Walter Freis Präsenz lässt den Text leuchten

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Ein nostalgisches mintgrün-eierschale-gestreiftes Sofa, ein Bild von Kaiser Franz Joseph neben den Porträts von Kaiserin Elisabeth und Schauspielerin Katharina Schratt (Bühne: Jörg Stroh). Dazu die kratzige Musik eines alten Plattenspielers. Mehr braucht es nicht, um die Besucher der ausverkauften Premiere von „Leg mich zu Füßen Eurer Majestät, Guten Morgen“ in kaiserliche Stimmung zu bringen. Denn Walter Frei erobert für 110 Minuten mit wienerischer Sprachfärbung und ganz eigenem Schmäh die Bühne der Theaterei Herrlingen. „Gestatten, dass ich mich vorstelle: Ketterl, Eugen Ketterl.“

Dann beginnt er zu erzählen, von seiner überraschenden Einberufung mit ungeputzten Schuhen und „einem Aufzug, der der Hofetikette nicht ganz entsprach“. Vom ersten Urlaub als Leibkammerdiener mit dem kaiserlichen Paar in Cap Martin an der Côte d’Azur, seinen Neueinführungen bei Hofe und den „geradezu trostlosen Zuständen“ der Zivilkleidung des Kaisers. Diese befand sich bisher in den Händen des 80-jährigen Hornung (hier erlaubt sich der 80-jährige Frei eine kleine Wiederholung des Satzes mit Betonung auf dem Zusatz „Greis“), der damit überfordert war.

Entdeckt hatte das Buch „Der alte Kaiser, wie ihn nur einer sah“ Theaterei-Prinzipal Wolfgang Schukraft – und sofort Walter Frei in der Rolle des Eugen Ketterl gesehen. Gemeinsam machten sie aus dem Text eine Bühnenfassung. Die lässt den trockenen Humor und die menschliche Würde von Franz Joseph I. in Ketterls Zitaten durchscheinen, was eindeutig nicht der „Speichelleckerei und Unterwürfigkeit“ des Kammerdieners geschuldet ist. „Ein Minister kann eine jämmerliche Bedientenseele und ein Diener ein sehr aufrechter Mann sein.“

Man möchte ihm ewig zuhören, diesem Herrlinger Eugen Ketterl und seiner schönen, geschliffenen Sprache – insbesondere dank der humorvollen Interpretation und Bühnenpräsenz Walter Freis, die den Text richtig zum Leuchten bringen.

Info Weitere Aufführungen am 5./25. November und 3./8. Dezember, 20 Uhr.

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