Die Unverwüstlichen: Allmendingens A-Junioren

0:18, 0:23, 0:41 - das sind Ergebnisse der A-Junioren des TSV Allmendingen. Kein Problem für die Mannschaft, die mit Feuereifer dabei ist - und deren Stamm an Spielern stetig gewachsen ist.

|

Mitte der zweiten Halbzeit ist die A-Jugend des TSV Allmendingen ihrem bisher größten Erfolg in ihrer noch jungen Geschichte ganz nah: einem Tor. Im letzten Moment aber spitzelt der Torwart der SGM Rottenacker/Ehingen-Süd dem Allmendinger Angreifer den Ball vom Fuß. So werden am Ende auch diese 90 Minuten ohne einen Treffer des TSV verlaufen: 14:0 gewinnen die Gastgeber an diesem kalten Donnerstagabend in Rottenacker.

Das 0:14 gegen Rottenacker/Ehingen-Süd ist - lässt man einmal die beiden 0:3-Niederlagen außen vor, die der TSV kassierte, weil er zu wenig Spieler hatte stellen können - nach dem 0:7 gegen die SGM Ringingen/Pappelau-Beiningen die zweitniedrigste Niederlage der erst vor drei Monaten gegründeten Mannschaft. 0:18, 0:23, 0:41. So lauten die anderen Ergebnisse. Insgesamt hat die Mannschaft ein Torverhältnis von 0:109 - aus sieben Begegnungen. Insbesondere das 0:41 gegen die SGM Ersingen/Donaurieden/Oberdischingen hatte für Aufsehen gesorgt - und das über die Grenzen der Qualistaffel I der A-Junioren-Kreisstaffel hinaus. Das Ergebnis wurde mancherorts derart aufgenommen, dass sich etwa Siegfried Hummel zum Verfassen einer Mail veranlasst sah, in der er Vertreter der anderen Vereine der Qualistaffel darum bat, die Allmendinger doch ein wenig zu schonen.

Genau das aber wollen die nicht. Sie wollen sich dem Wettbewerb stellen, sagt Bernd Kneer, der das Team gemeinsam mit Martin Schach, der im vergangenen Jahr noch beim SSV Ehingen-Süd war, betreut. Erst im Sommer hat sich die Mannschaft gegründet, ging aktiv auf den TSV Allmendingen zu. Der Vorstand befand, wie kürzlich im Gemeindeblatt zu lesen war, "dass am Fußballsport interessierte Jugendliche einen Platz beim TSV haben".

Mitinitiiert hat das Ganze Clemens Schweiger, der mittlerweile auch Kapitän des Teams ist. "Es ist eine Mannschaft von Freunden", erklärt er. "Wir alle hatten Lust, Fußball zu spielen." Im heutigen Fußball medien-ökonomischer Prägung mit seinen teilweise überbordenden Wettkampfgedanken eine beinahe schon vergessene Rückbesinnung auf die ursprüngliche Idee des Sports. Zuvor haben einige bereits bei anderen Vereinen gespielt, Schweiger etwa bei Niederhofen, manche aber noch nie, wieder andere schnüren die Schuhe nach geraumer Zeit wieder. So wie Julian Will, der "früher mal gespielt" hat, wie er sagt. Als die Idee aufkam, in Allmendingen eine Mannschaft aufzubauen, war er sofort dabei.

Gegen die SGM Rottenacker/Ehingen-Süd spielt Will meist vorne und es ist schnell klar, dass dieses "früher" wohl in der Tat schon einige Zeit her ist. Will läuft viel, das aber mitunter etwas unkoordiniert. Damit ist er in der Mannschaft von Bernd Kneer keineswegs ein Einzelfall. Und so schwanken die Eindrücke des Allmendinger Spiels immer wieder zwischen lichten Momenten, in denen kontrolliert und flüssig kombiniert wird, und jenen Situationen, in denen sich ihr Spiel an der Grenze zum Slapstick bewegt, wenn Mitspieler sich im eigenen Strafraum gegenseitig anschießen und der Gegner im Anschluss per Fallrückzieher trifft - so geschehen beim 0:2 gegen die SGM.

Zwar wird an der einen oder anderen Stelle schon mal gegen den Mitspieler gemeckert, wenn etwas nicht gelingt und es kam - auch das sei erwähnt - zu einer unschönen Beleidigung der Schiedsrichterin mit berechtigtem Platzverweis. Generell aber ist der Umgang des Teams untereinander, mit dem Gegner und den Unparteiischen positiv, vielfach wird gelacht - nicht über-, sondern miteinander. Die Mannschaft wirkt, auch als der Rückstand gegen Rottenacker/Ehingen-Süd Mitte der zweiten Halbzeit erstmals zweistellig wird, bemerkenswert unverwüstlich.

Das spricht für die Arbeit von Kneer und Schach, aber auch für das Selbstverständnis, den Esprit des Teams - angesichts der teilweise deftigen Niederlagen keine Selbstverständlichkeit. Fragt man Kapitän Schweiger nach der Stimmung nach der 0:41-Niederlage, so sei die Klatsche schnell abgehakt gewesen. "Wir haben keine großen Erwartungen gehabt. Dann muss man auch mit solchen Niederlagen rechnen." Frei nach dem Motto: Mund abwischen, weitermachen.

Als die Mannschaft im Sommer anfing, kam gerade mal eine Handvoll Spieler, vielleicht ein oder zwei mehr. Heute, drei Monate später, kann das Trainergespann bei den zwei Einheiten der Woche auf zwölf oder mehr Spieler zählen, wie Kneer sagt. Trotz des sehr heterogenen Leistungsniveaus versucht der Coach "normal zu trainieren", auch wenn er sich "manchmal wie ein F-Jugend-Trainer" fühle. Die Mannschaft mache erkennbare Fortschritte, lobt er - und das von Woche zu Woche.

Mittlerweile ist der ursprüngliche Kern der Mannschaft bereits um eine weitere Freundesebene erweitert. "Manche haben wiederum Freunde mitgebracht", sagt Schweiger. Das belegt, dass die Mannschaft eine gewisse Anziehungskraft entwickelt hat und sich im Gegensatz zu manch anderem Verein auf einen soliden Stamm an Spielern stützen kann. Zumal die Allmendinger A-Junioren auch kommende Saison fortbestehen werden. Lediglich drei Spieler des Jahrgangs 1996 sind dann nicht mehr spielberechtigt.

Am kommenden Samstag geht es um 14.30 Uhr nun zuhause gegen den Zweiten, die SGM Munderkingen/Dettingen. Vielleicht klappt es ja dann mit dem ersten eigenen Treffer - und den wollen die Allmendinger aufgrund eigener Stärke erzielen, nicht, weil Gegner es zulassen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Einheit für Frieden und Währung

EU-Kommissar Günther Oettinger beleuchtet beim gut besuchten CDU-Dämmerschoppen in Ehingen die aktuelle Europapolitik und Weltlage. weiter lesen