie möglich sammeln, unter anderem den Physiotherapeuten und Athletiktrainern über die Schulter, aber auch bei den Profis vorbeischauen. Ein Problem dürfte das nicht werden. Er ist beim SC Freiburg ja mittendrin, statt nur dabei.

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