Putin wird 65: Geburtstagsgeschenke von Freund und Feind

|

Russlands Präsident Wladimir Putin gibt sich mal wieder asketisch. Auf die Frage, wie er seinen Geburtstag begehen wolle, ließ sein Pressesprecher durchblicken, es werde wohl kaum gefeiert. „Arbeitsmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen.“

Heute wird Putin 65 Jahre alt. Russland gratuliert durchaus eifrig. Tschetschenenchef Ramsan Kadyrow veranstaltet in Grosny ein Fußballspiel. In Moskauer Haus der Poeten eröffnet eine Dokumentation mit den auffälligsten Trends, die Putin im Internet hervorgerufen hat. Es gibt auch von Künstlern gestaltete Putin-T-Shirts. Putin ist schließlich Kult in Russland. Und die staatliche Nachrichtenagentur Tass verkündet stolz, eine Pizzeria in Washington biete eine spezielle 22,50 Dollar-Pizza an: „Hot like Putin.“

Aber vor allem hagelt es politische Geschenke, von Freund und Feind. Der selbsterklärte demokratische Präsidentschaftskandidat Alexei Nawalny, gerade wieder zu einem 20-Tage-Arrest verdonnert, rief seine Anhänger auf, Putin an seinem „Rententag“ mit Massenprotesten in ganz Russland zu gratulieren. Und nachdem die Sicherheitsorgane am Donnerstag zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Aktivisten der Oppositionsbewegung Offenes Russland veranstaltet hatten, twitterte deren Führer Michail Chodorkowski erbost aus dem Londoner Exil: „Festvorbereitungen für Putins Jubiläum.“

Straßenopposition ist wieder da

Tatsächlich vermerken Beobachter, Putin habe in den vergangenen Jahren immer mehr Höflinge um sich versammelt, die ihr Tagwerk vor allem seiner guten Laune widmeten. Die Mehrheit der oppositionellen Experten hält die neuen Repressalien für Routine. „Das Regime benötigt inzwischen ein bestimmtes Niveau von Gewaltmaßnahmen, um seine Macht zu sichern“, erklärt der Politologe Juri Korgonjuk unserer Zeitung. Nawalny mit seinen Wahlkampfdemos verdrieße Putin, nicht weil er ihm den Geburtstag verderbe. Sondern weil er vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden März die eigentlich schon tot geglaubte Straßenopposition wieder auf die Beine gebracht habe.

Niemand in Russland zweifelt daran, dass Putin im März seine Wiederwahl erwartet. Auch wenn er 65 Jahre alt ist und Russlands Männer schon mit 60 Jahren in Rente gehen. Aber Putin gilt als topfit – körperlich wie geistig.

Im September brachte ein anonymer Kremlbeamter gegenüber der Zeitung Wedomosti Xenia Sobtschak als Putins „ideale Gegenkandidatin“ ins Rennen. Sobtschak, 35, It-Girl und TV-Moderatorin, profilierte sich neben Nawalny als eine der Führerinnen der liberalen Straßenproteste 2012. Andererseits ist sie die Tochter Anatoli Sobtschaks, des Ex-Bürgermeisters von Sankt Petersburg, dem Putin bis in dessen Tod treu diente. Also keine wirkliche Feindin, eher eine Sparringspartnerin.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mildes Urteil für Anton Schlecker?

Der Richter will einige Vorwürfe gegen den Ex-Drogeriemarktkönig fallenlassen. Das würde das mögliche Strafmaß deutlich verringern. weiter lesen