Der Blade Runner kehrt zurück

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35 Jahre später: Harrison Ford (rechts) ist bei der „Blade Runner“-Fortsetzung wieder als Deckard mit dabei – an der Seite von Ryan Gosling.  Foto: 

Mit der Zukunft ist das so eine Sache. Als Ridley Scotts Science-Fiction-Thriller „Blade Runner“ 1982 in die Kinos kam, wurde er zwar für seine so bedrückende wie realistisch wirkende Vision des Jahres 2019 gelobt. Aber eine Zukunft schien der Streifen nicht zu haben: Kritiker und Publikum fremdelten mit dem Werk, der Film verschwand nach wenigen Wochen aus den Kinos, in denen damals „E.T.“ für Rekorde sorgte, und Hauptdarsteller Harrison Ford wollte schon bald nichts mehr damit zu tun haben.

Mit der Zukunft ist das wirklich so eine Sache. Heute schreiben wir fast das Jahr, in dem „Blade Runner“ spielt, und unsere Welt sieht doch etwas anders aus. Dafür gilt der Streifen längst als Meilenstein des Genres. Wenn nun mit „Blade Runner 2049“ – nach 35 Jahren und wieder mit dem grummeligen Harrison Ford – eine Fortsetzung erscheint, ist das ein Ereignis.

Ein Film wie „Blade Runner“ brauchte wohl seine Zeit, um angemessene Wertschätzung zu erfahren. Wie Scott das Los Angeles des Jahres 2019 als düster-dreckigen Moloch mit Dauerregen, multimedialem Overkill und ­babylonischer Überbevölkerung erschaffen hatte, war zwar schon beim Erscheinen gelobt worden. Ebenso wie die detailversessene Ausstattung, die atemberaubenden Effekte und Vangelis’ atmosphärisch dichte elektronische Musik, die die Zuschauer in den Film geradezu hineinzogen.

Doch hatte die Verquickung von Noir-Krimi und Science Fiction, dazu die rätselhaft erscheinende Handlung das Publikum zunächst distanziert. Ganz zu schweigen davon, dass „Blade Runner“ in Gestalt eines Zukunftsfilms grundsätzliche philosophische Probleme behandelt.

Denn die Adaption von Philip K. Dicks Erzählung „Träumen Roboter von elektrischen Schafen?“ behandelt die Frage, was den Menschen ausmacht. Die titelgebenden Blade Runner, darunter Ford als Ex-Polizist Deckard, machen Jagd auf Replikanten genannte Androide, die von außerirdischen Kolonien auf die Erde geflohen sind, um ihren Schöpfer herauszufordern. Deckard kommen Zweifel, spätestens als er sich in eine Replikantin neuesten Modells verliebt.

Im Finale kämpft Deckard gegen den übermächtigen Replikanten Roy – der die größte Menschlichkeit zeigt, indem er Deckard verschont. Dann stirbt Roy, eine unvergessliche Szene, im Häusermeer, sich an all das Unglaubliche erinnernd, was er gesehen und erlebt hat: „All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.“

Zum Nimbus von „Blade Runner“ haben die diversen Schnittfassungen beigetragen, die im Laufe der Zeit erschienen sind. Scott erarbeitete einen „Director’s Cut“ und später einen „Final Cut“, die sich bedeutsam von der ursprünglichen Version unterscheiden, etwa durch das Fehlen der Erzählerstimme Deckards und das offenere Ende. Vor allem aber gibt es eine zusätzliche Szene, die andeutet, dass Deckard selbst ein Replikant sein könnte. Wobei mit Hampton Fancher sogar einer der Drehbuchautoren diese Lesart ablehnt, weil sie zwar reizvolle Implikationen beinhaltet, der Grundaussage des Films aber eigentlich zuwiderläuft.

So oder so ist „Blade Runner“ ein faszinierender Film, weil er über seine visuelle Genialität hinaus moralische, bioethische, machtpolitische und ökologische Themen anspricht, weil er reich an Symbolik sowie literarischen und mythologischen Bezügen ist. Er hat die Populärkultur – vor allem den Cyberpunk – geprägt und seinen festen Platz in cineastischen Bestenlisten eingenommen. „Blade Runner“ ist ein Film, an dem man sich nicht sattsehen kann und über den nachzudenken man nie aufhören mag.

Aufgrund des Kultstatus ist immer wieder über eine Fortsetzung nachgedacht worden. Aber erst nachdem ein tragfähiges Drehbuch vorlag, signalisierte Harrison Ford seine Bereitschaft und gab Ridley Scott grünes Licht. Letzterer wirkt nun freilich nur im Hintergrund mit, was aber Fans nicht schlimm finden – eine Qualitätsgarantie ist der Name Scott lange nicht mehr.

„Blade Runner 2049“ spielt, wie der Titel sagt, 30 Jahre nach dem ersten Teil. Ein neuer Blade Runner, Officer K. (Ryan Gosling), entdeckt ein Geheimnis, das die Überreste der Gesellschaft endgültig ins Chaos stürzen könnte. So macht sich K. daran, nach Deckard zu suchen, der schon lange verschollen ist. Mehr ist von der Story nicht bekannt.

Die Fans sind nach den Trailern enorm gespannt. Dass Ford wieder mitspielt, legitimiert das Projekt gewissermaßen, mit Gosling ist noch ein Star dabei, hinzu kommen charismatische Nebendarsteller wie Robin Wright, Jared Leto und Dave Bautista. Und dazu wurde Denis Villeneuve als Regisseur engagiert. Der hat schon mit „Arrival“ gezeigt, dass er Science Fiction originell, intelligent und kraftvoll bebildert zu inszenieren weiß.

Die Erwartungshaltung der Fans ist enorm hoch, die ersten US-Kritiken sind schon mal äußerst verheißungsvoll. Aber ob auch „Blade Runner 2049“ in 35 Jahren als Klassiker gelten wird? Wer weiß das schon – mit der Zukunft ist das so eine Sache.

Schauspieler Harrison Ford fand die Arbeit an „Blade Runner“ 1982 wenig erfreulich. Es hat gedauert, bis er sich mit einer Fortsetzung angefreundet hat. Überraschend war ebenso, dass er 2015 als Star-Wars-Held Han Solo zurückkehrte – wobei er in „Das Erwachen der Macht“ den Leinwandtod fand. Die Rolle des Indiana Jones hat Ford dagegen immer geliebt. Und so ist für Juli 2020 tatsächlich ein fünfter Teil angekündigt. Ford wird dann 78.

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