Der wohl älteste Doktor der Universitätsgeschichte

|
Klaus Krombholz ist Wissenschaftler mit Leib und Seele.  Foto: 

Klaus Krombholz ist zurückhaltend. Das Interesse an seiner Person scheint ihm unangenehm zu sein. Jüngst hat er an der Universität Hohenheim promoviert. Wie durchschnittlich 40 Doktoranden im Jahr. Der Titel seiner Arbeit lautet „Beitrag zur Untersuchung des Innovationsgeschehens und ausgewählter Unternehmen der deutschen Landmaschinenindustrie von den Anfängen bis in die 1970er Jahre“. Eine Arbeit und ein akademischer Erfolg, die aller Ehren wert sind. Besonders ist das Ganze aber wegen eines Details: Mit 79 Jahren ist Klaus Krombholz der wohl älteste Doktorand der Universitätsgeschichte. Die Promovierenden dort sind sonst um die 30.

 „Na ja, es ist wohl nicht ganz alltäglich“, räumt Klaus Krombholz dann doch noch ein. Es klingt fast entschuldigend.  Dabei kann er stolz sein auf das, was er in bald acht Jahrzehnten erreicht hat. Geboren in der Tschechoslowakei und aufgewachsen in der DDR, studierte er Landmaschinentechnik an der TU in Dresden und promovierte direkt im Anschluss zum ersten Mal. Den größten Teil seines Berufsleben verbrachte er in der DDR und hatte beim größten Landtechnikhersteller, dem Kombinat Fortschritt Landmaschinen, mehrere Leitungspositionen inne. Nach der Wende übernahm der Ingenieur die Sektoren Technik und Erzeugnisentwicklung. Erst Ende der 90er zog es ihn in den Süden – der Liebe wegen.

 Seit 2003 ist er offiziell Pensionär und lebt in Stockach am Bodensee. Das Schaffen kann er nicht sein lassen. Vier Fachbücher hat er geschrieben. Außerdem digitalisiert er in Kooperation mit dem Hohenheimer Institut für Agrartechnik Archivbestände. Der zweite Doktortitel – exakt 50 Jahre nach dem ersten – war nicht geplant gewesen. Bei der Recherche zum jüngsten Buchprojekt merkte er, dass das, was er zusammentrug, zu speziell war. „Ein Buch soll einen größeren Leserkreis ansprechen. Aber ich wollte ein bisschen in die Tiefe der Geschichte abtauchen.“ Der Kontakt zur Uni war gut, die Chefin der Graduiertenakademie sei aufgeschlossen gewesen – also wurde er Doktorand.

Krombholz betont, dass ihm keiner was geschenkt habe. Trotz ausgezeichneter beruflicher Referenzen hat er alle drei Kenntnisprüfungen abgelegt. „Es gab keine Sonderbehandlung und keine Marscherleichterung. Ich glaube, das war das Anliegen des Prüfausschusses.“ Auch ihm selbst sei wichtig gewesen, nicht als skurriler Doktor-Opa zu gelten, sondern als Fachmann. Bewiesen hat er das, und zwar in auffallend kurzer Zeit. In nur einem Jahr setzte er das Projekt Dissertation um. Krombholz stapelt wieder tief: Die Arbeit sei ja davor schon weitgehend fertig gewesen.

 „Ich tue mir nichts an, sondern mache Dinge, die mir Spaß bereiten“, stellt Krombholz klar. Auch, wenn er durch sein Alter mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen habe, etwa der „Eroberung der modernen Rechentechnik“, wie er sich lachend ausdrückt. Ans Aufhören denkt der doppelte Doktor nicht – so lange die Kraft eben reiche. „Ich habe noch einige Projekte.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Tourismus: Allein geht gar nichts

Nur mit einem gemeinsamen Auftritt kann die Region beim Tourismus mithalten. Das betonten Politiker auf der CMT. weiter lesen