Mit allen Mitteln gesund bleiben

Heidelberg.  Vernünftig essen und sich ausreichend bewegen, Risikofaktoren vermeiden, regelmäßig zur Vorsorge gehen, sich impfen lassen: Jeder Einzelne kann viel tun, um möglichst erst gar nicht an Krebs zu erkranken.

Mehr als 400000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Krebs, die Hälfte von ihnen stirbt irgendwann daran. Kann heute also jeder zweite Krebspatient geheilt werden, hatte dieses Glück vor 20 Jahren nur jeder vierte.

Doch trotz allen medizinischen Fortschritts ist es für den Einzelnen natürlich immer noch am besten, gar nicht erst an Krebs zu erkranken. "Insgesamt könnten 40 Prozent aller Krebsfälle verhindert werden", betont Prof. Harald zur Hausen, langjähriger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (dkfz). Der Nobelpreisträger weiß auch, wie das gehen könnte: "Aufs Rauchen verzichten, kein Übergewicht auf die Waage bringen, sich regelmäßig bewegen, viel Gemüse und Obst essen, den Alkoholgenuss einschränken und intensive Sonnenstrahlung vermeiden." Wer zudem Früherkennungsuntersuchungen wahrnehme, habe viel dafür getan, nicht an Krebs zu erkranken.

Zur Hausen hat einen Impfstoff gefunden, mit dem sich Gebärmutterhalskrebs verhindern lässt (siehe Artikel unten). Auch Prof. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention am dkfz, träumt von einer Impfung - sie würde die Nation gerne gegen das Rauchen immunisieren. Die erste Nichtraucherschützerin im Land glaubt, dass eine solche Immunisierung Erfolg hätte, "wenn es uns gelingt, die Politik immun gegen die Tabakindustrie zu machen".

Rauchen, auch passiv, sei nun mal ein wichtiger Risikofaktor für Krebs. Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen in den Industrieländern werden auf den Konsum von Tabak zurückgeführt. An erster Stelle steht der Lungenkrebs: Bei rund 90 Prozent der Männer und 60 bis 80 Prozent der Frauen, die an einem Tumor der Lunge leiden, ist dieser aufs Rauchen zurückzuführen. Doch auch an der Entstehung weiterer Krebsarten ist Rauchen beteiligt.

Derzeit freilich löse sich in Deutschland der Nichtraucherschutz in Rauch auf, kritisiert Pötschke-Langer. 16 verschiedene Ländergesetze führten nicht weiter. Dabei sei die Studienlage zur Gefährlichkeit von Zigarettenrauch, in dem sich 90 krebserregende Stoffe nachweisen lassen, eigentlich ganz klar, betont die Medizinerin, die für den Tabakatlas Deutschland 2009 des dkfz verantwortlich zeichnet.

Früherkennung von Krebs ist ein weiterer Schwerpunkt in Heidelberg. Auch wenn es etwa beim Brustkrebs-Screening oder bei der Bestimmung des PSA-Wertes immer wieder Kritik vor allem an der Häufigkeit falscher Befunde gibt, ist der Fall bei Darmkrebs klar: Die Darmspiegelung - seit sieben Jahren Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms - ist erfolgreich.

Der Epidemiologe Prof. Hermann Brenner vom dkfz hat herausgefunden, dass die präventive Darmspiegelung schon 15000 Darmkrebsfälle verhindert hat. "Wenn alle Berechtigten dieses kostenlose Programm annehmen würden, könnten es wesentlich mehr sein", ist Brenner überzeugt.

Immerhin ist Darmkrebs die häufigste Krebserkrankung in Deutschland und die zweithäufigste Krebstodesursache. Wer kein besonderes Risiko hat, sollte mit 55 Jahren seine erste Darmspiegelung machen lassen. Menschen mit erhöhtem Risiko, also etwa Darmkrebs in der Familie, empfiehlt Brenner die Untersuchung schon zehn Jahre früher.

Info

Der Weltkrebstag am 4. Februar soll Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein rücken. Er wurde 2006 unter anderem von der Genfer Patientenorgansiation Union internationale contre le cancer ins Leben gerufen.


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