"Urspring ist etwas Besonderes"

Felix Czerny war mit 14 Jahren einer der ersten Basketballspieler in Urspring. Von da an ging seine Karriere steil nach oben, doch mit 22 Jahren stoppte ihn eine Verletzung. Seit dem steht er an der Seitenlinie.

FLORIAN ANKNER |

Herr Czerny, Sie waren jetzt mit der U19 aus Urspring zwei Wochen in den USA. Welche Eindrücke konnten Sie dabei sammeln?

FELIX CZERNY: Wir hatten eine wirkliche super Truppe beisammen. Angefangen bei den beiden Physiotherapeuten und unserem "Dynamische Duo" Nico Drmota und Domenik Reinboth, die die Reise super vorbereitet hatten. Zudem sind sie einfach super Typen, die Basketball leben und mit denen es immer eine Freude ist, zusammenzuarbeiten. Unsere Spieler haben sich sehr gut verstanden und alles war äußerst harmonisch. Alle haben super mitgezogen und sich auf etwas Neues eingelassen, das hat riesigen Spaß gemacht. Jeder von uns wäre beim Arby´s Classic gerne weiter als bis ins Viertelfinale gekommen, die Wayne High School war aber einfach eine Nummer zu groß für uns. Und nicht nur für uns, sondern für jede andere Mannschaft im Turnier auch. Wir sind gegen den späteren Turniersieger ausgeschieden und das ist keine Schande. Das Einzige was mich wirklich stört ist, dass wir im Laufe der zwei Wochen zu wenige Fortschritte erzielen konnten und wir nicht immer das Beste aus uns rausgeholt haben.

Unter anderem wurde das Arby´s Classic in Bristol gespielt. Kamen dabei besondere Gefühle auf, weil Sie selbst als Spieler bei dem Turnier schon aktiv waren? Und das ja auch sehr erfolgreich, immerhin wurden Sie ins Team des Turniers gewählt.

CZERNY: Es sind besondere Gefühle aufgekommen, aber nicht weil ich hier schon häufiger war. Mein letztes Mal war 2010, das ist jetzt schon fünf Jahre her und in der Zwischenzeit sind so viele Dinge passiert. Die Atmosphäre in der Halle ist sehr speziell, der Geruch von salzigem Popcorn, diese tolle Basketballarena und die Leute dort machen es zu etwas ganz Besonderem.

Mit 14 Jahren kamen Sie als einer der acht ersten Spieler nach Urspring und sind sozusagen ein Gründungsmitglied. Wie sehen Sie die Zeit in der Klosterschule?

CZERNY: Für mich persönlich sind es mehrere, ganz dicke Kapitel in meiner bisherigen Lebensgeschichte. Ich habe mich als Spieler dort bis zum A2-Nationalspieler entwickelt, habe mir ein Stipendium in den USA ergattern können und schließlich auch einen Profi-Vertrag in der ersten Liga bekommen. Nach meinem verletzungsbedingten Karriereende hat Ralph Junge mir sofort das Vertrauen und die Chance gegeben, die NBBL-Mannschaft als Headcoach zu betreuen. Ich durfte mit unglaublich talentierten Spielern und großartigen, jungen Menschen zusammenarbeiten und ihnen helfen. Das hat mir unglaublich viel Freude bereitet. Noch heute sind der Großteil meiner engen Freunde, Menschen, die ich in Urspring oder durch Urspring kennengelernt habe. Die Zeit in Urspring hat mich menschlich entscheidend geprägt und deswegen ist Urspring etwas ganz besonderes für mich.

Ehemalige Urspringer wie Lucca Staiger oder Akeem Vargas sprechen davon, dass man in Urspring gewesen sein muss, um zu verstehen, wie einzigartig es dort ist. Was macht Urspring so besonders?

CZERNY: Zwei Kilometer außerhalb einer schwäbischen Kleinstadt stehen einige, wenige, über 700 Jahre alte Klostergebäude. An diesem Ort leben junge Menschen zusammen. Sie verbringen jeden Tag miteinander auf engstem Raum und so lernt man sich unglaublich gut kennen. Jede Schwäche, jede Stärke. Es gibt eigentlich keine Geheimnisse in dieser kleinen Gemeinschaft. Das gilt für jeden Urspringer. Und für die Basketballspieler ist es noch mal intensiver. Der "normale" Urspringer fährt alle zwei Wochen nach Hause, du bleibst dort und spielst zwei Spiele an jedem Wochenende. An Weihnachten fliegst du in die USA und spielst ein Turnier. An Ostern nach Italien oder Frankreich und spielst noch ein Turnier. Play-Offs. Meisterschaften. Du durchlebst sportliche Talfahrten und Höhepunkte. Trainierst zweimal täglich. Stählst deinen Körper, verbesserst deine Fähigkeiten. Mal gelingt es besser, mal schlechter. Du hast deine erste Freundin. Die erste schwere Verletzung. Du lernst zu kochen und zu waschen. Gehst gemeinsam in die Schule. Ins Kino. Mal nach Ulm. Du lebst weg von zu Hause. All das im so prägenden Alter, zwischen 14 und 19. Führt man sich das vor Augen, kann man glaube ich ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie speziell und wie besonders Urspring für die Urspringer ist.

Ihre Jugendkarriere war steil, führte sie bis in die Bundesliga und die A2-Nationalmannschaft, doch ihr Rücken hielt der Belastung nicht mehr stand. Wie war es für Sie, mit 22 Jahren ihre Karriere beenden zu müssen?

CZERNY: Es ist mir unglaublich schwergefallen das zu akzeptieren. Und das war auch nicht nach ein paar Monaten weg, das zog sich einige Jahre hin. Ich habe gelernt damit umzugehen und es war seither immer auch eine Motivation von mir, den jungen Spielern mit auf den Weg zu geben, dass sie sich bestmöglich um ihren Körper kümmern müssen.

War es für Sie ein logischer Schritt neben dem Studium eine Ausbildung zum Trainer zu machen?

CZERNY: Ich habe schon als Spieler immer Verantwortung übernommen und habe immer Vollgas gegeben. Nach meinem Abitur 2003 habe ich mir, kurz bevor ich in die USA an ein College wollte, einen schwierigen Handbruch zugezogen. Ich musste neun Monate pausieren und habe dann die Herren Oberliga Mannschaft von Urspring die Saison über trainiert. Habe das U20 Team (um Lucca Staiger, Nico Simon und Marco Buljevic) mitbetreut. Ich würde es als fließenden Übergang bezeichnen. Als klar war, dass ich nicht mehr würde spielen können, fing ich in Tübingen an zu studieren und begann in Urspring das NBBL Team zu coachen.

Sie haben anschließend lange Zeit in Urspring die U19 trainiert und mit ihr auch viele Erfolge gefeiert, wie die deutsche Meisterschaft. War es für Sie ein Anliegen, mit der Jugend zu arbeiten und das weiterzugeben, was sie selbst erlebt haben?

CZERNY: Unbedingt. Ich war mir sicher, dass ich etwas bewegen kann. Dass ich Dinge vermitteln kann. Für die Chance das machen zu dürfen, bin ich Ralph und Urspring extrem dankbar. Meine Jahre dort als Trainer waren eine unfassbare Zeit, was vor allem an den Jungs liegt, mit denen ich arbeiten durfte.

2012 wechselten Sie von Urspring zum FC Bayern München und arbeiteten dort als Trainer der zweiten Mannschaft und des NBBL Teams. Worin unterscheidet sich die Arbeit zwischen dem Riesen Bayern München und Urspring?

CZERNY: Die Infrastruktur ist eine andere. Urspring ein beschaulich kleines Internat, München eine Millionenmetropole und der FC Bayern eine Weltmarke. An beiden Standorten hatte ich viel Verantwortung und dementsprechend gab es viel zu tun. Sieben Tage die Woche, von morgens bis abends. Ich kannte Urspring extrem gut, München war etwas ganz Neues und ich habe in den zwei Jahren extrem viel gelernt, viel gesehen und bin sehr dankbar für meine Zeit dort.

Vergangene Saison vermeldeten Sie, für viele überraschend, dass Sie in München aufhören. Was hat Sie dazu bewegt?

CZERNY: Ich wollte eine Pause. Jahrelang habe ich am oder über dem Limit gearbeitet, mit Herzblut und allem, was ich hatte. Mir fehlte die nötige Energie um es weiter auf dem Niveau zu machen, wie ich es von mir erwarte. Deswegen habe ich München verlassen.

Wie geht es in Zukunft bei Ihnen weiter? Sie sind immer noch in Kontakt mit Ralph Junge in Nürnberg und mit der Urspringschule. Könnten Sie sich vorstellen, dort ihre Arbeit als Trainer fortzusetzen?

CZERNY: Es gibt einige Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind. Klar ist aber, dass meine Verbundenheit zur Urspringschule und zu Ralph Junge eine starke ist.

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