300 Jahre protestantischer Friedhof

Für viele ist er einer der romantischsten Orte Roms: Der 300 Jahre alte protestantische Friedhof inmitten alter Bäume. Hier liegen die Gräber von John Keats, Gottfried Semper und Goethes Sohn August. Zum Jubiläum öffnet am Freitag eine Ausstellung.

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Marmorengel beugen sich in Trauer versunken über Grabsteine. Auf alten Stelen sind russische, englische und deutsche Namen zu lesen. Der protestantische Friedhof in Rom präsentiert sich den Spaziergängern in einer ganz eigenen Atmosphäre, abgeschieden und romantisch. Römische Antike und Barock wirken auf dem terrassierten Gelände an der Stadtmauer eigentümlich fremd.

Entstanden ist der „Friedhof für Nicht-Katholiken“, wie er offiziell heißt, vor 300 Jahren: Da gab Papst Clemens XI. die Erlaubnis, dort die im Exil lebenden Mitglieder des schottisch-englischen Königshauses der Stuarts zu beerdigen. Das Gelände an der antiken Cestius-Pyramide lag da noch außerhalb Roms. Das Kulturzentrum „Casa di Goethe“ widmet ihm zum Jubiläum die Ausstellung: „Am Fuße der Pyramide“.

Der Friedhof faszinierte seit jeher Schriftsteller und Künstler. Zahlreiche Maler schufen römische Stadtansichten mit der Cestius-Pyramide für Reisende der „Grand Tour“, der seit der Renaissance für höhere Stände üblichen Reise in den Süden.

Ein Großteil der malerisch unter Pinien liegenden Gräber stammt aus einer Zeit, als für die Angehörigen eine Reise zur Trauerfeier nach Rom noch ein unüberwindliches Hindernis darstellte. So gaben sie Bildnisse der Gräber in Auftrag. „Die meisten Künstler aber wählten diesen schönen Ort vermutlich aus ästhetischen Gründen“, erklärt Kurator Nicholas Stanley-Price.

Auf dem Friedhof sind viele Berühmtheiten beigesetzt. „Von den Ausländern, die mit der Absicht nach Rom kamen, ein bis zwei Jahre zu bleiben, fielen nicht wenige Krankheit oder Unfall zum Opfer“, sagt Stanley-Price. Andere seien dann nie wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt und mitunter im hohen Alter in ihrer Wahlheimat gestorben.

Auch Johann Wolfgang von Goethes Sohn August wurde auf dem protestantischen Friedhof beerdigt. Er starb 1830 in Rom im Alter von nur 40 Jahren. Erst 25 war der englische Dichter John Keats, als er 1821 in Rom starb. „Here lies One Whose Name was writ in Water“, hatte er sich als Inschrift für sein Grab auf dem protestantischen Friedhof gedichtet. Ein Jahr später wurde hier auch sein Dichterfreund Percy Shelley (1792-1822) begraben. Für den war der „Cimitero acattolico“ der „schönste und würdevollste Friedhof, den ich je erblickte“.

Die meisten Werke in der Ausstellung entstanden im 18. und 19. Jahrhundert, darunter auch eine Zeichnung Johann Wolfgang von Goethes. Sie zeigt die Cestius-Pyramide im Mondenschein. In einem Brief an Fritz, den Sohn seiner Freundin Charlotte von Stein, deutet der Dichter an, dass er selbst in Rom begraben werden wollte.

„Du schriebst neulich von einem Grab der Miß Gore bei Rom“, heißt es darin unter Anspielung auf Emilie Gore, Tochter eines englischen Reeders und Malers. „Vor einigen Abenden, da ich traurige Gedanken hatte, zeichnete ich meines bei der Pyramide des Cestius“, fuhr Goethe fort. Sein Wunsch, in Rom begraben zu werden, sollte unerfüllt bleiben. Er starb 1832 in Weimar, wo er in der Fürstengruft beigesetzt wurde.

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