Brunnen kehrt zurück

Ulm.  Erinnern Sie sich an den Brunnen in der Platzgasse, im Innenhof des Hauses der Begegnung oder vor dem früheren Einsinger Bahnhof? Es ist stets derselbe. Die nächste Station ist nun beim Einsinger Rathaus.

"Es ist ein einfacher, aber prägnanter Brunnen von steinmetzmäßiger Qualität", schwärmt der Ulmer Stadtbildgestalter Jörg Schmitz. Der Steinbrunnen besteht aus einer kantigen Basis, an deren unterem Drittel ein halbrundes Becken angebracht ist. Seitlich steht auf einem Messingschild in schöner Schreibschrift: "Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm - Schütze Dein Trinkwasser" - Ehemaliger Trinkwasserbrunnen aus Einsingen ca. aus dem Jahr 1910."

Der Einsinger Ortsvorsteher Rudolf Stadler konnte bisher noch nicht in Erfahrung bringen, welcher Steinmetz den Brunnen einst hergestellt hat. Jedoch möchte Stadler das gute Stück wieder in seinen Ort zurückholen, nachdem kürzlich das neue Rathaus bezogen worden ist. Rund ums Rathaus soll im Frühjahr ein Platz für 150 000 Euro angelegt werden: mit Pflastersteinen, Zierkirschen auf Schotter, einer Linde - und eben einem Brunnen.

Nach eingehenden Verhandlungen des SWU-Vorstandes mit der Stadt Ulm gab Stadtwerke-Pressesprecher Bernd Jünke nun grünes Licht: "Dem Wunsch Einsingens wird entsprochen." Dieser Stadtteil erhält seinen Brunnen im Laufe des Jahres zurück, bestätigt er.

Jünke kennt auch die anderen Stationen des Trinkwasserbrunnens. Dieser wurde Anfang der 90er Jahre am Einsinger Bahnhof abgebaut, als der Bahnhof abgetakelt und Gebäude abgerissen wurden. Dann stand er kurze Zeit im Lager des städtischen Bauhofs. Da sich der Brunnen aber "gerade in seiner Schlichtheit gut macht" (Stadtbildgestalter Schmitz), wurde der Brunnen aufwendig saniert und im Oktober 1995 in der Platzgasse aufgestellt. Weil dort aber das Trinkwasserbecken immer wieder verschmutzt und in der Nähe der Nische ein Laden ausgebaut wurde, entschlossen sich die Stadtwerke im Februar 2010, den Brunnen auf dem neuen Innenhof des Hauses der Begegnung aufzustellen, sagt Jünke. Dort steht der schlichte Blickfang im Moment immer noch.

Schmitz findet den Standort für einen Brunnen jedoch "so prädestiniert", dass es erste Überlegungen gebe, dort einen anderen neuen oder alten Brunnen zu installieren. Schmitz kann den Einsinger Wunsch verstehen: "Schließlich hat das Unikat dort seine Wurzeln."

Kaum zu glauben, aber mit dem Einsinger Brunnen haben sich bereits Hobby-Geocacher befasst. Geocaching ist eine Art moderne Schatzsuche. Bis die Cacher ihren Schatz - kleine dort versteckte Geschenke - jedoch gefunden haben, müssen sie verschiedene Aufgaben lösen. So steht im Internet der Auftrag: "Um den Cache zu finden, müsst Ihr zuerst einmal einen Brunnen finden, der früher einmal in Einsingen stand." Heute stehe dieser Brunnen irgendwo in Ulm, wo genau, müsse jeder selbst herausfinden. Weiter heißt es: "Auf dem Brunnen findet Ihr ein Messingschild, das Euch weiterhelfen wird."


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Autor: CAROLIN STÜWE | 09.02.2012

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