Augenärzte im Schwarzwald rollen mit dem Bus an

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    Mit einem der mobilen Untersuchungsgeräte kontrolliert Dr. Thomas Neß die Augen von Ursula Wetzel. Foto: 
  • Der Augenbus ist in den nächsten drei Jahren im Südwesten im Einsatz. 2/2
    Der Augenbus ist in den nächsten drei Jahren im Südwesten im Einsatz. Foto: 
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Ursula Wetzel lebt in Wieden. Das ist ein kleines Berg­dorf bei Schönau im Südschwarzwald (Kreis Lörrach). Die 72-Jährige hat Probleme mit ihren Augen, sieht schlecht. Weil der nächste Augenarzt für sie nur schwer zu erreichen ist, ist sie an diesem Morgen ins benachbarte Utzenfeld gekommen. Dort, im Rathaus, bietet der Augenbus, eine mobile Augenarzt-Praxis, seine Dienste an. Ursula Wetzel möchte sich untersuchen lassen, möchte eine Diagnose für ihre Beschwerden von Dr. Thomas Neß von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Die hat zusammen mit der Blinden- und Sehbehindertenstiftung Südbaden, dem Augennetz Südbaden und dem Blindenheim Freiburg den Augenbus initiiert. Es ist nach Auskunft des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz bundesweit der erste dieser Art, und er ist in den abgelegenen Regionen des Südschwarzwalds unterwegs. „Unsere Zielgruppe sind Menschen, die nicht gut mit Augenärzten versorgt sind“, betont Thomas Neß. Einen Termin bekommt nur, wer stark sehbehindert oder blind ist und zum Beispiel mit einer Brille nicht mehr lesen kann.

Projekt läuft drei Jahre

Die Katholische Hochschule Freiburg begleitet das Projekt wissenschaftlich. Es ist auf drei Jahre angelegt. Ziel ist, herauszufinden, wie nachhaltig so eine mobile Augenarzt-Praxis genutzt wird. „Am Anfang finden das alle interessant und lassen sich Termine geben. Aber hält das auch an?“ Dieser Frage geht Lucas Wolski  nach. Er befragt die Patienten bei ihrem Besuch in der mobilen Arzt-Praxis und ein halbes Jahr später.

Thomas Neß untersucht die Augen von Ursula Wetzel gründlich, kontrolliert den Augeninnendruck und den Sehnerv.  Er kann sie beruhigen. Ihre Beschwerden können mit einer Operation und Augentropfen behandelt werden. Das allerdings leisten Ärzte und Equipment des Augenbusses nicht. Die mobile Augenarztpraxis bietet ärztliche Untersuchungen an, keine Behandlung. Dafür müssen die Patienten zu ihrem Augenarzt.

Die Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins sowie der -stiftung Südbaden ergänzen das Angebot um Beratungen.  Sie zeigen sehbehinderten und blinden Menschen, welche Hilfsmittel es gibt, damit sie ihren Alltag besser meistern können.

Dazu gehören Bildschirm-Lesegeräte, die zum Teil auch sprechen können. Das funktioniert so, dass der Sehbehinderte zum Beispiel die Zeitung unter den Scanner legt und der Text stark vergrößert auf dem Bildschirm erscheint. Blinde können sich Texte vorlesen lassen. Darauf ist Alfons Sprich (78) aus Wieden angewiesen. Er ist seit seiner Geburt blind. Seine Frau Regina hat ihn an diesem Morgen ins Utzenfelder Rathaus gebracht. Dort berät ihn Micha Knebel vom Blinden- und Sehbehindertenverein. Alfons Sprich hat so ein Scan-Gerät zuhause. „Das ist ein Segen“, sagt er. So könne er sich jeden Tag die Zeitung vorlesen lassen. Neben ihm sitzt eine ältere Frau, die ein Lesegerät ausprobiert. Janine Aleksov vom Blinden- und Sehbehindertenverein zeigt ihr, wie es funktioniert und was es kann.

Als zweiter Augenarzt ist an diesem Morgen Rainer Dünzen aus Staufen mit im Rathaus. Er hatte eine Praxis in Bad Krozingen, ist nun aber im Ruhestand. Doch so ganz ruhig möchte er es noch nicht haben, deshalb arbeitet er beim Augenbus-Projekt mit.

Treibende Kraft für die Umsetzung war die Blinden- und Sehbehindertenstiftung. „Wir haben ja ständig mit den sehbehinderten und blinden Leuten zu tun und wissen, dass ihre ärztliche Versorgung auf dem Land nicht gut ist“, sagt Vorsitzender Gerd Schäfers. Jahrelang sei er mit dem Projekt schwanger gegangen. Endlich sei es verwirklicht worden. Das freut ihn. Es ist zunächst auf drei Jahre angesetzt und kostet 420.000 Euro. Das Ministerium für den ländlichen Raum unterstützt es mit 200.000 Euro. Den Rest teilen sich Uni-Augenklinik und Stiftung.

Ursula Wetzel ist zufrieden. Sie hat eine fundierte Diagnose erhalten und Empfehlungen, wie die Behandlung aussehen könnte. Die nächste Station des Augenbusses ist am 21. Februar in Triberg.

Der Augenbus bringt eine fahrbare augen­ärztliche Untersuchungs-Einrichtung und eine Grundausstattung an Sehhilfen und weiteren Hilfsmitteln zu stark Sehbehinderten und Blinden im Südwesten. Mehr Infos und Termine gibt es im Netz unter www.augenbus.de wal

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