Schiffsunglück: Krisenbewältigung à la Costa
Ulm. Das tragische Schiffsunglück der "Costa Concordia" zieht Kreise. Die Kreuzfahrt-Gesellschaft wendet sich an Kunden - mit komischen Sätzen.
Erfahrene Kreuzfahrer sind Renate und Georg Köller noch nicht. Vom 5. bis 12. Dezember 2011 machte das Söflinger Ehepaar aber doch schon seine dritte Luxus-Schifffahrt. Auf der "Costa Concordia", jenem Groß-Liner, der fünf Wochen später vor der toskanischen Insel Giglio havarieren sollte - auf haargenau jener Mittelmeer-Route, auf der die Köllers gekreuzt waren.
So kurz vorher selber an Bord, war das Unglück für die Ulmer Eheleute sozusagen ein Schock hoch zwei. Und wenn Renate Köller sagt: "Mich schlauchts", weiß jeder, was gemeint ist.
Besonders an die Nieren gegangen ist den beiden indes ein Brief aus Hamburg, unterzeichnet vom Chairman der Costa Kreuzfahrten. Das Schreiben lag auch in den Briefkästen anderer Kunden, die Mitglieder des Costa-Clubs sind. Darin wird zwar der Erschütterung über das Unglück Ausdruck verliehen und als Grund ein "menschlicher Fehler" genannt, mit dem nur - ohne ihn zu nennen - Kapitän Francesco Schettino gemeint sein kann.
Damit aber genug des Bedauerns über die Tragik. Im weiteren beherzigt der Herr Chairman das Prinzip Vorwärtsverteidigung und schlägt eine nassforsche Gangart ein. Er beschreibt vollmundig die "Opferbereitschaft der Mitglieder unserer Besatzung, die ihre eigene Sicherheit hinter die von anderen stellen", und wie es dadurch gelungen sei, "über 4000 Menschen zu evakuieren". "Auf diese Einsatzbereitschaft sind wir stolz, so wie auf unser Engagement für Ihre Sicherheit."
Wenn sie denn überhaupt mitwirken konnten an den Rettungsmaßnahmen und nicht zuvor wie der Kapitän versehentlich in eines der Rettungsboote gefallen sind, möchte man anmerken angesichts solcher Selbstgefälligkeit. Sie findet ihre Fortsetzung im Rühmen der Notfall-Spezialausbildung der Besatzung und der Rettungsübungen für alle Kreuzfahrt-Gäste. Georg Köller erinnert sich anders: "Uns ist beim Schwimmwesten-Anlegen nicht mal gezeigt worden, wo sich die Rettungsboote befinden und wo genau wir uns hätten einfinden müssen."
Im Übrigen bleibt dem Kreuzfahrer-Paar angesichts solcher Töne die Spucke weg. Konsequenz? "Mit Costa reisen wir nicht mehr."
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Autor: HANS-ULI THIERER | 04.02.2012
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Unglückskapitän Francesco Schettino fünf Wochen vor der Havarie, aufgenommen vom Ulmer Ehepaar Köller.
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Kommentare (4)
Kreuzfahrten
werden immer noch preiswerter. Ich befürchte, dass dadurch das Personal an Bord auch 'preiswerter' wird, d.h. weniger Mittel für die Qualifikation des Personals ausgegeben werden.Schiffsunglück
Solch eine Reederei - die noch damit Werbung damit macht wie weit das Schiff unter Land fahren kann - siehe Brief von dem Bürgermeister - gehört verboten werdeneiner solchen Reederei gehört es verboten weiterhin Menschen zubefördern -
wer mit Menschenleben spielt gehört von den Meeren verbannt !!
Costa Concordia - Berichtigung
Meine Frau und ich fuhren vom 21.11. - 28.11.2011 die gleiche Route mit der Costa Concordia. Schon bei der Ausfahrt aus Savona wurde die Rettungsübung durchgeführt. Für uns war diese Übung ausführlicher (in vielen Sprachen) als auf der MSC Poesia und der Aida Sol.Wir haben unsere Nordlandreise am 30.06.2012 mit der Costa Pacifica nicht storniert. Jedes Unglück ist schrecklich. Es müssen nur die Lehren daraus gezogen werden.
Im Übrigen ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns jemand aus Unachtsamkeit auf den Zebrastreifen überfährt, wesentlich größer als bei solch einer Havarie umzukommen.